Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Interview mit Sarah Hugentobler: Wer spricht, wenn ich spreche?

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Allgemein, Deutsch, Interviews, Kulturell

Wer ist «Ich»? Und bin ich noch «Ich», wenn ich viele bin? Oder bin ich nur «Ich» durch «Dich»?

In «Bin ich das? Ein Solo für Viele» setzt sich die Künstlerin und Swiss Art Award-Preisträgerin Sarah Hugentobler mit Fragen rund um Identität und Wahrnehmung auseinander. Mit Lip-Sync, Videoprojektionen und viel Humor leiht sie ihren Körper den Stimmen dreier ganz unterschiedlicher Menschen. Was passiert, wenn Stimme und Erscheinung nicht zusammenpassen? Und wo verschwimmen die Grenzen zwischen Ich und Du?

Am 24. Oktober ist die Performance im Phönix Theater in Steckborn und am 27. November in der Bachturnhalle in Schaffhausen zu sehen. Im Interview erzählt sie, wie das Stück entstanden ist, welche Herausforderungen sie dabei gemeistert hat und was sie daran fasziniert, den Stimmen anderer Menschen ihren Körper zu leihen.

Sarah Hugentobler bei ihrer Performance mit einem tragbaren Lautsprecher am Shirt. Im Hintergrund zeigt eine Videoprojektion sie im Kostüm beim Musizieren.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Welches Verhältnis hast du zu Theater und Rollenspielen? Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe schon vor meinem Kunststudium Theater gespielt und fand es immer faszinierend. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich in Theaterproduktionen vor allem in der ausführenden Rolle war und selbst kreieren wollte. Ich wollte meine eigene künstlerische Sprache entwickeln und habe mich deshalb für ein Studium der bildenden Kunst entschieden. Das Theater habe ich aber immer ein bisschen vermisst.

Ich habe mich dann vor allem dem Video gewidmet und dabei eine eigene Arbeitsweise entwickelt, in der ich meine Figuren selbst spiele und mit Lip-Sync arbeite. So konnte ich bereits performen, allerdings vor der Kamera und nicht live. Mich hat es immer interessiert, als bildende Künstlerin mit anderen Disziplinen in Kontakt zu kommen. Als ich anfing, Videos für Theaterproduktionen zu machen, merkte ich, wie spannend es ist, Video und Live-Situationen miteinander zu verbinden.

Deshalb habe ich mich entschieden, einen Performance-Master an der HKB in Bern zu machen. Dort kamen Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zusammen, etwa aus der bildenden Kunst, dem Schauspiel, der Musik und dem Tanz. In diesem Rahmen konnte ich ausprobieren, wie ich meine Arbeit mit Video und Lip-Sync auf die Bühne übertragen kann. Ich habe dort zum ersten Mal live Lip-Sync gemacht und dabei habe ich gemerkt, wie gut das funktioniert und wie viel Spaß mir das Auftreten macht. Seitdem weiß ich, dass ich diesen Weg weiterverfolgen möchte.

 

Wie ist die Idee zu «Bin ich das? Ein Solo für Viele» entstanden? Gab es einen konkreten Moment, eine Begegnung oder eine Frage, die den Ausgangspunkt bildete?

«Bin ich das? Ein Solo für Viele» ist mein erstes abendfüllendes Bühnenstück. Es ist eine Koproduktion mit dem Schlachthaus Theater in Bern, wo im letzten Herbst die Premiere stattfand.

Der Ausgangspunkt war eine kürzere Performance mit dem Titel «Floating Knights». Dafür habe ich zum ersten Mal Interviews geführt und mit drei unterschiedlichen Männern gesprochen. Es war auch meine erste Performance ohne Video. Dabei habe ich entdeckt, wie faszinierend ich die Sprechweise von Menschen in privaten Gesprächen finde. 

Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, versuche ich, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Person wohlfühlt und frei erzählen kann. Zu diesem freien Erzählen gehört für mich auch, dass Menschen ihre Sätze erst beim Sprechen entwickeln. Sie versprechen sich, machen Denkpausen, lachen oder husten. Ich finde es unglaublich interessant, diese Eigenheiten in der Performance zu reproduzieren, also beispielsweise auch einen Versprecher nachzuspielen. Dabei habe ich gemerkt, dass Sprache nicht nur aus Informationen besteht, sondern auch aus Klang und Rhythmus. Ich übe die Aufnahmen sehr musikalisch ein und muss sie oft wiederholen, bis ich mir ihren Rhythmus eingeprägt habe.

Mich interessieren besonders Gespräche mit Menschen, die es nicht gewohnt sind, vor einem Mikrofon zu sprechen oder in der Öffentlichkeit zu stehen. Ihre Art zu erzählen hat eine besondere Qualität, die ich sehr spannend finde. Aus dieser Beschäftigung mit privaten Gesprächen ist schließlich auch «Bin ich das? Ein Solo für Viele» entstanden.

Sarah Hugentobler musiziert auf der Bühne. Im Hintergrund zeigt eine Videoprojektion zwei Dalmatiner.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Du hast dich letztlich auf drei sehr unterschiedliche Menschen konzentriert. Was hat dich an ihren Geschichten interessiert?

Zum Beispiel habe ich für das Stück ein neunjähriges Mädchen interviewt, das mir ihr Puppenhaus erklärt hat. Solche Geschichten hört man normalerweise nicht im Radio oder Fernsehen. Mich interessieren genau solche ungewöhnlichen Einblicke.

Ursprünglich hatte ich vor, acht bis zwölf Menschen zu interviewen. Dann habe ich aber gemerkt, dass die drei Personen, mit denen ich gesprochen hatte – ein Mädchen, eine Künstlerin und der Nachbar meiner Eltern –, bereits so viel Material lieferten, dass ich mich lieber intensiver mit ihnen beschäftigen wollte. Aus diesen drei Gesprächen ein Stück zu entwickeln, wurde zum Konzept.

Dabei war von Anfang an Teil des Konzepts, dass ich noch nicht wusste, was die Menschen erzählen würden. Als ich das Projekt für Förderungen einreichte, standen die Form und die Arbeitsweise bereits fest: Ich wollte mit Videoprojektionen und einer Videofigur arbeiten und einen tragbaren Lautsprecher einsetzen, sodass die Stimmen direkt aus meinem Körper zu kommen scheinen. Über Lip-Sync und Körpersprache interpretiere ich sie dann auf der Bühne. Was die Menschen tatsächlich erzählen würden, war dagegen noch offen – und genau diese Offenheit gehörte zum Konzept.

 

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung dieses Stücks?

Die größte künstlerische Herausforderung war, aus dieser festgelegten Form und den ganz unterschiedlichen Geschichten ein ganzes Stück zu entwickeln. Ich habe mich intensiv mit den drei Personen auseinandergesetzt und versucht, Verbindungen zwischen ihnen und auch zu mir selbst zu finden. Mein Wunsch war, mich so tief in ihre Geschichten einzuarbeiten, dass ich dem Publikum vermitteln kann, was mich an diesen Menschen fasziniert.

Gleichzeitig ist das, was auf der Bühne entsteht, natürlich auch mein ganz persönlicher Blick auf sie. Ich kann die Personen nicht einfach dokumentarisch abbilden. Indem ich ihre Stimmen und Geschichten in einen künstlichen Theaterkontext setze, entstehen Figuren, die auch von meiner Wahrnehmung geprägt sind. Das wirft für mich Fragen nach Verantwortung und Macht auf: Ich entscheide, was ich aus ihren Erzählungen mache, während sie darauf keinen Einfluss mehr haben. In gewisser Weise sind sie meine Puppen in meinem Puppenhaus. Gleichzeitig werde ich während der Aufführung selbst zur Marionette ihrer Stimmen, weil ich ihnen ganz genau folgen muss – bis hin zum Atmen oder Räuspern. Mich interessieren diese unterschiedlichen Machtverhältnisse, die in der Arbeit miteinander entstehen.

