Kunst-Werk-Stadt

Hochschulgruppe Uni Konstanz

Lichthalle MAAG Zürich

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Allgemein, Kunst & Architektur

Seit Herbst 2021 hat die ehemalige Eventhalle der MAAG Zürich, eine große Veränderung erlebt. Wo einst eine Montagehalle stand, befindet sich heute ein Ort, an dem Kunst ganz neu erlebt werden kann. Mit viel Aufwand wurde die Halle umgestaltet, um ein Kultur- und Veranstaltungszentrum entstehen zu lassen, dass Kreativität und Innovation verbindet.

 

Atelier des Lumières

Als Vorbild diente das berühmte Atelier des Lumières in Paris, ein Pionier der immersiven Kunst. Der Begriff leitet sich von «Immersion» ab und beschreibt das «Eintauchen» in eine digitale Kunstwelt.

Dieses Konzept fand auch in der Lichthalle MAAG Zürich seinen Platz. In der Lichthalle MAAG entstanden in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Künstlerkollektiv Projektil immersive Ausstellungen wie «Viva Frida Kahlo», «Monet’s Garden» und «Klimts Kuss», die mittlerweile in vielen internationalen Städten gezeigt werden.

 

Eine neue Dimension der Kunsterfahrung

Die Lichthalle MAAG versteht sich dabei nicht nur als Ausstellungsraum, sondern als ein Raum für immersive Kunst und besondere Veranstaltungen.

Während klassische Museumsbesuche oft von Menschenmengen und kurzen Blickmomenten geprägt sind, eröffnet die Lichthalle MAAG einen ganz anderen Raum für Kunst. Hier wird eine Kunsterfahrung mit digitaler Tiefe ermöglicht. Werke wirken, Räume verändern sich und Emotionen entstehen.

Animationen und Soundeffekte offenbaren neue Dimensionen im Werk der Künstler:innen.

 

Vergangene Ausstellungen

  •  Viva Frida Kahlo (22.09.2021 – 03.04.2022)
  •  Monet‘s Garden (13.04.2022 – 23.11.2022)

Die immersive Ausstellung widmete sich dem französischen Künstler Claude Monet, der als Mitbegründer des Impressionismus gilt. Er prägte die Kunstgeschichte mit seinen faszinierenden Lichtstimmungen, atmosphärischen Landschaften und der Freimalerei. Im Zentrum der Ausstellung stand Monets Garten in Giverny, welcher als Kulisse und Inspiration für einige seiner berühmten Gemälde diente.

 

  •  Klimts Kuss (01.12.2022 – 07.05.2023)
  •  Imagine Picasso (15.11.2023 – 07.04.2024)
  •  Leonardo da Vinci (25.04.2024 – 20.10.2024)

Die immersive Ausstellung widmete sich dem italienischen Künstler Leonardo da Vinci, einem der bedeutendsten Universalgelehrten der Renaissance. Mit berühmten Werken wie der Mona Lisa und Das Abendmahl konnten Besucher:innen, auf eindrucksvolle Weise seine Kunst völlig neu erleben.

 

  •  Tutanchamun (30.11.2024 – 13.07.2025)
  •  Die Legende der Titanic (04.09.25 – 01.03.26)

 

Becoming Marilyn Monroe – eine Hommage an Marilyn Monroe

27.03.2026 – 28.06.2026

Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe entstand mit BECOMING MARILYN MONROE, die weltweit erste immersive Ausstellung, die der Legende gewidmet ist. Im Mittelpunkt steht dabei Norma Jeane, die Frau hinter dem Mythos und ihr Weg zu Marilyn Monroe. Die Ausstellung handelt von Ruhm und Freiheit, von Stärke und Selbstbestimmung. Das Porträt einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.

Eine interaktive Sprachführung in Deutsch, Französisch und Englisch begleitet Besucher:innen durch die Ausstellung.

