Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Escape in Konstanz – Räume, Würfel und Apps

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“Nachdem ihr den Raum betretet hört ihr, wie hinter euch die Tür ins Schloss fällt. Ihr dreht euch um, um sie wieder zu öffnen, doch ihr seht ein Zahlenschloss dort, wo eine Klinke sein sollte.” So oder so ähnlich hat jeder, der schonmal ein Escape-Spiel gespielt hat, den Start ins Abenteuer gewagt. Die Fülle an Spielboxen für das Rätselabenteuer daheim am Küchentisch ist gigantisch, viele Verlage und Reihen bieten zahllose “Episoden” an. Manche mit Apps, manche nur mit der Box, andere mit der Küchenuhr. Eines haben sie alle gemeinsam: Der Spielbereich überschreitet die Tischplatte nicht. Für diejenigen, die aber auch “in echt” Lust auf den Nervenkitzel haben, unter Zeitdruck Rätsel zu lösen, habe ich hier eine kleine Sammlung an Escaperooms und Rätselspielen in und um Konstanz herum zusammengestellt, die einen aus den eigenen vier Wänden rausholen:

TRAP Escaperooms

Wo: Indoor, Konstanz Industriegebiet, Line-Eid-Straße 11

Kosten: 26-35€/Person

https://escaperoom-konstanz.de/

In einem klassischen Escaperoom mit Rätseln, Hinweisen, cleveren Puzzeln und klimatisierter (!) Umgebung dürft ihr in Gruppengrößen von zwei bis sechs Personen euer Bestes geben, alle Rätsel zu knacken bevor die Zeit abläuft. Wer weiß, am Ende bekommt ihr ja vielleicht eine Belohnung? Technische Spielereien und Musik erzeugen einen ganz besonderen Flair, der euch mitten in das fiktive Abenteuer katapultiert.

Die sorgfältig gebauten Räume haben ihren stolzen Preis, der sich an der Gruppengröße misst. Dafür habt ihr die Wahl zwischen fünf Indoor-Abenteuern und einem Outdoor-Paket.

Escape-Turm von Schlüsselmomente

Wo: Indoor, beliebig.

Kosten: 19-27,50€/Person

https://schluesselmomente-escape-rooms.de/der-raum/

Auch ein Escaperoom, aber mal anders: Das Team von Schlüsselmomente kommt zu euch und transformiert jeden beliebigen (großen) Raum zum Escaperoom! Im bisher einzigen Abenteuer “Die Suche nach dem heiligen Grahl” dürft ihr als Archäologen die Nachforschungen von Johanniter-Großmeister Gerhard Sasso entziffern um den Heiligen Grahl zu finden, bevor der Vatikan die Reliquie der Öffentlichkeit vorenthalten kann.

In diesem Abenteuer braucht ihr kein Smartphone oder andere technische Hilfe: Nur Stift, Papier und das, was Schlüsselmomente mitbringt, und schon geht’s los.

Virtual Reality Escaperooms

Wo: Indoor, Konstanz Petershausen, Zähringerplatz 11

Kosten: 39€/Person

https://realityescape.de/

Escapen in digital: Die Veranstalter bieten VR-Equipment und extra dafür ausgelegte Räume für rätsellustige Besucher an. Man kann aus 9 Räumen wählen und hat 45 Minuten Zeit dafür. Die Headsets sind kabellos und die Controller fallsicher. VR bedeutet Sound direkt am Ohr, fiktive Welten direkt vor euren Augen und unbegrenzte Möglichkeiten in der Rätselgestaltung.

Mit knapp 40€ pro Person schlägt der Preis deutlich auf den Geldbeutel für noch nicht im Arbeitsleben tätige, deshalb gibts Donnerstag den Studi/Schüler/Azubi/FSJ-Rabatt von 20% (das macht aus 39€ noch 31,20€). Falls euch das immer noch zu teuer ist, lasst euch von Verwandten Gutscheinkarten schenken oder schaut bei günstigeren Alternativen vorbei.

 

Outdoor-Escape mit dem Handy

Etwas losgelöst von der Fluchtidee konzentrierten sich folgende Spiele eher auf den Rätselaspekt, wobei man die ‚Rätselbox‘ mit sich mitträgt und die Stadt zum Escapegame macht.

MyCityHunt

Kosten: 16€/Person

https://www.mycityhunt.de/standorte/konstanz-de-1488

Die Website bietet über die Handys der Teilnehmer Schnitzeljagden, Krimispiele, Schatzsuchen und Escape-Abenteuer an. Nach dem Ticketkauf tritt man über einen QR-Code der Gruppe bei und folgt den Anweisungen der App – zusammen erkundet man die Stadt und löst die Rätsel.

Laut der Website ist ein Ticket drei Jahre gültig und der Spielzeitraum ist als beliebig angegeben, wenn man es mehrfach spielen kann eröffnet das einen Wiederspielwert in anderen Gruppen. Vielleicht kann man sich so das Kaffeegeld sparen…

 

CityHunters

Kosten: 22,90€ (unklar ob pro Gruppe oder pro Person)

https://www.cityhunters.com/de/standorte/konstanz-de-1488/escape-game-konstanz

Dieser Anbieter hat eine etwas höhere Schwelle, gemeinsam mit einem Teamguide der über einen Chat mit der Gruppe kommuniziert ist eine wirkliche Betreuung gegeben. Neben dem Escapegame bieten die Veranstalter auch Schnitzeljagden an. Auch hier jagt man gemeinsam durch die Stadt und löst Rätsel über die App – jeder auf seinem eigenen Gerät.

Durch die Betreuung muss ein Slot gebucht werden, es ist also etwas terminlich bedingter als die selbstorganisierten Games von MyCityHunt und folgenden.

 

Schafstour

Kosten: 14,50€/Person + 4,95€/Plan

https://www.schafstour.de/products/schaflos-in-konstanz

Die Schafstour liest sich selbst als Stadtrallye. Gemeinsam die Stadt erkunden und Rätsel lösen ist auch hier die Devise, wobei das Paket kein Smartphone braucht, nur eine Möglichkeit eine SMS am Anfang und am Ende zu schicken. Für die ganz großen Gruppen gibt es auch das Eventpaket SCHAFlos, bei dem bis zu 50 Personen mitspielen können. Wenn ihr also mal richtig viel Bock habt, könnt ihr euer halbes Wohnheim mitspielen lassen 😀

Die Tickets und den Plan gibt es in der Touristeninformation und im Osiander in Konstanz zu kaufen, es braucht also nur ein bisschen Planung und dann könnt ihr direkt von der Kasse aus losstarten.