Sarah Hugentobler sitzt auf der Bühne und zeigt auf etwas an der Decke des Theaterraums. Neben ihr ist eine Videoprojektion zu sehen.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Wie hast du die Geschichten und Stimmen dann in konkrete Bühnensituationen übersetzt?

Das war eine weitere große Herausforderung, denn es gab sehr viel Text. Ich wollte nicht einfach eine Stunde lang dastehen und Lip-Sync machen, sondern die Geschichten in den Theaterraum übersetzen. 

Dabei kam mir wieder das Puppenhaus des Mädchens in den Sinn. Wenn sie erzählt, wo ihre Mutter, ihr Vater und der Hund im Puppenhaus sitzen, zeige ich auf Menschen im Publikum. Wenn sie sagt, dass ein Licht kaputt ist, zeige ich auf die Theaterbeleuchtung. Ähnlich gehe ich mit den Geschichten der anderen beiden Personen um. Der Nachbar meiner Eltern erzählt zum Beispiel von seinem Haus, das er selbst umgebaut hat. Auch diese Geschichte übertrage ich auf den Theaterraum. Solche konkreten Verbindungen zu finden, war für mich entscheidend.

 

Was hast du durch die Arbeit am Theater über die Unterschiede zur bildenden Kunst gelernt – und was kannst du aus beiden Bereichen jeweils für deine weitere Arbeit mitnehmen?

Die Produktionsbedingungen am Theater waren neu für mich. Ein ganzes Stück auf die Beine zu stellen, bedeutet viel organisatorischen und administrativen Aufwand: Ich muss Geld auftreiben, ein Team zusammenstellen und Produktionspartner finden. Das ist anspruchsvoll und ich lerne bis heute dazu.

Am Theater finde ich toll, dass ich vor einem Live-Publikum auftreten und ein ganzes Stück entwickeln kann. Außerdem lassen sich größere Projekte umsetzen, bei denen ich mit anderen Menschen zusammenarbeite und sie für ihre Arbeit bezahlen kann. Gleichzeitig ist die Organisation viel aufwendiger. In der bildenden Kunst schätze ich dagegen, dass man unkomplizierter experimentieren und auch einmal etwas ausprobieren kann, ohne anderthalb Jahre im Voraus planen zu müssen.

Ich möchte auch in Zukunft zwischen Theater und bildender Kunst wechseln und mir aus beiden Bereichen das mitnehmen, was mich interessiert. Ich finde es spannend, wie sie sich gegenseitig inspirieren und voneinander profitieren können.

 

Wo die Performance als Nächstes zu sehen ist:

Sa, 24. Oktober 2026 — 19.30 UHR

Phönix Theater, Steckborn

Sa, 27. November 2026 — 19.30 UHR

Theater Bachturnhalle, Schaffhausen

Kurze Künstlerinnenvorstellung: Bianca Gschlecht

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Allgemein, Deutsch, Interviews

Illustratorin ist ein Beruf? Mit dieser Erkenntnis beginnt ihr Traum. Wir haben die Künstlerin Bianca Gschlecht interviewt. Manche kennen den Namen vielleicht noch, sie bot einige ihrer Motive für unseren Workshop Lavendeldruck im Sommersemester 2026 an. Sie erzählt von ihrem Werdegang, ihren Leidenschaften und großen Plänen für die Zukunft.

Bianca schaut mit aufgewecktem Blick und breitem Lächeln in die Kamera. Konstrastreich stechen sie und ihr blaues Oberteil vor dem grünen Hintergrund hervor.

©FIZU STUDIO – Fiona Mentzel

Wie bist du darauf gekommen, von Beruf her Künstlerin zu sein?