 

Weitere Informationen & Tickets unter:

https://www.lichthallemaag.ch/lhm/de.html

https://www.maag-moments.ch/maag/de/ausstellungen.html

Kurze Künstlerinnenvorstellung: Helen Meier

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Allgemein, Konstanz entdecken, literarisch

„Und ausserdem ist das Schreiben, was es wiedrum mit der Liebe gemeinsam hat, das Beste, das in dieser Zeit geschehen kann.“

Dieses von Helen Meier stammende Zitat greift ziemlich genau zwei Kernthemen ihrer Texte auf: das Schreiben und die Liebe. 1929 in Mels, im St. Galler Oberland, geboren, war sie zunächst Primar-, also Grundschuldlehrerin, und studiert später Sprachen und Pädagogik in Freiburg. Außerdem engagierte sie sich beim Schweizerischen Roten Kreuz in Sachen Flüchtlingshilfe und erweiterte ihre Ausbildung zur Lehrerin auf das einer Sonderschullehrerin, womit sie eine Lehrstelle in Heiden wahrnehmen konnte. Diese Tätigkeit scheint für sie eine prägende gewese zu sein; 1984 reicht sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen Text über einen ihrer Schüler*innen mit einer Lernbehinderung ein („Lichtempflindlich“) und bekommt im Zuge dessen einen Platz beim Ernst-Willner-Stipendium. Nichtsdestotrotz tritt sie 1987 vom Schuldienat zurück, was sie als Schriftstellerin zurücklässt.

Porträt von Helen Meier (Foto: Peter Lober), entnommen aus „Bodensee-Lesebuch. 18 Autoren stellen sich vor“ herausgegeben von G. Braun

Kernthemen in Meiers Prosa umfassen sowohl Schicksalsschläge, unvorhergesehene Zukünfte und Lebensrealitäten, unerfüllte Liebe als auch ihre Wahrnehmung und Perspektiven auf das Altern.

Ihr zweites Buch „Das einzige Objekt in Farbe“ ist eine Sammlung aus 13 Geschichten und beschäftigt sich mit Bindungen und Verhältnissen zwischen Frau und Mann, und wirft die Frage auf, wie Liebe funktioniert und was sie mit uns macht. Dabei bindet sie Bezüge zur Kindheit und deren Auswirkungen auf das Jetzt mit ein.

Beispielsweise in der dritten Erzählung des Buches, „Zweiglein“, eine Geschichte über einen Mann, der eine Frau kennenlernt, welche ihn zu bemuttern müssen scheint, schreibt sie über dessen Hauptfigur:

„Felix Zweiglein sehnte sich oft nach seiner Kindheit zurück, der einzigen Zeit seines Lebens, in der er, wie es ihm schien, gelebt hatte, unbedenklich, kühn, die Tage randvoll mit Erlebnissen, Hoffnungen, Ahnungen, die Nächte ein endloser Samtpfad der Wiedergeburten.“

Im Kapitel „Disteln“ wird über die Protagonistin Sabine ähnliches geäußert:

„Um das Geräusch hören zu können, öffnete sie wiederum das Fenster. Es setzte ein, das beruhigende und zugleich aufhetzende Zischen, die Rhythmik uralter Ernte, des Anfangs und des Endes. Wiederum vermochte es in Sabine Erinnerungen heraufzuholen, schillernde Blasen früheren Lebens, bläulichgrünlich schwebend aus den Glasgärten ihrer Kindheit, die nicht hinter ihr, sondern vor ihr lagen, als Ziel, wie nach einem langen Lauf.“

In einem anderen Sammelband, „Liebe Stimme“, erzählt Meier teilweise abstruse Liebesgeschichten, ob es um Zwangsstörungen, Altersunterschiede oder Fantasievorstellungen geht.

In der Kurzgeschichte „Involtini“ wird eine romantische Beziehung zu der 19 Jahre jüngeren Stella umschrieben, welche von der gemeinsamen Leidenschaft des Kochens geprägt ist. Dabei wird thematisiert, inwiefern Menschen unterschiedlich lieben und auf welchen Ebenen ein Wir zustande kommen muss, dafür, dass das Gemeinsame funktionieren kann.