 

Escape auf der anderen Seeseite

Nur einen Bus entfernt in Friedrichshafen gibt es zwei weitere Escaperoom-Unternehmen. Manchmal arbeiten die sogar mit dem Museum zusammen und basteln dort einen Escaperoom, lohnt sich da mal zu schauen

Escape in Time

Wo: Friedrichshafen, Kirchweg 1

Kosten: 23-36€/Person

https://www.escapeintime.de/

Die eigene Beschreibung der Website ist zu lustig um selbst was zu schreiben, deshalb hier ein direktes Zitat der Website:

“Was genau macht man eigentlich in einem Escape Room Game? Ihr werdet in einen Raum gesperrt und habt genau 60 Minuten Zeit, um aus ihm zu entkommen. Wie ihr das schafft, ist Euer Problem. Alles, was ihr bekommt, ist ein Stück Kreide und ein Walkie-Talkie. So wie früher – nur dass unsere Walkie-Talkies funktionieren.”

Hier gilt je mehr desto günstiger, am besten scharrst Du also 5 Freunde um dich wenn du den Raum buchst!

 

Call of Quest

Wo: Friedrichshafen, Am Flugplatz 76/3

23-43€/Person

https://www.callofquest.de/preise

Drei Räume laden hier zum rätseln ein, in moderatem Schwierigkeitslevel versucht ihr unter Zeitdruck alle Geheimnisse zu lüften und Probleme zu beseitigen, egal ob ihr als Teil der Familie Carter dem Übernatürlichen den Kampf ansagt, heimlich in Mister Greys Spielzimmer schnüffelt oder im All nach Lebensraum sucht, unterstützt durch eine KI.

Die Website ist ein bisschen verbuggt, traut euch also ruhig anzurufen. Ansonsten: Viel Spaß beim Rätseln!

Was wäre Konstanz ohne Kunst? Ein Gedankenexperiment

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Dieses Foto existiert eigentlich nicht.

Unterführung am Seerhein in Konstanz ohne Graffiti als KI-gestützte Visualisierung.

KI-gestützte Visualisierung eines realen Ortes in Konstanz. Ausgangsfoto: @KWS

Das Foto zeigt die Unterführung an der Schänzlebrücke am Seerhein. Zumindest fast. Die Graffiti wurden aus dem Bild entfernt, die Wände sind leer. Übrig bleiben Beton, Geländer und Schatten.

Der Ort funktioniert auch so. Es gibt nichts was unbedingt fehlt.

Und trotzdem wirkt er anders. Irgendwie leiser.

Also habe ich mich gefragt: Was wäre Konstanz ohne Kunst?

In Wirklichkeit sind die Wände und Pfeiler der Unterführung voller Graffiti. Es kommen zwar immer wieder neue Werke hinzu, werden übermalt oder ergänzt. Aber wenn man hier öfter vorbeiläuft, schaut man wahrscheinlich irgendwann gar nicht mehr richtig hin. Die Motive werden einfach zu einem Teil des Ortes.

Unterführung am Seerhein in Konstanz mit bunten Graffiti an den Betonwänden.

Originalaufnahme der Unterführung @KWS

Erst als ich die Graffiti aus dem Bild entfernt hatte, ist mir aufgefallen, wie sehr sie den Ort eigentlich prägen. Dabei muss nicht jedes einzelne Motiv besonders schön oder bedeutungsvoll sein. Aber zusammen verleihen die Farben und Formen einer ganz normalen Unterführung Charakter.

Kunst, die wir oft übersehen

Mit dieser Frage im Kopf bin ich weiter durch Konstanz gelaufen und habe genauer hingeschaut. Am Ende waren es gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, sondern eher die Dinge, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte und mir ganz zufällig begegnet sind.

Ein gemaltes Plakat von einem anatomischen Herz an einer Laterne am Seerhein.

Foto @KWS

An einer Laterne ein selbst gemaltes anatomisches Herz in Form eines Plakats. Ohne Namen, ohne Erklärung und ohne Hinweis darauf, wer es dort angebracht hatte. Es war einfach da und auffällig genug, dass ich kurz stehen blieb.

Paar Schuhe, das über einem Ast am Seerhein hängt.

Foto @KWS

Auf der anderen Rheinseite entdeckte ich später ein Paar Schuhe, die in einem Baum hingen. Von wem sie stammen und warum sie dort gelandet sind, blieb genauso unklar. Ob bewusste Aktion, Scherz oder einfach ein Gegenstand am falschen Ort – eindeutig einordnen ließ es sich nicht.

Ob das nun Kunst ist oder nicht, war für mich irgendwann gar nicht mehr so wichtig. Spannender fand ich, was solche Dinge mit einem Ort machen: Sie reißen einen kurz aus dem Gewohnten. Man schaut genauer hin, blickt nach oben und fängt automatisch an, sich eine Geschichte dazu auszudenken. Ab diesem Punkt hat es mich eher beschäftigt, ab wann etwas einen Ort so verändert, dass wir ihn plötzlich anders wahrnehmen.

Spuren einer Stadt

Je länger ich durch die Stadt lief, desto mehr solcher Spuren fielen mir auf: Sticker an Laternen und Mülleimern, bemalte Pfeiler und Aufkleber, die so oft überklebt worden waren, dass man manche kaum noch erkennen konnte.

Sticker und kleine künstlerische Spuren an einer Wand in Konstanz.

Foto @KWS

Sticker, Tags und kleine künstlerische Spuren an einem Mülleimer in Konstanz.

Foto @KWS

Nicht alles davon wurde angebracht, um Kunst zu sein. Nicht alles ist erlaubt, und nicht alles gefällt jedem. Trotzdem wird daran deutlich, dass der öffentliche Raum nicht nur durch Architektur und Stadtplanung geprägt wird. Menschen nutzen ihn, verändern ihn und hinterlassen Spuren und Botschaften.

Solche Spuren verändern sich ständig. Sticker werden überklebt, Graffiti übermalt und Zeichen irgendwann entfernt. Eine Wand wird dadurch nicht zu einem abgeschlossenen Werk, sondern verändert sich immer weiter. Unterschiedliche Stimmen liegen übereinander – manchmal lesbar, manchmal nur noch als Farbe, Kleberest oder abgerissene Papierkante.

Graffiti auf einem Pfeiler der Fahrradbrücke.

Foto @KWS

Unter der Fahrradbrücke fiel mir zwischen den vielen Schriftzügen besonders ein Wort auf: HEIMAT.

Irgendwie passte es genau an diesen Ort. Eine Stadt wird schließlich nicht nur durch ihre Gebäude, Straßen und Wahrzeichen vertraut. Dazu gehören auch die Dinge, die nie geplant waren: ein bestimmtes Graffiti, eine beklebte Laterne oder eine Bank, deren Tags man schon so oft gesehen hat, dass man sie wahrscheinlich erst bemerken würde, wenn sie plötzlich weg wären.

Junge Frau auf einer bemalten Bank.

Foto @KWS

Auf genau so einer Bank am Seerhein saß eine junge Frau, bedeckt von Tags und Schriftzügen. Die Bank wurde ganz selbstverständlich benutzt, als würden die Bemalungen einfach dazugehören. Das Interessante daran: Diese Spuren existieren nicht getrennt vom Alltag. Menschen sitzen darauf und laufen täglich daran vorbei. Irgendwann gehören sie so sehr zum Ort, dass man es kaum noch hinterfragt.