“Bevor ich wusste, dass es den Beruf „Illustrator:in“ gibt, hatte ich verschiedene Vorstellungen davon, was ich einmal werden möchte – Floristin, Schauspielerin, Biologin – die drei sind mir im Kopf geblieben.”

Ihr Lächeln strahlt breit bei der Erinnerung. Nach ihrem Abitur in Singen zieht es sie ins Ausland. Sie studiert erst Innenarchitektur in Stuttgart, und dann Informationsdesign in Graz. Ihre Bachelorarbeit in Informationsdesign schreibt sie über die Selbstständigkeit als Illustratorin, und aus ihrem Forschungsmaterial wird ein Lebenstraum.

“Über eine Freundin von mir, die sich genau zu der Zeit als Illustratorin selbstständig gemacht hat, bin ich mit dem Beruf in Berührung gekommen.”

Du bist also 2021 quasi mitten in Corona wieder zurückgekommen und hast dich selbstständig gemacht. Ist die Arbeit mit Menschen nicht unsicher gewesen? Wie bist du den Wechsel in die Praxis angegangen?

“Wenn ich mir meine Berufswünsche im Nachhinein so anschaue, dann wird mir klar, dass sie alle aus dem Bedürfnis entstanden sind, etwas für Menschen zu gestalten und Menschen eine Freude zu machen.[…] Ich halte alltägliche Momente und Orte fest und verwandle sie in Illustrationen, die sich nostalgisch und vertraut anfühlen.”

Illustration eines Kiosks in Helsinki

Ein Urlaubsort

Aber wie so oft war es auch großes Glück an die richtigen Personen zu geraten.

„Als ich nach Konstanz gezogen bin hatte ich das große Glück, mit den Macherinnen vom NUN Magazin in Kontakt zu kommen und durch sie hatte ich von Anfang an kleinere Aufträge.“

Nostalgie auf Papier. Sie erzählt von den Motiven, denen sie begegnet. Reisen und Architektur zum Beispiel tauchen Hand in Hand auf, ein Foto von einem Gebäude, oder die Szenerie beim absoluten Lieblingscafé, die jemand mit Bedeutung füllen möchte. Auch abstrakte Themen wie mentale Gesundheit und Diversität kreuzen ihr Studio. Auf dem Tisch liegen einige Arbeiten, von denen jede direkt eine Geschichte zu erzählen scheint. Wie ein eingefrorenes Video scheinen sie lebhaft, als warteten sie nur darauf, loszuplappern. Ein Kartendeck aus Vögeln zwitschert mich an.

Eine farbige Skizze eines imposanten Kuppelbaus bei blauem Himmel. Stromleitungen kreuzen die Sicht.

Skizze eines Gebäudes – vielleicht ein Bild aus dem Urlaub?

Farbige Illustration von einem Boot auf dem Wasser am Steg, am Ufer erheben sich Bäume.

Badeort, Zuhause oder Reise – man hört die Wellen schwappen

Karten mit Vogelillustrationen

Für Vogelliebhaber

Aber Illustratorin heißt nicht nur Spaß. Es heißt auch Lernen, erzählt Bianca. Jedes Thema fordert seinen eigenen Ansatz, gepaart mit den unbegrenzten Möglichkeiten der Kreativität vergeht kein Tag, den sie nicht mit einer kleinen Lektion beendet. Ihr Anspruch an sich selbst: Ein Thema erfordert Erkunden. Immer.

“Ich gestalte Produkte, mit denen Menschen gerne Zeit verbringen und die ihr Leben und ihr Zuhause besonders macht. [Das und] meine Liebe für Handgemachtes und kreative Hobbies und meiner Begeisterungsfähigkeit, mich in neue Themen einzuarbeiten, zu recherchieren und bildlich zu verarbeiten, gibt einen recht guten Überblick darüber, was meine Arbeit als Illustratorin im Bereich „Lifestyle Illustration“ ausmacht.”

