Hochschulgruppe Uni Konstanz

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hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum: Teil 2

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Allgemein, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Nachdem wir im ersten Teil unserer Tour die Schweizer Seite des Untersees erkundet hatten, ging es für uns mit der Fähre von Steckborn weiter nach Gaienhofen. Schon die Überfahrt war ein kleines Erlebnis für sich. Bei angenehmer Seeluft und einer leichten Brise bot sich vom Wasser aus ein wunderschöner Blick auf den Untersee und seine Ufer. Die ruhige Fahrt war nach unserer bisherigen Wanderung eine willkommene Pause und zugleich ein besonders idyllischer Übergang von der Schweizer auf die deutsche Seite der Ausstellung. 

Direkt in der Nähe des Hafens von Gaienhofen starteten wir unsere weitere Erkundungstour mit einer Arbeit von Ursula Rutishauser. Sie ist Teil der vierteiligen Werkreihe 4 Positionen: „anders weiter“ | „anders denken“ | „weiter gehen“ | „sich verstehen“. Leider konnten wir die Arbeit nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form sehen, da vor Ort nur noch ein Teil der Befestigung beziehungsweise die verbliebene Schnur vorhanden war.

Bei einer Ausstellung unter freiem Himmel lassen sich Witterungseinflüsse und Unwetter natürlich nicht vollständig vorhersehen, sodass auch die Kunstwerke selbst Spuren davontragen oder beschädigt werden können. Anders als bei der mutwilligen Zerstörung, auf die wir zuvor in Berlingen gestoßen waren, gehört diese Unvorhersehbarkeit zu den besonderen Herausforderungen einer Freiluftausstellung.

Von dort aus ging es direkt weiter zu einer Installation von Boris Petrovsky. Doch auch hier verlief unser Besuch anders als erwartet: Wir standen plötzlich vor einem verschlossenen Tor. Zunächst versuchten wir, das Werk von außerhalb zu erkennen und fotografisch festzuhalten, konnten jedoch nur einen kleinen Teil davon sehen. Wir sahen uns in der Umgebung noch nach einem alternativen Zugang um, mussten schließlich aber feststellen, dass wir auf diesem Weg nicht weiterkamen.

Die Installation spielt mit der Idee einer Kommunikation über das Wasser. Die sogenannten Fluchtstäbe greifen das Prinzip des Semaphors auf, also der Signalübermittlung durch bewegte Stäbe, und senden so symbolisch Signale von Ufer zu Ufer. Wer das Werk näher betrachten möchte, hat im Rahmen einer Führung die Möglichkeit, Zugang zum Gelände zu erhalten.

Da wir zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Stunden unterwegs waren, legten wir anschließend eine wohlverdiente Mittagspause im Restaurant Zum Fährmann ein. Das Restaurant erwies sich als besonders schöne Zwischenstation: gemütlich, preiswert und vor allem sehr lecker. Von der Vorspeise bis zum Dessert hat uns das Essen ausgezeichnet geschmeckt. Das Hauptgericht war sogar so gut, dass wir erst danach bemerkten, dass wir völlig vergessen hatten, ein Foto davon zu machen.

Gut gestärkt setzten wir unsere Wanderung fort und machten uns auf den Weg zu einer weiteren Arbeit von Rebecca Koellner. Wie bereits auf der Schweizer Seite begegneten wir hier einem auf Baumrinde aufgetragenen Text. Die Arbeit versteht sich als Dialog aus der Perspektive der Bäume und verändert sich mit der Zeit und ihrer Umgebung.

Anschließend führte uns unsere Route weiter zu einem Projekt von Miriam Rutherfoord und Joke Schmidt, das sich in der Tourist-Information befindet. Besonders hilfreich waren dabei die Wegweiser im Ort, die Besucher/innen in die richtige Richtung führten. Nach den vorherigen Schwierigkeiten bei der Suche nach einzelnen Arbeiten war es angenehm, diesmal ganz unkompliziert zum nächsten Ziel geleitet zu werden.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein 5.40 minütiges, tonloses Video, das aus analogen Fotografien besteht.