Die Kunst, die jeder kennt

Nach all den Stickern, Graffiti und kleinen Fundstücken rückten die bekannten Kunstwerke der Stadt fast ein bisschen in der Hintergrund.

Wandmalerei an der Marktstätte in Konstanz.

Foto @KWS

Kind sitzt auf der Pferdeskulptur neben dem Brunnen auf der Marktstätte.

Foto @KWS

Auf der Marktstätte fiel mir besonders die Pferdeskulptur am Brunnen auf. Ein Kind saß auf ihrem Rücken. Für diesen Moment war sie nicht nur ein Kunstwerk, sondern einfach Teil des Spiels. Gerade das zeigt, wie sehr solche Skulpturen zum Alltag gehören: Sie werden nicht nur angeschaut, sondern angefasst, benutzt und ganz nebenbei mit Erinnerungen verbunden.

Die Imperia im Hafen in Konstanz

Foto @KWS

Auch die Imperia gehört so fest zum Konstanzer Hafen, dass man sich den Ort ohne sie kaum vorstellen könnte. Würde sie plötzlich verschwinden, würde es wahrscheinlich sofort jeder der auf die Weiten des Bodensees schaut, bemerken. Bei einem Sticker, einem Tag oder dem gemalten Herz an der Laterne wäre das anders. Trotzdem verändern auch diese kleinen Dinge ihre Umgebung, nur für eine begrenzte Zeit.

Genau dieser Gegensatz blieb mir auch nach dem Spaziergang im Kopf: Auf der einen Seite stehen Kunstwerke mit Titel, Künstlername und einem festen Platz in der Stadt. Auf der anderen Seite gibt es anonyme Bilder, Schriftzüge und Gegenstände, von denen niemand genau weiß, wer sie hinterlassen hat oder wie lange sie bleiben.

Beides gehört zu Konstanz. Nur auf ganz unterschiedliche Weise.

Ein anderer Blick auf Konstanz

Die Unterführung bleibt also dieselbe: Beton, Geländer, Rampe und Schatten. Nur die Graffiti fehlen.

Und trotzdem wirkt der Ort plötzlich austauschbar.

Das Gedankenexperiment hat mir am Ende weniger gezeigt, wie Konstanz ohne Kunst aussehen würde, sondern eher, wie viel davon im Alltag längst untergeht. Dabei geht es nicht nur um bekannte Skulpturen oder Fassaden, sondern genauso um die kleinen Spuren die von Bewohnern und Besuchern hinterlassen werden.

Nicht alles davon muss eindeutig Kunst sein. Aber all diese Dinge verändern, wie wir einen Ort wahrnehmen. Sie machen ihn unverkennbar zu dieser bestimmten Stadt.

Rote Skulpturen an der Schweizer Grenze.

Foto @KWS

Ich bin losgezogen, um Kunst in Konstanz zu suchen.

Am Ende stellte sich nicht mehr die Frage, wo sie ist.

Sondern wo sie eigentlich nicht ist.

Die Wahrheit (und so viele Lügen) Jan Hus und seine Lehren: Wie er die Lügen der Kirche enttarnte oder es zumindest versuchte und wie die Installation “Wahrheit” zum Nachdenken anregt.

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Wie im letzten Beitrag schon angeschnitten, geht es heute um Wahrheit. Hus’ Lehre, also die Ansichten die er vertrat und predigte, Schriften zu anfertigte und für seine Wahrheit hielt, orientierte sich viel an John Wyclifs Anschauungen.

Wyclif war ein Engländer, der ebenfalls Kirchenreformer war, allerdings etwa zu Hus’ Geburt starb. Er setzte sich angesichts des sich unchristlich verhaltenden Klerus gegen den Machtanspruch des Papstamtes über nicht-kirchliche Belange ein, forderte Gnädigkeit statt Urteilsbildung und vertrat die Meinung, Mitarbeiter der Kirche sollten ein asketisches Leben führen statt im angehäuften Reichtum zu schlemmen. Ironischerweise verstieß er selbst gegen diese Auffassung. Während er in den 1370ern den offenen Prozess gegen den Papst noch gewann, und damit auch Anhänger seiner Lehren generierte, wurden 1382 seine Schriften ketzerisch verurteilt, was seinem Amt und Ruf schädigte. In den letzten Jahren vor seinem Tod vollendete er eine (nicht nur von ihm geführte) Sammlung Bibelübersetzungen und starb 1384. Hus war da etwa 12 Jahre alt. Wyclifs geistiges Vermächtnis zog eine kleine Schar Anhänger nach sich, die jedoch um die Jahrhundertwende stärker verfolgt und zum Rückzug in den Untergrund gezwungen wurden.

Nach einem Lehramtsstudium kam Hus mit Wyclifs Lehren in Berührung, die ihm zusagten. Das motivierte ihn schließlich zu einem Theologiestudium, und so wurde er nach Anbruch des neuen Jahrhunderts Priester. Auch er verurteilte den verschwenderischen Lebensstil des Klerus und bezeichnete sie als Räuber und Unterdrücker, obwohl sie Beschützer und Schenker sein sollten. Seiner Auffassung nach sei Kirche mehr eine geistliche Gemeinschaft und nicht zwingend mit der Institution gleichzusetzen, da das Verhalten einer Person über ihre Zugehörigkeit entscheide und nicht die Mitgliedschaft an sich. Heute ist es geläufig in ‘Glauben (christliche Ideologie)’ und ‘Kirche (Institution)’ zu unterscheiden, damals lief alles unter einem Hut. Jan Hus lehnte Ablassbriefe ab, verurteilte die Forderung von Geschenken im Gegenzug zu priesterlichen Diensten und kritisierte fingierte Wunder Gottes. Generell vertrat er die Ansicht, Mitglieder der Institution hätten sich zu verhalten wie sie selbst predigten, und wären nach gleichen Mitteln zu verurteilen, sollten sie selbst sündigen. Hus war ein Gegner der kirchlichen Autorität über die heilige Schrift, und indem Proklamationen durch die Autorität der Institution statt der heiligen Schrift getätigt würden, lasse man absichtlich das Volk über die Wahrheit im Dunkeln. So predigte und sang er zum Beispiel seit 1402 die Gottesdienste in Landessprache statt Latein.

Im Großen und Ganzen kritisierte Hus, dass der Klerus sich unchristlich verhielt und damit davonkam, dass das Volk ausgenutzt und nach Strich und Faden für den eigenen Gewinn belogen wurde und nur die gut situierten Bürger:innen im Volk in den Genuss der wenigen kirchlichen Leistungen kommen konnten. Aus heutiger Perspektive nicht mehr so innovativ, war damals die Kritik des mächtigsten Unternehmens des Mittelalters ein gewagtes Unterfangen, das kritischen Stimmen wie Hus und Hieronymus den unfreiwilligen Tod einbrachte, obwohl sie nur die Wahrheit verkündeten.

