Wann wart ihr das letzte Mal in einer Kunstausstellung, ohne ein Museum zu betreten?

Genau das macht das Projekt „hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum“ möglich. Seit Anfang Mai verwandeln 25 Kunstwerke die Region rund um den Untersee in eine Ausstellung unter freiem Himmel. Zwischen Berlingen, Steckborn, Gaienhofen und Hemmenhofen begegnet man Skulpturen, Installationen und konzeptionellen Arbeiten, die nicht hinter Absperrungen, sondern entlang öffentlicher Wege, direkt in die Landschaft eingebettet sind. Die Ausstellung verbindet dabei nicht nur verschiedene Orte, sondern auch die beiden Ufer des Untersees – Deutschland und die Schweiz.

Als wir von dem Projekt hörten, stand schnell fest: Das klingt nach dem perfekten Tagesausflug von Konstanz aus. Also planten wir unsere Route, schauten uns Zug- und Fährverbindungen an und überlegten, wie viel Zeit wir für den Rundweg einplanen sollten. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Tag individuell zu gestalten. Auf der Website von hänne und dänne finden sich verschiedene Routenvorschläge und Empfehlungen für Rundfahrten, sodass man die Ausstellung ganz nach den eigenen Interessen erkunden kann.

Am Vormittag machten wir uns von Konstanz aus mit dem Zug auf den Weg nach Berlingen, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Vom Bahnhof aus ging es für uns zuerst direkt zum Hafen. Der Weg entlang des Ufers ist ruhig, nur vereinzelt sind Menschen unterwegs, manche bereits beim Schwimmen im See. Am Hafen selbst findet man auch die erste Arbeit der Freiluft-Ausstellung. Leider mussten wir dort erfahren, dass die Installation von Felix Stöckle mit dem Titel …S .-A .-..L ..-Ü mutwillig zerstört wurde. Trotzdem war es ein schöner Ort, um unsere Erkundungstour zu beginnen. Wer zur richtigen Zeit am Wochenende dort ist, kann in Berlingen außerdem das Adolf-Dietrich-Haus besuchen.

Von Berlingen aus folgten wir dem Weg Richtung Steckborn. Der Pfad durch die Weinberge dauert ungefähr eine Stunde und eröffnet unterwegs immer wieder schöne Ausblicke auf den Untersee. Vorbei an grasenden Kühen entdeckt man zwischendurch immer wieder Kunstwerke, die sich ganz selbstverständlich in die Landschaft einfügen. Ein Beispiel dafür sind die Flugblätter von Ursula Rutishauser. An verschiedenen Stellen hängen scheinbar lose Papierblätter zwischen den Bäumen, die auf den ersten Blick vom Wind verweht wirken. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass sie aus Stahl gefertigt sind. Man hat fast das Gefühl, dass sie zwischen den Ufern hin und her getragen werden und dabei eine Verbindung über die Grenze hinweg entstehen lassen.

In Steckborn angekommen nutzten wir die Zeit vor unserer Fähre nach Gaienhofen, die um 12 Uhr ablegte, um die dortigen Arbeiten zu erkunden. Der Weg führt direkt am See entlang bis zum Phönixtheater.

Unterwegs sahen wir unter anderem den illusionistischen Steg von Gianin Conrad, eine temporäre Konstruktion aus Holz und Stahl, die aus einer bestimmten Perspektive wie ein echter Steg wirkt. Die Arbeit spielt bewusst mit der Wahrnehmung und erinnert in ihrer Konstruktion an die räumlichen Illusionen von M. C. Escher. Je nach Standpunkt scheint der Steg das deutsche Ufer mit Steckborn zu verbinden und hebt damit die Grenze zwischen den beiden Seiten des Sees scheinbar auf. 

Ebenfalls auf dem Weg liegt Dialog von Rebecca Koellner, ein auf Baumrinde aufgetragener Text, der als poetischer Austausch zwischen den Ufern gedacht ist. Durch den Einsatz von Baumschutzpaste und Nachleuchtfarbe bleibt die Arbeit bewusst fragil und reagiert auf Wetter, Zeit und das Wachstum des Baumes selbst.

Fahrt mit der Fähre über den Untersee mit Blick auf Gaienhofen

Nach unserer Zeit in Steckborn ging es für uns mit der Fähre hinüber auf die deutsche Seite des Untersees. Wie sich der zweite Teil unserer Entdeckungstour dort weiterentwickelt hat, folgt in einem weiteren Beitrag nächsten Sonntag.

 

Weitere Informationen unter:

https://haenne-und-daenne.ch/ 

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 geöffnet.

@photos by kws