Danach ging es weiter zu den Arbeiten von Frank Altmann. Die farbig bemalten Holzobjekte, die an Vogelhäuschen erinnern, waren vergleichsweise schnell und leicht zu finden. Hinter ihrer zunächst spielerischen Erscheinung steckt die Frage, wie Kunst überhaupt bewertet werden kann und was von den Ideen der Moderne übrig bleibt.

Unser nächstes Ziel war Anna von Siebenthals Installation Grenzverbindung. Die aus Seilen und Holzpfosten bestehende Arbeit verbindet Geschichte und Handwerk miteinander. Ausgangspunkt ist der sogenannte Overlock-Stich, der Kanten miteinander verbindet und zugleich säubert. In der Installation werden dessen Fäden in Seile übersetzt und als räumliche Zeichnung in die Landschaft übertragen. Gleichzeitig verweist die Arbeit auf frühere Pendler/innen und versteht das Gewässer nicht als trennende Grenze, sondern als verbindende Übergangszone.

Danach machten wir uns auf die Suche nach einer weiteren Arbeit von Ursula Rutishauser. Trotz längerer Suche konnten wir den richtigen Zugang zunächst nicht finden und mussten schließlich weiterziehen, um noch unser letztes Ziel zu erreichen und die Fähre nicht zu verpassen. Inzwischen wurden zusätzliche Markierungen angebracht, durch die der Trampelpfad zum Werk leichter zu finden sein soll.

Zum Abschluss unserer Tour besuchten wir Patricia Buchers Arbeit Jede Seite hat zwei Medaillen. Das Werk verbindet eine stabile Fachwerkstruktur mit Ruderelementen und greift damit einen deutlichen Gegensatz auf: Auf der einen Seite stehen Schutz, Sicherheit und die Geborgenheit eines Zuhauses, auf der anderen die schwierige Überquerung des Sees. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Getriebenheit und dem Wunsch nach Ankommen und Geborgenheit.

Auch der Standort dieser letzten Arbeit erwies sich als besonders schön. Von dort aus bot sich eine beeindruckende Aussicht über die umliegende Landschaft und den Untersee – ein passender Abschluss für unseren langen Tag zwischen Kunst, Wanderung und den beiden Ufern.

Nach vielen Kilometern zu Fuß, mehreren unerwarteten Hindernissen und zahlreichen Kunstwerken endete damit unsere Entdeckungstour auf der deutschen Seite des Untersees. Gerade die Verbindung aus Wanderung, Fährfahrt, Landschaft und Kunst macht „hänne und dänne“ zu einer besonderen Form der Ausstellung. Die Werke begegnen einem nicht in abgeschlossenen Museumsräumen, sondern unterwegs – manchmal gut sichtbar, manchmal versteckt und, wie wir selbst erfahren haben, gelegentlich auch schwieriger zu finden als erwartet.

Auch wenn nicht alles wie geplant verlief, machte genau das den Ausflug authentisch. Am Ende blieb vor allem der Eindruck eines gelungenen Projekts, das den Untersee aus einer ganz neuen Perspektive erlebbar macht.

Wer jetzt selbst Lust auf eine Entdeckungstour bekommen hat, findet auf der Website von hänne und dänne weitere Informationen zur Ausstellung, zu Führungen und möglichen Routen.

Weitere Informationen unter:
https://haenne-und-daenne.ch/

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 geöffnet.

@photos by kws

 

hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum: Teil 1

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Allgemein, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Wann wart ihr das letzte Mal in einer Kunstausstellung, ohne ein Museum zu betreten?

Genau das macht das Projekt „hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum“ möglich. Seit Anfang Mai verwandeln 25 Kunstwerke die Region rund um den Untersee in eine Ausstellung unter freiem Himmel. Zwischen Berlingen, Steckborn, Gaienhofen und Hemmenhofen begegnet man Skulpturen, Installationen und konzeptionellen Arbeiten, die nicht hinter Absperrungen, sondern entlang öffentlicher Wege, direkt in die Landschaft eingebettet sind. Die Ausstellung verbindet dabei nicht nur verschiedene Orte, sondern auch die beiden Ufer des Untersees – Deutschland und die Schweiz.