Die Installation ‘Wahrheit’ am Stephansplatz wirft die Frage um die Wahrheit auf.

Was ist die ‘Wahrheit’?

Wir befinden uns vor dem Bürgersaal. Die Verbindungsstraße zwischen dem Stephansplatz, der als Parkplatz, Wochenmarkt und Veranstaltungsort für Volksfestigkeiten dient, und der Laube, die seit der Umsetzung des C-Konzepts im Innenstadtring als Hauptstraße für PKWs gilt, wird von allen Verkehrsteilnehmern regelmäßig genutzt. Nur Ansätze an der Häuserfassade erinnern an die architektonische Vergangenheit des Bürgersaals. Aufbereitete Stützenreliefs zieren die Wand des ehemaligen Klosters. Neben dem fulminanten Eingang des Bürgersaals ragen acht Stahltableaus aus der Wand, in unregelmäßiger Platzierung wie eine Leiter auf Koffein. In diesem Gebäude wurde Hus eine Zeit lang festgehalten, als er Konstanz besuchte. (Das bunte Relief an der Stirnseite zum Stephansplatz hängt inhaltlich und historisch nicht mit Jan Hus zusammen, ‘Wahrheit’ ist um einige Jahre neuer als das Hecker-Relief). Die Stahlplatten haben die Buchstaben des Wortes ausgefräst und sind quer zur Wand befestigt, die unterste Kante ziert die Inschrift “JAN HUS 06/07 1415/2015”, die Unterseite trägt die Namen der Künstler. Wenn man schonmal da unten ist, lohnt sich auch gleich der Blick nach oben. Dabei fällt auf, dass die Buchstaben nicht gerade ausgeschnitten wurden, sondern leicht schräg. Der Winkel hat einen ganz bestimmten Grund, der sich erst offenbart, wenn die Sonne scheint: Die Westwand wird von der Nachmittags- und Abendsonne gestreichelt und wirft Schatten und Licht auf die Fassade. In leuchtenden Lettern strahlt “Wahrheit” einem entgegen. Aber nicht gerade, nein, sondern schräg. Die Wahrheit ist verzerrt, verquer, störend. Sie ist lesbar, aber mit einem Fragezeichen, mit Unsicherheit. Bedeutungsschwanger und fast schon drohend weist sie darauf hin, wie jemand die Macht hat, die Wahrheit zu lenken, wie sie nicht objektiv, ja, nicht einmal wahr sein muss. Hus’ Lehre drehte sich um Wahrheit, Freiheit und Machtmissbrauch, er wollte sichtbar machen, wie diejenigen, die angeblich Wahrheit wiedergeben, sie überschreiben, sie verbiegen. Von oben herab diktieren. Von oben kommt auch das Licht, ohne das man die Wahrheit nicht so leicht erkennen kann.

Einen Zeitraum im Jahr jedoch, kurz vor und nach der Sommersonnenwende, ist die Wahrheit gerade. Vom 6. Juni bis zum 6. Juli, dem Zeitraum, in dem Hus Gefangener des Klosters war, entfaltet das Kunstwerk seine gesamte Schönheit, bis an Hus’ Todestag die Abschrägung erneut ihren Zyklus beginnt. Bis zum Ende hätte er seine Lehren widerrufen können, bis er tatsächlich angezündet wurde. Er weigerte sich jedoch vehement, was ihn zum Märtyrer der Wahrheit machte.

In Prag gibt es eine Zwillingsinstallation zu der Wahrheit am Stephansplatz, mit dem korrespondierenden Worten “Za Pravdu” – Für die Wahrheit. Dort wird auf sehr direkte Weise die Bedeutung des Kunstwerks unterstrichen.

Zu guter Letzt ist die Wahrheit nur bei wolkenfreiem Wetter zu erkennen, wenn die Sonne hilft. Obwohl, man kann sich auch direkt an die Hauswand stellen und von unten darauf schauen, denn eigentlich ist die “Wahrheit” immer da. Nur manchmal etwas schwer zu erkennen.

Blick auf die Südwand des Bürgersaals. Die verschobene Anordnung der Stahltableaus lässt mit ein wenig Fantasie die Buchstaben aufleuchten, stark verzerrt durch die Position der Sonne.

So sieht die ‘Wahrheit an einem sonnigen Tag Mitte April aus.     (@photo by KWS)

Im letzten Beitrag haben wir uns das älteste Hus-Denkmal angsschaut, was einige Zeit und einen vehementen Bürgermeister gebraucht hat um erlaubt zu werden.

➔ Hier geht es zum letzten Beitrag

Im nächsten Beitrag laufen wir von hier los Richtung Laube und schauen uns das neuste Denkmal unserer Reihe an. Eine Interpretation rund um den “Kelch”, den Ablauf der Verbrennung, Verurteilung und was die Stadt Konstanz dazu zu sagen hat.

Café Bloggers und die Sankt Stephanskirche: Zwei besondere Orte in Konstanz

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Mitten im Altstadtflair des Stephansplatzes gelegen, bietet das Café Bloggers einen besonderen Ausblick auf die Sankt Stephanskirche – eine der ältesten Kirchen in Konstanz. Die frühchristliche Sankt Stephanskirche, welche im 12. Jahrhundert zu einer romanischen Säulenbasilika und im 15. Jahrhundert dann zu einer Stiftkirche umgebaut wurde, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Im Jahr 1428 wurde die Kirche durch einen wuchtigen Turm ergänzt. Noch heute kann man die verschiedenen Kunstepochen, die in der Architektur der Kirche koexistieren, bei einem Besuch bewundern. Zum Beispiel kann die helle Stuckdecke im Chor der Kirche dem Barock zugeschrieben werden, genau wie die Obergadenfenster oder das von Franz Ludwig Hermann geschaffene Deckengemälde „Anbetung des Lammes“. Hans Morinck, ein niederländischer Bildhauer und Vertreter der Renaissance und des Barocks, hat den Chor der Kirche gestaltet. Weitere bemerkenswerte Details lassen sich bei den Akardenbögen und auf den Achtecksäulen finden.

Nach diesem kleinen Exkurs in die Geschichte der Sankt Stephanskirche geht es zurück zum Café Bloggers, das direkt am Stephansplatz liegt. Wer gerne ausgiebig frühstückt und dabei vielleicht auch das ein oder andere ästhetische Foto machen möchte, ist hier genau richtig. Innen ist das Café im Boho-Stil mit zahlreichen Pflanzen und dekorativen Leuchtschriftzügen gestaltet. Im Sommer lädt ein blühender Innenhof zum Verweilen ein, in dem man geschützt von einer dichten Hecke sitzt. Auf der Speisekarte findet sich eine große Auswahl an süßen und herzhaften Frühstücksgerichten, von denen viele auf Wunsch auch vegan oder vegetarisch erhältlich sind. Meine persönliche Lieblingskombination sind die vegetarischen Breakfast Tacos und ein Iced Coffee. Gerade an warmen Sommertagen darf Letzterer für mich nicht fehlen. Wenn ihr eher Lust auf etwas Süßes habt oder keine großen Taco-Fans seid, kann ich euch das French Toast wärmstens empfehlen.