Was machst du dann konkret als Illustratorin? Wie ist der Weg von der ersten Idee zum fertigen…Ding?

“Kommt drauf an“, sagt sie. Wir lachen. Natürlich kommt es drauf an. Bianca unterteilt in selbstständige Arbeiten und Auftragsarbeiten. Selbstständige Arbeiten kommen aus ihrem Kopf, sie starten mit einer Idee, manchmal einem Foto oder einer schnellen Zeichnung. Diese wird von Buntstiften, einem digitalen Zeichenprogramm oder sogar anderen Medien wie Wolle weiterverfolgt.

Ein Untersetzer aus stilisierten Margeriten in Punchneedle-Technik gearbeitet.

Flauschige Untersetzer

Illustrationen von Alltagsgegenständen: Couch, Schnurtelefon und Ähnliches

Alltagsgegenstände im Detail

 

Postkarten liefen gut, sagt sie, und mein Blick fällt auf die gelbe Blume vor einer bergigen Landschaft. Manchmal gehe sie Dinge auch in Eigeninitiative an, beispielsweise Verpackungsdesigns, oder unseren Aufruf für Motive damals. Meine Tasche, die ich mit ihrem Motiv bedruckt habe, hängt über der Stuhllehne. Von der Wäsche ist es schon etwas ausgefranst. “Bald gibt es meinen neuen Kalender für 2027 zu kaufen”, wirft sie mit einem Zwinkern ein.

Illustration einer Blume vor einer Wiese, im Hintergrund sind Berge zu sehen.

Eine Blumenpostkarte

Auftragsarbeiten hingegen sind in der Regel mit Vorlage. Illustrationen für Bücher und Magazine, Verlage oder Murals, aber auch individuelle Hausportraits.

Postkartenprint von einem Mehrparteienhaus

Ein Hausportrait im Auftrag eines Kunden/einer Kundin

“Alles, was ich dafür brauche, ist ein Foto, [und man bekommt] je nach Wunsch die Originalzeichnung, oder eine digitale Version. Gerade um Weihnachten rum kommen viele Anfragen.”

Gerade wegen dem hohen sentimentalen Wert, der mit solchen Anfragen einhergeht, geht sie sorgfältig mit den Wünschen ihrer Kunden um. “Kunst ist enorm subjektiv, deshalb ist als Illustratorin gute Absprache das A und O. Eine Anfrage ist bei mir nie verbindlich. Die Erinnerung soll im Vordergrund stehen, erst dann gleichen wir Preis und Budget ab.”

Was interessiert dich im künstlerischen Bereich noch so? Wo siehst du deine Arbeiten in Zukunft?

“Gerade jetzt, wo so viel online stattfindet, habe ich das große Bedürfnis wieder mehr von Hand zu machen.“

Wir driften über Drucktechniken ab. Ich erzähle von den Erfahrungen beim Lavendeldruck, sie erzählt von anderen Möglichkeiten, etwa Linol- und Siebdruck. Auch Keramik neckt sie schon eine Weile, gesteht sie mir. Ich stelle mir unweigerlich vor wie sich ihre Signatur-Blumen über die Außenseite einer Müslischüssel ranken und eine der Katzen gerade so über die Kante der Milch auf der Innenseite guckt. Bianca holt mich aus dem Gedanken raus, als sie mir einen Untersetzer zeigt. Sie würde gern mehr Wohnaccessoires wie diese hier machen, schwärmt sie.

Illustration von Blumen, Linienarbeit schwarz auf weiß

Biancas Motive vom Lavendeldruck

Illustration von Yoga-Katzen, schwarz auf weiß

Biancas Motive vom Lavendeldruck

“Mir zu überlegen wie etwas funktioniert und alte Techniken zu erlernen reizt mich sehr. Außerdem liebe ich es, wenn man Dingen ansieht, dass sie handgemacht sind!”