Als wir von dem Projekt hörten, stand schnell fest: Das klingt nach dem perfekten Tagesausflug von Konstanz aus. Also planten wir unsere Route, schauten uns Zug- und Fährverbindungen an und überlegten, wie viel Zeit wir für den Rundweg einplanen sollten. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Tag individuell zu gestalten. Auf der Website von hänne und dänne finden sich verschiedene Routenvorschläge und Empfehlungen für Rundfahrten, sodass man die Ausstellung ganz nach den eigenen Interessen erkunden kann.

Am Vormittag machten wir uns von Konstanz aus mit dem Zug auf den Weg nach Berlingen, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Vom Bahnhof aus ging es für uns zuerst direkt zum Hafen. Der Weg entlang des Ufers ist ruhig, nur vereinzelt sind Menschen unterwegs, manche bereits beim Schwimmen im See. Am Hafen selbst findet man auch die erste Arbeit der Freiluft-Ausstellung. Leider mussten wir dort erfahren, dass die Installation von Felix Stöckle mit dem Titel …S .-A .-..L ..-Ü mutwillig zerstört wurde. Trotzdem war es ein schöner Ort, um unsere Erkundungstour zu beginnen. Wer zur richtigen Zeit am Wochenende dort ist, kann in Berlingen außerdem das Adolf-Dietrich-Haus besuchen.

Von Berlingen aus folgten wir dem Weg Richtung Steckborn. Der Pfad durch die Weinberge dauert ungefähr eine Stunde und eröffnet unterwegs immer wieder schöne Ausblicke auf den Untersee. Vorbei an grasenden Kühen entdeckt man zwischendurch immer wieder Kunstwerke, die sich ganz selbstverständlich in die Landschaft einfügen. Ein Beispiel dafür sind die Flugblätter von Ursula Rutishauser. An verschiedenen Stellen hängen scheinbar lose Papierblätter zwischen den Bäumen, die auf den ersten Blick vom Wind verweht wirken. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass sie aus Stahl gefertigt sind. Man hat fast das Gefühl, dass sie zwischen den Ufern hin und her getragen werden und dabei eine Verbindung über die Grenze hinweg entstehen lassen.

In Steckborn angekommen nutzten wir die Zeit vor unserer Fähre nach Gaienhofen, die um 12 Uhr ablegte, um die dortigen Arbeiten zu erkunden. Der Weg führt direkt am See entlang bis zum Phönixtheater.

Unterwegs sahen wir unter anderem den illusionistischen Steg von Gianin Conrad, eine temporäre Konstruktion aus Holz und Stahl, die aus einer bestimmten Perspektive wie ein echter Steg wirkt. Die Arbeit spielt bewusst mit der Wahrnehmung und erinnert in ihrer Konstruktion an die räumlichen Illusionen von M. C. Escher. Je nach Standpunkt scheint der Steg das deutsche Ufer mit Steckborn zu verbinden und hebt damit die Grenze zwischen den beiden Seiten des Sees scheinbar auf. 

Ebenfalls auf dem Weg liegt Dialog von Rebecca Koellner, ein auf Baumrinde aufgetragener Text, der als poetischer Austausch zwischen den Ufern gedacht ist. Durch den Einsatz von Baumschutzpaste und Nachleuchtfarbe bleibt die Arbeit bewusst fragil und reagiert auf Wetter, Zeit und das Wachstum des Baumes selbst.

Fahrt mit der Fähre über den Untersee mit Blick auf Gaienhofen

Nach unserer Zeit in Steckborn ging es für uns mit der Fähre hinüber auf die deutsche Seite des Untersees. Wie sich der zweite Teil unserer Entdeckungstour dort weiterentwickelt hat, folgt in einem weiteren Beitrag nächsten Sonntag.

