Illustratorin ist ein Beruf? Mit dieser Erkenntnis beginnt ihr Traum. Wir haben die Künstlerin Bianca Gschlecht interviewt. Manche kennen den Namen vielleicht noch, sie bot einige ihrer Motive für unseren Workshop Lavendeldruck im Sommersemester 2026 an. Sie erzählt von ihrem Werdegang, ihren Leidenschaften und großen Plänen für die Zukunft.
Wie bist du darauf gekommen, von Beruf her Künstlerin zu sein?
“Bevor ich wusste, dass es den Beruf „Illustrator:in“ gibt, hatte ich verschiedene Vorstellungen davon, was ich einmal werden möchte – Floristin, Schauspielerin, Biologin – die drei sind mir im Kopf geblieben.”
Ihr Lächeln strahlt breit bei der Erinnerung. Nach ihrem Abitur in Singen zieht es sie ins Ausland. Sie studiert erst Innenarchitektur in Stuttgart, und dann Informationsdesign in Graz. Ihre Bachelorarbeit in Informationsdesign schreibt sie über die Selbstständigkeit als Illustratorin, und aus ihrem Forschungsmaterial wird ein Lebenstraum.
“Über eine Freundin von mir, die sich genau zu der Zeit als Illustratorin selbstständig gemacht hat, bin ich mit dem Beruf in Berührung gekommen.”
Du bist also 2021 quasi mitten in Corona wieder zurückgekommen und hast dich selbstständig gemacht. Ist die Arbeit mit Menschen nicht unsicher gewesen? Wie bist du den Wechsel in die Praxis angegangen?
“Wenn ich mir meine Berufswünsche im Nachhinein so anschaue, dann wird mir klar, dass sie alle aus dem Bedürfnis entstanden sind, etwas für Menschen zu gestalten und Menschen eine Freude zu machen.[…] Ich halte alltägliche Momente und Orte fest und verwandle sie in Illustrationen, die sich nostalgisch und vertraut anfühlen.”
Aber wie so oft war es auch großes Glück an die richtigen Personen zu geraten.
„Als ich nach Konstanz gezogen bin hatte ich das große Glück, mit den Macherinnen vom NUN Magazin in Kontakt zu kommen und durch sie hatte ich von Anfang an kleinere Aufträge.“
Nostalgie auf Papier. Sie erzählt von den Motiven, denen sie begegnet. Reisen und Architektur zum Beispiel tauchen Hand in Hand auf, ein Foto von einem Gebäude, oder die Szenerie beim absoluten Lieblingscafé, die jemand mit Bedeutung füllen möchte. Auch abstrakte Themen wie mentale Gesundheit und Diversität kreuzen ihr Studio. Auf dem Tisch liegen einige Arbeiten, von denen jede direkt eine Geschichte zu erzählen scheint. Wie ein eingefrorenes Video scheinen sie lebhaft, als warteten sie nur darauf, loszuplappern. Ein Kartendeck aus Vögeln zwitschert mich an.
Aber Illustratorin heißt nicht nur Spaß. Es heißt auch Lernen, erzählt Bianca. Jedes Thema fordert seinen eigenen Ansatz, gepaart mit den unbegrenzten Möglichkeiten der Kreativität vergeht kein Tag, den sie nicht mit einer kleinen Lektion beendet. Ihr Anspruch an sich selbst: Ein Thema erfordert Erkunden. Immer.
“Ich gestalte Produkte, mit denen Menschen gerne Zeit verbringen und die ihr Leben und ihr Zuhause besonders macht. [Das und] meine Liebe für Handgemachtes und kreative Hobbies und meiner Begeisterungsfähigkeit, mich in neue Themen einzuarbeiten, zu recherchieren und bildlich zu verarbeiten, gibt einen recht guten Überblick darüber, was meine Arbeit als Illustratorin im Bereich „Lifestyle Illustration“ ausmacht.”
Was machst du dann konkret als Illustratorin? Wie ist der Weg von der ersten Idee zum fertigen…Ding?
“Kommt drauf an“, sagt sie. Wir lachen. Natürlich kommt es drauf an. Bianca unterteilt in selbstständige Arbeiten und Auftragsarbeiten. Selbstständige Arbeiten kommen aus ihrem Kopf, sie starten mit einer Idee, manchmal einem Foto oder einer schnellen Zeichnung. Diese wird von Buntstiften, einem digitalen Zeichenprogramm oder sogar anderen Medien wie Wolle weiterverfolgt.
Postkarten liefen gut, sagt sie, und mein Blick fällt auf die gelbe Blume vor einer bergigen Landschaft. Manchmal gehe sie Dinge auch in Eigeninitiative an, beispielsweise Verpackungsdesigns, oder unseren Aufruf für Motive damals. Meine Tasche, die ich mit ihrem Motiv bedruckt habe, hängt über der Stuhllehne. Von der Wäsche ist es schon etwas ausgefranst. “Bald gibt es meinen neuen Kalender für 2027 zu kaufen”, wirft sie mit einem Zwinkern ein.
Auftragsarbeiten hingegen sind in der Regel mit Vorlage. Illustrationen für Bücher und Magazine, Verlage oder Murals, aber auch individuelle Hausportraits.
“Alles, was ich dafür brauche, ist ein Foto, [und man bekommt] je nach Wunsch die Originalzeichnung, oder eine digitale Version. Gerade um Weihnachten rum kommen viele Anfragen.”
Gerade wegen dem hohen sentimentalen Wert, der mit solchen Anfragen einhergeht, geht sie sorgfältig mit den Wünschen ihrer Kunden um. “Kunst ist enorm subjektiv, deshalb ist als Illustratorin gute Absprache das A und O. Eine Anfrage ist bei mir nie verbindlich. Die Erinnerung soll im Vordergrund stehen, erst dann gleichen wir Preis und Budget ab.”
Was interessiert dich im künstlerischen Bereich noch so? Wo siehst du deine Arbeiten in Zukunft?
“Gerade jetzt, wo so viel online stattfindet, habe ich das große Bedürfnis wieder mehr von Hand zu machen.“
Wir driften über Drucktechniken ab. Ich erzähle von den Erfahrungen beim Lavendeldruck, sie erzählt von anderen Möglichkeiten, etwa Linol- und Siebdruck. Auch Keramik neckt sie schon eine Weile, gesteht sie mir. Ich stelle mir unweigerlich vor wie sich ihre Signatur-Blumen über die Außenseite einer Müslischüssel ranken und eine der Katzen gerade so über die Kante der Milch auf der Innenseite guckt. Bianca holt mich aus dem Gedanken raus, als sie mir einen Untersetzer zeigt. Sie würde gern mehr Wohnaccessoires wie diese hier machen, schwärmt sie.
“Mir zu überlegen wie etwas funktioniert und alte Techniken zu erlernen reizt mich sehr. Außerdem liebe ich es, wenn man Dingen ansieht, dass sie handgemacht sind!”
Dürfen wir die Katzen und Blumen einfach weiterhin anbieten, wenn wir nochmal Druckworkshops machen?
“Aber natürlich!” Sie lacht. Vielleicht schafft sie es diesmal dann auch zu kommen, spekuliert sie.
Wer ihre Arbeit anschauen will, findet hier ihr Instagram und ihre Website.