Zugegeben, das Café gehört nicht zu den günstigsten in Konstanz. Dafür sind die Portionen allerdings so großzügig, dass sie problemlos als Frühstück und Mittagessen reichen oder sogar für zwei Personen ausreichen. Und optisch? Meiner Meinung nach gibt es kaum ein schöneres Café in Konstanz.

Kennst du das Café Bloggers bereits? Dann verrate uns doch in den Kommentaren, was du dort am liebsten bestellst und welche Speisen oder Getränke wir unbedingt einmal testen sollten. 

Hinweis: Der obenstehende Text wurde der Broschüre ‚Kunst und Food für Erstis‘ aus dem Wintersemester 22/23 entnommen.

 

Sommer, Sonne, Bodensee: Vier Events, die man nicht verpassen sollte

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1. Der 24h grenzüberschreitende Flohmarkt in Konstanz und Kreuzlingen

Vom 13. bis zum 14. Juni findet erneut der grenzüberschreitende 24-Stunden-Flohmarkt in Konstanz und Kreuzlingen statt. Die Besonderheit: Der Flohmarkt erstreckt sich über zwei Länder und zählt mit einer Länge von über mehreren Kilometern sowie mehr als 1.000 Ständen zu den größten Veranstaltungen dieser Art in der Region.

Entlang der Strecke von der Hafenstrasse über Klein Venedig bis nach Kreuzlingen erwartet die Besucher:innen eine vielfältige Mischung aus Kunst, Kleidung, Live-Musik und kulinarischen Angeboten.

Der Flohmarkt beginnt am 13. Juni um 14 Uhr in Kreuzlingen und eine Stunde später in Konstanz. Anschliessend kann 24 Stunden lang, nach Herzenslust gestöbert und entdeckt werden.

Weitere Informationen unter:

https://www.konstanz-info.com/planen-buchen/top-events/flohmarkt

Ein rot-orangener Sonnenuntergang am Rhein beim Schänzle Konstanz. Der Sonnenuntergang spiegelt sich auf dem stillen Wasser im Rhein.

2. Münsterplatz Konstanz Open Air Theater

Hier trifft Theater auf Abendluft. Wenn die Sonne langsam untergeht und sich der Münsterplatz mit erwartungsvollen Zuschauer:innen füllt, ist alles bereit für einen besonderen Kulturabend unter freiem Himmel. Die eindrucksvolle Kulisse des Münsterplatzes in Konstanz wird auch in diesem Jahr wieder zur Freilichtbühne.

Am 13. Juni findet die Premiere des Open Air Theaterstücks „Leonce und Lena“ auf dem Münsterplatz in Konstanz statt. Die Inszenierung versteht sich als Space Opera nach dem gleichnamigen Lustspiel von Georg Büchner, bearbeitet von Ekat Cordes (Text und Songtexte) und Anton Berman (Musik). Mit „Leonce und Lena“ nahm Georg Büchner die Kleinstaaterei seiner Zeit auf die Schippe. Regisseur und Autor Ekat Cordes greift diesen Gedanken auf und verlegt die Komödie mit viel Fantasie und Humor kurzerhand ins Universum.

Freut euch auf einen Sommerabend voller Theater, Musik und überraschender Momente.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Open Air Theater Konstanz

3. Open Air Cinema Kreuzlingen im Seeburgpark

Filme schauen unter freiem Himmel und das direkt am See: Das Open-Air-Kino im Seeburgpark in Kreuzlingen. In den Monaten Juli und August verwandelt sich der Park am Hafen in eine einzigartige Kinokulisse mit Blick auf den Bodensee.

Das abwechslungsreiche Programm bietet für jeden Geschmack etwas, von grossen Blockbustern über Familienfilme bis hin zu ausgewählten Arthouse-Produktionen. Gezeigt werden in der Regel die synchronisierten deutschen Fassungen. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 21.30 Uhr und sorgen für unvergessliche Kinoabende in besonderer, sommerlicher Atmosphäre.

Geniesst die Abendstimmung am See und freut euch auf Filmgenuss unter dem freien Sternenhimmel.

Weitere Informationen zum Programm werden hier noch folgen:

Open Air Cinema Kreuzlingen

Das Open Air Kino findet in Kreuzlingen im Seeburgpark direkt am See statt. Das Foto wurde von den Sitzen aus gemacht und der Blick auf den See sowie der Sonnenuntergang sind hier abgebildet. Mehrere Bäume bilden wie eine Art Bogen und eröffnen ein Fenster auf den See und den Sonnenuntergang. Am oberen Rand ragt noch eine Lichterkette durch das Foto.

4. Konstanzer und Kreuzlinger Seenachtsfest

Das Seenachtsfest am Bodensee startet 2026 mit einem neuen Konzept und verspricht ein ganz besonderes Erlebnis. Erstmals verschmelzen Drohnen, Lichtkunst und Feuerwerk zu einer spektakulären Inszenierung über dem nächtlichen See.

Am 08. August erwartet die Besucher:innen auf der Konstanzer Seite ein musiksynchrones Feuerwerk sowie eine beeindruckende Pre-Show aus Drohnen, Licht und Musik. Für Festivalstimmung sorgt unter anderem der international erfolgreiche DJ Felix Jaehn, der auf Klein Venedig auflegt.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Konstanzer Seenachtsfest

Zeitgleich findet auf der Schweizer Seite das Fantastical Seenachtfest in Kreuzlingen statt. Vom 7. bis zum 9. August erwartet die Besucher:innen ein abwechslungsreiches Programm mit Live-Musik, Kinderland, Lunapark, Showeinlagen, Streetfood und dem grössten Feuerwerk am Bodensee. Die Mischung aus Unterhaltung, Kulinarik und Feuerwerk macht das Festival zu einem besonderen Sommererlebnis am Bodensee.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Kreuzlinger Seenachtsfest

 

@photos by kws

Kurze Künstlervorstellung: Beat Brechbühl

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Beat Brechbühl wurde 1939 in Oppligen (circa zwei Stunden von Konstanz entfernt!) geboren und ging dort zur Schule. Später begann er eine Lehre als Schriftsetzer und schrieb selbst „Von da an wurde ich ein Büchermensch.“

Mit 17 Jahren wagte er sich ans Gedichte-Schreiben. Gern betont er, dass er darauf als Redakteur und Verleger bei der früher noch „wirklich alternativen“ Bodenseezeitschrift clou arbeitete. Während seiner Beschäftigung dort fing er an, seine Gedichte auch zu veröffentlichen, unter anderem seinen ersten Gedichtband „Spiele um Pan“. Bei Gedichtbänden allein blieb es jedoch nicht!