Dürfen wir die Katzen und Blumen einfach weiterhin anbieten, wenn wir nochmal Druckworkshops machen?

“Aber natürlich!” Sie lacht. Vielleicht schafft sie es diesmal dann auch zu kommen, spekuliert sie.

Wer ihre Arbeit anschauen will, findet hier ihr Instagram und ihre Website.

 

Wer steckt eigentlich hinter den Werken?

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Allgemein, Ausstellung 2025, Interviews

Wir zählen nur noch wenige Tage bis zu unserer Ausstellungseröffnung mit neuen Künstler:innen, neuen Perspektiven und neuer Kunst im Jugendzentrum Konstanz. Bevor ihr am Freitag den 17.10.2025  zum ersten Mal die Chance habt die Kunstwerke live zu sehen, möchten wir euch deren Schaffer:innen kurz vorstellen; Wie sie an die Kunst gekommen sind und was sie mit ihren Werken vermitteln möchten. Für viele Künstler:innen bietet die Kunst-Werk-Stadt und das Juze Raum zur Debütausstellung und gleichzeitig Raum, um mit anderen Künstler:innen in Kontakt zutreten. 

 

F E L I X   S T O F F E L 

Felix ist 26 Jahre alt, Student, der sein Hobby zum Beruf machte. Alles begann mit dem Geschenk einer Digicam zu Weihnachten. Durch die Faszination der Fotografie entwickelte sich eine Leidenschaft zu der Materie, wodurch Felix seinen Weg zum Designstudium einschlug. Mit seiner Fotoreihe, von der wir zwei Werke ausstellen werden, möchte Felix zum Nachdenken, aber auch zum Handeln angesichts des Klimawandels anregen. Mit seinen Werken „Eis zu seiner Zeit I – III“ präsentiert Stoffel Aufnahmen von „vergänglichen Räume aus Eis“ die er 2022 im isländischen Vatnajökull-Gletscher aufgenommen hat. Eis das durch die Klimaerwärmung schmilzt und in Island ein sichtbares Symbol für den Klimawandel darstellt.

 

K A R I N A    K O N J U S C H E N K O 

Karina ist 25 Jahre alt, Studentin und durch ihr Studium an die Fotografie geraten. Während ihres Bachelor Studiums im Bereich Medienproduktion begann Konjuschenko ihre Affinität zur Analog- und Digitalkamera zu entdecken und sich mit der Umsetzung von Fotografie auseinanderzusetzen. Karina „möchte einen Blick vermitteln, der Intimität, Nähe und Wärme ausstrahlt“. Die von uns ausgewählten Fotografien entstammen der Fotoreihe „Zwischen uns“. 

 

I N E S    V E T T E R 

Ines ist 48 Jahre alt, Künstlerin, Grafikerin und Illustratorin. Schon als Kind war es ihre große Leidenschaft ausgedachte Geschichten durch Bilder zu erzählen. Ihre Werke sind geprägt durch unterschiedliche Lebensphasen und Umgebungen. Sei es die Großstadt Berlin, die Natur um den Bodensee oder Themen die Vetter persönlich bewegen. „Ob autobiografische Bezüge, erdachte Szenarien oder berührenden Landschaften, jedes Motiv folgt meinem inneren Drang ungewöhnliche Momente festzuhalten.“ Mit ihrer Zeichnung „ZuFlucht“ möchte Ines auf das Thema Geborgenheit als Kind aufmerksam machen. Der doppeldeutige Begriff bezieht sich auf das Thema Flucht aus Kriegsgebieten oder aus der Armut heraus, als auch die Zuflucht in eine Traumwelt. 