 

Weitere Informationen unter:

https://haenne-und-daenne.ch/ 

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 geöffnet.

@photos by kws

Kurze Künstlervorstellung: Hermann Hesse

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Allgemein, literarisch

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie Der Steppenwolf, Siddhartha und Demian weltweiten Ruhm. Was viele jedoch nicht wissen: einen prägenden Teil seines Lebens verbrachte er in Gaienhofen, unweit von Konstanz.

Eine fotographische Ansichtskarte vom „Hesse Haus“ um 1910 aus der Kollektion von Markus Wolter.

1904 zog es den frisch verlobten Hesse gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Fotografin Maria Bernoulli, in das kleine Dorf am Bodensee. Beide waren stark vom Gedanken der Lebensreform beeinflusst, d. h. eine Rückbesinnung auf Natur und Simplizität als Gegenentwurf zur fortschreitenden Industrialisierung und dem wachsenden Materialismus in den Großstädten. In diesem Sinne entschieden die zwei sich bewusst für ein abgeschiedenes Leben im 3000-Einwohner- und -Einwohnerinnendorf und verfügten daheim weder über fließendes Wasser oder Elektrizität noch über einen Lebensmittelladen.

So schreibt Hesse selbst in einen Brief an Stefan Zweig:

Gaienhofen ist ein ganz kleines schönes Dörflein, hat keine Eisenbahn, keine Kaufläden, keine Industrie, nicht einmal einen eigenen Pfarrer, […]. Es hat auch keine Wasserleitung, so dass ich alles Wasser am Brunnen hole, keine Handwerker, so dass ich die nötigen Reparaturen im Haus selber machen muss, und keinen Metzger, also hole ich Fleisch, Wurst etc. jeweils im Boot über den See aus dem nächsten thurgauischen Städtchen. Dafür gibt es Stille, Luft und Wasser gut, schönes Vieh, famoses Obst, brave Leute. […]

Die Jahre in Gaienhofen erwiesen sich als besonders produktiv in seinem literarischen Schaffen. So entstanden mehrere Erzählungen sowie die Romane Unterm Rad und Gertrud. Weiterhin stammen auch eine Vielzahl an Gedichten aus dieser Zeit, in denen sich die Landschaft um den Bodensee selbst einschreibt, wie dieses:

Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.

Sie atmen tief, und sie halten
Einer den anderen an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst
In verzehrender Leidenschaft.

Das ruhige, gutbürgerliche Leben mit Familie und Haus war jedoch nicht nur von reiner Idylle geprägt, sondern stand stets im Widerstreit mit persönlichen Umständen und Hesses intrinsischem Verlangen nach einem Leben als Vagabund. Aufgrund dessen zog das Paar im Jahr 1912 weiter nach Bern.

Hermann Hesse reflektiert diese Zeit später wie folgt:

Nun waren wir also richtig für Lebenszeiten eingerichtet und angesiedelt, friedlich stand vor unsrer Haustür der einzige große Baum unseres Grundstücks, […]. Aber die Ewigkeit, für die wir gebaut hatten, dauerte nicht lange. Ich hatte Gaienhofen erschöpft, es war dort kein Leben mehr für mich, ich reiste nun häufig für kurze Zeiten weg, die Welt war so weit da draußen, und fuhr schließlich sogar nach Indien, im Sommer 1911. Die heutigen Psychologen, der Schnoddrigkeit beflissen, nennen so etwas eine ,Flucht‘, und natürlich war es unter anderem auch dies. Es war aber auch ein Versuch, Distanz und Überblick zu gewinnen. […]. Aber das alles genügte nicht. […] allmählich gewöhnten wir uns daran, unser Haus als verkäuflich und unser Gaienhofener Leben als eine Episode zu betrachten.

Bei Interesse kann diese Lebensphase zu ausgewählten Terminen im Mia und Hermann Hesse Haus in Gaienhofen hautnah erlebt werden!