Brechbühl schreibt und publiziert eine Bandbreite an literarischen Werken wie Kinderbücher, Romane und Miniaturprosa. Und auch allein bei dem Schreiben blieb es nicht!

Er war außerdem als Grafiker, Radiomacher, Züricher Diogenes-Herstellungsleiter und Leiter des Schweizer Verlags Zytglogge tätig. Nicht zu vergessen, die Selbstbezeichnung „Bildermacher“ in Wald, einer relativ kleinen Gemeinde im Kanton Zürich, die er fotografisch festgehalten zu haben scheint.

Öfters finden sich viele dieser Interessen in seinen Werken wieder, beispielsweise, in der unbetitelten Collage (siehe unten), welche mit Zeilen, die an eines seiner Gedichte erinnern, geschmückt ist:

Gedicht und Collage von Beat Brechbühl, entnommen aus „Bodensee-Lesebuch. 18 Autoren stellen sich vor“ von G. Braun

Das Gedicht dazu, auch ohne Titel:

Das Leben ist anders als

du denkst und

anders als es ist

 

Ich schreibe Erfolgsstory,

Und vergesse ihren Anfang, dann ihr Ende, lesen

konnte ich sie nicht mehr, weil

Meine Augen plötzlich so schlecht wurden,

Und nachts um drei kreischt

Eine Frau der Dorfstraße; ihr

Schrecklicher Ehemann verfolgt sie mit

dem 60 Zentimeter langen Metzgermesser

 

aber das Leben ist anders

& so

sind es zwei Marder, die sich die

Kehle zerbeißen wegen eines Weibchens, denn

nach zehn Minuten zerfließen

die Messerschreie rasch im ausgedörrten Sommerboden,

 

& die Flugzeuge bischen über

uns hinweg, WER SIND

 

die andern? & der Kontinent

Indien rammte letzte Nacht

wieder einmal den Himalaya

 

& in Srinagar brachen die Häuser zusammen

und viele Menschen kamen in den Trümmern um. Hier

 

geht es nur um Geld, nur um

Geld. Also nichts als die

 

Ordnung desselben. & nochmals ist

alles anders,

aber wie?

Beat Brechbühl gewann für sein kreatives Schaffen zahlreiche Preise, wie den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, sowohl den Zürcher als auch Österreichischen Kinderbuchpreis und 1999 ebenfalls den Bodensee-Literaturpreis.

Zusätzlich erwähnenswert ist sein (in der Uni-Bibliothek Konstanz ausleihbarer!) Roman „Kneuss: zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Querulanten, von ihm selber aufgeschrieben“, in welchem die Hauptfigur und Sonderling namens Kneuss von ihn bekehren wollenden Mormonen besucht wird, welche eigentlich das Ziel haben, Kneuss umzubringen. Sie schaffen es nicht, ihn zu töten, dafür aber seine Hündin, welche ihm sehr am Herzen lag. Danach dreht Kneuss durch. Dem Roman folgt eine gleichnamige Verfilmung („Kneuss“) über welche die Neue Zürcher Zeitung neugierigmachend schrieb:

[…] Aus dem Helden Kneuss, der bei Brechbühl ein ‚Reiner‘ ist, ein ideologisch starrer Verweigerer, hat Meili [der Regisseur des Films] einen eher gebrochenen, zwielichtigen, in seinem Widerstand weder sich klar formulierenden noch für die Rebellion wirklich geeigneten Mann gemacht. Kneuss wird so menschlich fassbar.

Brechbühls Kunst breitete sich also auf ein weiteres Medium aus!

Am Beginn seines Œuvres standen jedoch hauptsächlich seine Gedichte und da er des Öfteren den Satz „Und wenn ich einmal keine Gedichte mehr schreibe, bin ich tot.“ von sich gab, kann man sich vor allem auf weitere Spiele mit Wort und Gefühl seinerseits freuen!

Auf Spurensuche: Ein Stein, der seinen Namen trägt

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Wieso ein 600 Jahre alter Tscheche für uns relevant ist, und wie wir dafür kämpfen mussten

Das älteste der Hus-Denkmäler in Konstanz ist der Findling, der den Ort der Verbrennung kennzeichnet. Er wurde 1862 aufgestellt, nachdem 30 Jahre darüber diskutiert wurde, und trägt auf seiner verwitterten Oberfläche ein Schild, das die Aufschrift “Jan Hus 6.(14.)Juli 1415” ziert. Er steht (wahrscheinlich) an der Stelle, an der Jan Hus und Hieronymus von Prag verbrannt wurden, hingerichtet durch Feuertod. Die Randdaten und Umstände haben wir im letzten Beitrag schon angeschnitten, ansonsten hier gerne auffrischen.

Auf dem Platz des Findlings in Konstanz kreuzen sich zwei Straßen, eine gepflasterte Wendeplatte, wenn man so will. Vor dem Stein lädt eine Bank zum Niederlassen ein, ein paar Blümchen zieren die Stein-Insel. Heute schaut man auf eine ruhige Wohngegend, früher blickte man auf unbebautes Gebiet. Wenn man still ist, hört man Vögel zwitschern, ab und an läuft ein Hundehalter oder eine Joggerin vorbei. Es ist auf der einen Seite befremdlich, wie ein Ort von so viel Grauen zu so einer Ruheoase werden kann, auf der anderen Seite ist es tröstend. Der Findling ist imposant, er misst 350 Zentner¹ schwärzlichen Kalkstein, seine äußere Gestalt ist recht unscheinbar. Es sind keine Formen eingeritzt, keine bildhauerischen Kunstwerke hinzugefügt, und der wenigen Flechten nach zu urteilen wird sie regelmäßig gereinigt. Trotzdem trägt der Findling große Bedeutung für Hus’ Vermächtnis und ist ein Meilenstein in vielerlei Hinsicht.

Warum die (14.)?

Hus hatte selbst im tschechischen Raum schon einen halben Reformkrieg hinter sich. Das Schisma (also die Differenzen wegen mehr als nur eines Papstes und die drohende Kirchenspaltung) hatte ihn als Sprecher der böhmischen Theologen, und mit dem Aufruf zum Kreuzzug einer der Päpste mit Versprechen zum Ablass für alle Kämpfenden entfachte eine erneute Welle an Kritikern des Ablasskonzeptes. Am 14. Juli 1412 wurden drei Männer, die sich besonders dagegen engagierten, hingerichtet, was zu Empörung und sofortiger ‘Märtyrisierung’ der Hingerichteten führte. Auch wenn sich kein definitiver Hinweis auf den Zweck der eingeklammerten 14 auf dem Hussenstein findet, könnte sie eine stumme Hommage an die drei Märtyrer von 1412 sein, schließlich starben alle fünf Hingerichteten wegen ihrer Kirchenkritik.