 

J U L I A   F A R R E N K O P F

Julia ist 19 Jahre alt und Studentin. Ihre Faszination für Fotografie hat schon früh begonnen und wurde durch ihren Opa geprägt. Julia begann erst 2022 selbst mit dem Fotografieren und ist seither an Architektur und Konzertfotografien interessiert. Farrenkopf intendiert ihre persönliche Sichtweise auf die Welt zu vermitteln, Emotionen über ihre Fotografie zu transportieren und Betrachter:innen zur eigenen Kreativität zu inspirieren. Besonders möchte sie Blickwinkel und Perspektiven hervorheben die leicht zu übersehen sind. Zur Schau gestellt werden ihre Werke „Kindheit am Fenster“, „Kindheit mit Vater“ und „Kindheit in der Stadt“.

 

M A J A   I S E L E 

Maja ist 23 Jahre alt und arbeitet als Bankkauffrau. Seit ihrer Kindheit ist Maja eine begeisterte Malerin. Diese Leidenschaft dauert bis heute an und bietet ihr einen kreativen Ausgleich zu ihrem Berufsleben. Isele lässt sich gerne für neue Stile und Maltechniken begeistern, favorisiert jedoch den Klassiker Acryl auf Leinwand. Mit ihren Werken „Lampenparade“ und „Mucho Amor“ möchte Maja den Betrachter:innen eine positive Stimmung vermittelt und gute Laune durch Farbigkeit hervorrufen. 

 

C A R A   H A I B L E

Cara ist 24 Jahre alt und Studentin. Kunst ist für Cara nicht nur ein Hobby sondern eine Ausdrucksform. Schon von Kindestagen an hat Cara eine Vorliebe für Kunst. Die Kunst bedeutet für Haible ihre Emotionen und Beobachtungen in eine Sprache zu übersetzten, die über Worte hinausgehen und sich gleichzeitig mit sich selbst auseinanderzusetzen. Mit ihren Fotografien  „Begegnung auf dem Wasser“, „Summer Swim“ und „Segelschiff“, möchte Cara Momente der Ruhe, Begegnung und Vergänglichkeit sichtbar machen, die sich oft in alltäglichen Situationen verbergen. 

 

G U N T R A M  H E R M L E

Guntram ist 52 Jahre alt und ist freiberuflich tätig. Schon früh wurde er durch seine kunstinteressierten Eltern geprägt und fand selbst als Kind Freude am Malen und Zeichnen. Seine Bilder versteht er als Notizen – Aufzeichnungen aus seinem Leben, die von dem erzählen, was ihn bewegt, interessiert und beschäftigt. Sie sind Ausdruck seiner Gedanken und Empfindungen, Spiegel seines Erlebens. Guntram möchte mit seiner Kunst vor allem das Schöne zeigen – die Ästhetik der Welt und des Lebens. In der Begegnung mit seinen Bildern können die Betrachtenden – oft unbewusst – einen Blick auf die stille Schönheit der Welt und des Lebens erhaschen. In unserer Ausstellung werden zwei seiner Werke gezeigt: „Warten auf Godot“ und „Akt“.

 

M A I K E  P L U T Z

Maike ist 27 Jahre alt und ist Studentin. Für sie ist das künstlerische Arbeiten eine Form der Gefühlsregulation, der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung. Einen konkreten Anfangspunkt gab es dabei nie – Kunst war einfach das, was sie tat, und das ist sie bis heute geblieben.
Inzwischen versteht Maike Kunst als weit mehr als nur Ausdruck oder Tätigkeit. Sie beschreibt es so: „Sie ist Mittel und Zweck. Sie ist das, was man aus ihr macht und von ihr braucht – und das, was andere wiederum aus ihr machen und von ihr brauchen. Ein Teppich aus Ideen, Geschehen und Gefühlen, an dem Menschen immerzu weiterknüpfen.“
In der Dreiergruppe „Hast du?“, die wir so in unserer Ausstellung zeigen werden,  geht es darum, lebenslang in (altem) Leid verhaftet zu bleiben und dadurch die Erfahrung des erlebten Leids und des Schmerzens in ein vielleicht ‚Unendliches‘ weiterzuführen (im Sinne einer transgenerationalen Weitergabe). Es geht darum, sich heraus zu kämpfen und letzten Endes  weiter zu gehen und darüber hinaus zu wachsen. Um Hoffnung  – und darum, trotzdem zu leben und zu lieben.