Wir haben ihm (endlich) ein Denkmal gebaut

Schon in den 1830ern versuchte man, in Konstanz ein Denkmal für Hus und Hieronymus zu errichten. Der damalige Bürgermeister Karl Hüetlin bekam mit seiner Idee reichlich Gegenwind. Trotzdem taufte er ein Dampfschiff nach dem Reformator, das später jedoch wieder umbenannt wurde.

Konstanz gehörte 1830 zum Großherzogtum Baden, das sich von 1815 bis 1866 u.a. mit den Königreichen Württemberg, Hohenzollern, Bayern und dem Kaiserreich Österreich zum Deutschen Bund zusammenschloss. Die monarchische Ordnung der Länder rief immer wieder liberale Gegenstimmen auf den Plan, zu denen auch Karl Hüetlin gehörte. Die Liberalen sahen in Hus nicht nur einen religiösen Reformator, sondern auch einen Märtyrer für freie Meinungsäußerung (in dem Fall monarchiekritisches Gedankengut). Hüetlins publike Bemühungen, der liberalen Schildfigur ein Denkmal zu setzen, erregten die Aufmerksamkeit des österreichischen Außenministeriums, das zu dem Zeitpunkt über das böhmische Gebiet, das heutige Tschechien und Hus’ Heimat, herrschte. Dringendes Anraten von Österreich, und nach dem Dampfschiff-Eklat später auch Baden, hinderten Hüetlin letztendlich an der Umsetzung. Erst 1861, nach den liberalen Reformen unter Großherzog Friedrich I., wurden die Bemühungen um ein Denkmal für Hus und Hieronymus wieder aufgenommen. Den ehemaligen Ort der Verbrennung der beiden befand man als geeignete Gedenkstätte, die zwei Jahre später mit dem Findling aus Hegne umgesetzt wurde. Finanziert wurde es kurzerhand aus freiwilligen Spenden verschiedener Quellen, beispielsweise Macaire (Indigo-Färberei auf der Dominikanerinsel, heute Inselhotel), Herosé (Textildruckerei auf dem Areal des heutigen gleichnamigen Parks) und Jakob Stadler (ehemaliger Eigentümer des Stadler-Verlages, bis 1866 Bürgermeister von Konstanz²). Nach über vier Jahrhunderten bekamen Hus und Hieronymus endlich ihr Denkmal, und trugen mit der Neukonnotierung auch zum europäischen politischen Fortschritt bei.

Der Stein heute

Tschechische Auslandsvereine freuten sich über die Ehrung ihres Vorfahren so sehr, dass kleinere und größere Besuche und Pilgerfahrten an den Hussenstein organisiert wurden. Bis heute ist die posthume Anerkennung von Hus’ Bemühungen ein großer Teil des tschechischen Nationalstolzes, was gerade in den Jahren des Konzilsjubiläums zu weiteren künstlerischen Gedenkorten führte, auch wenn die Pilgerfreude hierher abgenommen hat. Aber nicht alle sind mit dem Hussenstein glücklich, vereinzelte Stimmen zum Beispiel der alteingesessenen Familie Gebauer zeigen sich enttäuscht über die Unterwältigkeit des Denkmals angesichts Hus’ europäischem Märtyrerstatus.

¹Das behauptet jedenfalls die Stadt Konstanz auf ihrer Website. Südkurier spricht von 35 Tonnen. Laut des deutschen Zollvereins ist jedoch seit 1858 ein Zentner als 50kg festgelegt, was den Stein 17,5 Tonnen schwer machen würde. Andere Quellen sprechen von ‘nur’ wenigen Hundert Kilo Gewicht. Die zeitliche Nähe der Normierung des Zentners und Aufstellung des Steins wirft aber auch eine prä-normierte Verwendung von “Zentner” in den Raum. Eigentlich hat also keiner wirklich eine Ahnung wie schwer das Ding ist.

²Wer jetzt denkt “Moment, den Namen Stadler hab ich doch schonmal gehört…”: Die erste Druckerei des Verlages Stadler war im gleichnamigen Stadlerhaus, das am 25. Juli 2024 Feuer fing und dadurch für Schlagzeilen sorgte. Seitdem werden die teilweise bereits sanierten Räumlichkeiten für Ausstellungen genutzt. Aber auch für die schöne Jugendstilarchitektur lohnt sich ein Besuch!

Unser zweiter Stopp im nächsten Beitrag führt uns gen Osten auf den Stephansplatz, wo wir auf der Südwand des Bürgersaals eine Installation erblicken, die eigentlich seit 2018 wieder abgebaut werden sollte: “Wahrheit”. Es empfiehlt sich, an sonnigen Tagen dorthin zu gehen, vielleicht ja sogar im Juni oder Juli. Durch einen kurzen Einblick in Hus’ Lehren erhalten wir verschiedene Perspektiven auf Wahrheit, die das Kunstwerk in Perspektive rückt.

Auf Spurensuche: Jan Hus und seine Denkmäler

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Allgemein, Deutsch, Kulturell, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Das Konzil ist zweifelsfrei das bedeutendste Ereignis, das Konstanz jemals ausrichten durfte. Bis heute, über 600 Jahre später, prägt es die Stadt und den Tourismus. Die Praxis, die Schattenseiten des Konzils aufzuarbeiten, ist eine eher moderne Entwicklung, deren Feld noch nicht voll ausgeschöpft ist. Eine der Schattenseiten ist die Verurteilung zum Tode des tschechischen Reformators Jan Hus, dem durch verschiedene Kunst- und Denkmäler gedacht wird.

Wer, wie, wo, warum?

Johannes Hus, geboren etwa 1369, war ein tschechischer Geistlicher, der zum Konzil 1414-18 nach Konstanz geladen wurde. König Sigismund sicherte ihm freies Geleit zu, was jedoch gebrochen wurde, als Hus früher als vereinbart ankam. Sigismund selber erreiche Konstanz erst nach Hus, regte jedoch außer seinem Gemüt keinen Finger für Hus’ Freiheit.

Nach einigen Jahren Gefangenschaft in verschiedenen Gebäuden wurde Hus schließlich zum Tod durch Feuer verurteilt und verbrannt. Der Grund? Er sei ein Ketzer. In Wahrheit vertrat Hus jedoch reformatorische Ansichten, die die Lebensweise des Klerus und die Besitzfülle der Kirche kritisierten. Davon war die Kirchenspitze nicht begeistert, konnte aber im böhmischen Raum nichts gegen ihn tun. Ein taktischer Bruch des Geleitversprechens ist deshalb nicht auszuschließen, da auch Hus’ Klerik-Kritik und reformatorische Unruhen durch das Konzil beseitigt werden sollten und ein Geleitbrief die Gefangenname, Verurteilung und Aufforderungen zum Widerruf unter Androhung der Todesstrafe nicht ermöglicht hätte. Seine Verbrennung am 6. Juli 1415, und ein Jahr später am 30. Mai 1416 auch die des Hieronymus von Prag, schlug Empörungswellen, die zu den Hussitenkriegen führten. Sogar Luther berief sich später auf Hus‘ Lehren, und noch heute wird er im tschechischen Raum verehrt wie ein Nationalheiliger. Ironischerweise musste Sigismund, der, um sich die Böhmische Krone seines Bruders Wenzels zu sichern, Hus’ Geleitversprechen nicht durchsetzte und damit indirekt für seinen Tod verantwortlich wurde, nach den Hussitenkriegen eben jene Kirchenreformen, die mit Hus verbrennen sollten, anerkennen.