 

M A R C E L  T R I C K

Marcel ist 19 Jahre alt und Student. Während der Corona-Zeit hat er begonnen, sich mehr mit Kunst zu beschäftigen – aus der Neugier heraus und dem Wunsch, etwas Neues auszuprobieren. Beim kreativen Arbeiten kommt er in einen besonderen Flow und findet Ruhe und Entspannung. Schon immer hat es ihm Spaß gemacht, Dinge auszuprobieren, zu gestalten und mit Materialien zu experimentieren –die Kunst ist so zu einem festen Teil seines Lebens geworden.
Es geht ihm darum, Neugier zu wecken, Mut zum Ausprobieren zu stärken und zu zeigen, dass im kreativen Prozess gerade das Unerwartete seinen besonderen Wert hat.
Auch von Marcel Trick stellen wir zwei der drei eingereichten Werke aus. „ Graffiti kan meets the see“ und „Fishing out oft the box“.

 

H E L E N A  A N D R I J A N I C

Helena ist 27 Jahre alt und befindet sich derzeit in Ausbildung zur Goldschmiedin.
Ein feines Gespür und eine beständige Begeisterung für Kunst begleiten sie schon seit vielen Jahren. Erst vor Kurzem begann sie, ihre Eindrücke bewusster zu ordnen und diese in kreative Ausdrucksformen zu übersetzen – inspiriert und ermutigt durch Menschen aus ihrem nahen Umfeld. Besonders fasziniert hat sie dabei die Selbstverständlichkeit und Allgegenwärtigkeit ungewöhnlicher Wahrnehmungen. Das bewusste Beobachten und das Zulassen ihres eigenen Blicks empfand sie als stimmig und bereichernd. Zwei ihrer eingereichten Werke werden wir in unserer Ausstellung zeigen, mit dem Namen „Platinen“ und „Autogrill“

 

T I N A  B E H N S T E H T

Tina ist 49 Jahre alt und Administrative Assistentin an der Uni Konstanz und Künstlerin.
Die Kunst begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Ihr  Vater war technischer Zeichner, ihre Großmutter bemalte Lampenschirme – sie beide haben ihr gezeigt, dass Gestaltung ein Weg ist, sich auszudrücken und etwas zu erschaffen. So war kreatives Arbeiten bereits in ihrer Kindheit immer Teil des Alltags. Die Auseinandersetzung mit Krankheit, Sorge und Angst durch die Schwerbehinderung ihres Bruders, der öfter operiert werden musste, prägte sie – die Kunst gab ihr Raum, ihre Gefühle zu verarbeiten und Kraft zu schöpfen. Ein Ort, an dem sie Ängste, Gedanken und Gefühle verwandeln konnte  – in Linien, Farben, Formen. Kunst ist hier nicht nur Ausdruck, sondern auch etwas Schönes, das verbindet, stärkt und sichtbar macht, was oft unsichtbar bleibt.
Die Betrachter:innen sind eingeladen, sich mitreißen zu lassen und die tiefen Ebenen zu durchdringen. Helden präsentieren ihre unterschiedlichen Facetten: Verletzlichkeit, Stärke, Schwäche, Mut und Zweifel treffen aufeinander. Das ausgestellte Werk ist eine Hommage an Queen und vor allem an Freddie Mercury. Ikonische Momente wie der berühmte Bühnenauftritt im gelben Jackett, Songtitel und verschiedene Symbole verbinden sich zu einem kaleidoskopartigen Portrait dieses besonderen und facettenreichen Menschen.