In den nächsten Wochen reisen wir durch Konstanz und verfolgen Stationen auf dem Leidensweg von Jan Hus. Unser erster Stopp führt uns ins Paradies zwischen dem Alten Graben und Zum Hussenstein, wo wir über die Bedeutungswandlung reden, vom Gelehrten zum Märtyrer und was Europa damit zu tun hat. Gemeinsam fangen wir dort an, wo für ihn alles aufhörte, und doch irgendwie alles begann: Der Hussenstein.

Das Unenthüllbare von Ludwig Köhler

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Allgemein, Deutsch, Kunst & Architektur, Kunst am Bau

Die Enthüllung leitet sich von dem Wort „enthüllen“ ab, dem Akt, von etwas die Verhüllung zu nehmen, um das Verborgene sichtbar zu machen. Dem gegenüber steht das „Unenthüllbare“. Ein Begriff, der an ein Geheimnis erinnert, das sich nicht lüften lässt. Den Betrachtenden bleibt etwas verborgen und es entzieht sich unserem Blick. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf besteht die Skulptur Das Unenthüllbare an der Universität Konstanz.

Von dem 10. September bis zum 6. Oktober 1979 fand in Freiburg im Breisgau das Freiburger Symposium des Kunstvereins Freiburg statt. Unter dem Leitthema „Holz und Kunst“ nahm der Bildhauer Ludwig Köhler, geboren 1955 in Stockach, mit seiner Skulptur Das Unenthüllbare teil. Im Jahr 1982 erwarb die Universität Konstanz die Skulptur für den naturwissenschaftlichen Bereich ihrer Bibliothek. Ausschlaggebend war der sinnbildliche Verweis auf das Streben der Naturwissenschaften nach Erkenntnis, Erklärung und dem Versuch, Geheimnisse zu entschlüsseln. Seitdem steht die 3,80 Meter hohe Skulptur im Eingangsbereich der N-Bibliothek.

Beim Betreten der Bibliothek fällt der Blick unweigerlich auf die große Skulptur mit ihrer starken Präsenz. Ein langes, weißes Tuch umhüllt einen schmalen, sehr hohen Gegenstand, dessen Gestalt sich nicht eindeutig erschließen lässt. Das Tuch ist an vier Enden mit echten Seilen an großen Nägeln befestigt, die in eine Holzplatte am Boden geschlagen sind. Der verborgene Gegenstand bleibt dauerhaft verborgen, das Geheimnis wird nie gelüftet. Lediglich am unteren Ende der Skulptur eröffnet sich ein kleiner Einblick: Dort ist ein geschwärzter Baumstamm zu erkennen, da das Tuch den Boden nicht berührt.

Die Skulptur ist vollständig aus dem Stamm einer Pappel gearbeitet und spielt bewusst mit einer Materialtäuschung. Das scheinbar weiche, weiße Tuch besteht in Wahrheit aus Holz und wirkt dennoch täuschend echt. Erst bei näherer Betrachtung werden die feinen Bearbeitungsspuren sichtbar. Ludwig Köhler bedient sich hier des Kunstgriffs des Trompe-l’œil („Augentäuschung“), bei dem Holz so gestaltet wird, dass es ein anderes Material imitiert. Auf diese Weise verstärkt sich der Eindruck des Ungewissen und Unenthüllbaren, der das Werk bis heute prägt.

„Wir zeigen, was wir können!“ Schüler:innen-Ausstellung am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

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Deutsch, Konstanz entdecken, Kulturell

Kunst ist nur was für Profis? Von wegen! Unter dem Motto “Wir zeigen was wir können” präsentieren die Schüler:innen des Alexander-von-Humboldt-Gymnasium der 5. bis zur 12. Klasse Bilder, Skulpturen und andere Kunstwerke, die sie im Unterricht kreiert haben. Das ganze Schulhaus wird dabei zur Ausstellung. Egal ob Treppenhaus oder Seitengang, dort wo Platz ist wird ein Rahmen aufgehängt, ein Podest aufgestellt oder ein paar Nägel in die Wand gehauen. Tonmodelle, umfunktionierte Schuhkartons, nekromantische Bücher und Pappmaché-Büsten sind nur ein Ausschnitt möglicher Materialien.

Neugierig geworden?

Komm zur Vernissage am 30.01.26 um 18 Uhr in die Aula der Schule, genieße eine darstellerische Überraschung und schlendere danach durchs Schulhaus, oder schau noch bis zum 24. April 2026 zu den Öffnungszeiten der Schule zum regulären Betrieb vorbei. Der Weg in die Aula ist ganz einfach, die große Treppe hoch und dann “durch” den Vorhang!

Tipp: Die großen Pausen sind 9:15-9:30, 11:05-11:25 und 13-14 Uhr, diese Zeiten würde ich meiden.

Wir haben dazu auch ein Reel auf Instagram, klicke hier!

Warum das Humboldt?

In Konstanz gibt es viele weiterführende Schulen, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen. Das Suso-Gymnasium ist zum Beispiel ein humanistisches Gymnasium, das heißt Latein verpflichtend ab Klasse 5 und Griechisch optional ab Klasse 8, die Geschwister-Scholl-Schule bietet sowohl einen Musik-, als auch einen Theater- und einen Sportzug für Real- und Gymnasialschüler:innen an, das Ellenrieder-Gymnasium unterrichtet manche Schulfächer auf Englisch und fördert die zweisprachige Schulausbildung, und das Humboldt-Gymnasium hat den Kunstzug. Ab der fünften Klasse kann dieser besucht werden, aber auch in der 8. und 11. Klasse (G8) sind Ein- und Ausstiege möglich. So werden schon sehr früh wichtige Grundlagen der Kunsttheorie und -schaffung vermittelt, die über den Lehrplan des zweistündigen Kunstunterrichts hinausgehen; über die Relevanz von Skizzen, Perspektive und verschiedenen Medien bis hin zu Kunstgeschichte, Architektur und Stil.

Dadurch wird eine einzigartige Ausstellung mit bemerkenswerten Bildern, Zeichnungen, Skulpturen und vielem mehr ins Leben gerufen, die in ihrer Vielfalt unvergleichlich ist. Zusammen mit der Altbau-Architektur entsteht ein gewisser Charme, der neben stolzen Eltern und Mitarbeitern auch Ehemalige regelmäßig in ihren Bann zieht.

Auch ich bin eine ehemalige Schülerin des AvH, und nach wie vor beeindruckt und verzaubert von dem, was dort auf die Beine gestellt wird. ~Sophie, Autorin dieses Beitrags.