„Wir streiten viel, schreien, schmettern Türen. Wir heulen bei jeder Versöhnung, lächeln, falls es uns gelingt, Licht in unser dunkles Inneres zu werfen.“

Ihr Vorliebe des Schreibens lässt die Autorin beispielsweise in „Strahler“ aus demselbigen Buch durchscheinen, worin sie aus der Perspektive einer Schriftstellerin schreibt.
Helen Meier gewährt in ihren Werken Einblick in unterschiedliche Figuren und Lebensweisen, manche von ihnen fast gruselig bizarr und befremdlich, andere beneidens- und bewundernswert. Egal, nach welchen es Lesende strebt, ihre Texte können begeistern. Ihr Archiv ist im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern zu finden, viele ihrer Bücher beispielsweise in der Universitätsbibliothek Konstanz!

Kurze Künstlervorstellung: Hermann Hesse

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Allgemein, literarisch

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie Der Steppenwolf, Siddhartha und Demian weltweiten Ruhm. Was viele jedoch nicht wissen: einen prägenden Teil seines Lebens verbrachte er in Gaienhofen, unweit von Konstanz.

Eine fotographische Ansichtskarte vom „Hesse Haus“ um 1910 aus der Kollektion von Markus Wolter.

1904 zog es den frisch verlobten Hesse gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Fotografin Maria Bernoulli, in das kleine Dorf am Bodensee. Beide waren stark vom Gedanken der Lebensreform beeinflusst, d. h. eine Rückbesinnung auf Natur und Simplizität als Gegenentwurf zur fortschreitenden Industrialisierung und dem wachsenden Materialismus in den Großstädten. In diesem Sinne entschieden die zwei sich bewusst für ein abgeschiedenes Leben im 3000-Einwohner- und -Einwohnerinnendorf und verfügten daheim weder über fließendes Wasser oder Elektrizität noch über einen Lebensmittelladen.

So schreibt Hesse selbst in einen Brief an Stefan Zweig:

Gaienhofen ist ein ganz kleines schönes Dörflein, hat keine Eisenbahn, keine Kaufläden, keine Industrie, nicht einmal einen eigenen Pfarrer, […]. Es hat auch keine Wasserleitung, so dass ich alles Wasser am Brunnen hole, keine Handwerker, so dass ich die nötigen Reparaturen im Haus selber machen muss, und keinen Metzger, also hole ich Fleisch, Wurst etc. jeweils im Boot über den See aus dem nächsten thurgauischen Städtchen. Dafür gibt es Stille, Luft und Wasser gut, schönes Vieh, famoses Obst, brave Leute. […]

Die Jahre in Gaienhofen erwiesen sich als besonders produktiv in seinem literarischen Schaffen. So entstanden mehrere Erzählungen sowie die Romane Unterm Rad und Gertrud. Weiterhin stammen auch eine Vielzahl an Gedichten aus dieser Zeit, in denen sich die Landschaft um den Bodensee selbst einschreibt, wie dieses:

Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.

Sie atmen tief, und sie halten
Einer den anderen an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst
In verzehrender Leidenschaft.

Das ruhige, gutbürgerliche Leben mit Familie und Haus war jedoch nicht nur von reiner Idylle geprägt, sondern stand stets im Widerstreit mit persönlichen Umständen und Hesses intrinsischem Verlangen nach einem Leben als Vagabund. Aufgrund dessen zog das Paar im Jahr 1912 weiter nach Bern.

Hermann Hesse reflektiert diese Zeit später wie folgt:

Nun waren wir also richtig für Lebenszeiten eingerichtet und angesiedelt, friedlich stand vor unsrer Haustür der einzige große Baum unseres Grundstücks, […]. Aber die Ewigkeit, für die wir gebaut hatten, dauerte nicht lange. Ich hatte Gaienhofen erschöpft, es war dort kein Leben mehr für mich, ich reiste nun häufig für kurze Zeiten weg, die Welt war so weit da draußen, und fuhr schließlich sogar nach Indien, im Sommer 1911. Die heutigen Psychologen, der Schnoddrigkeit beflissen, nennen so etwas eine ,Flucht‘, und natürlich war es unter anderem auch dies. Es war aber auch ein Versuch, Distanz und Überblick zu gewinnen. […]. Aber das alles genügte nicht. […] allmählich gewöhnten wir uns daran, unser Haus als verkäuflich und unser Gaienhofener Leben als eine Episode zu betrachten.

Bei Interesse kann diese Lebensphase zu ausgewählten Terminen im Mia und Hermann Hesse Haus in Gaienhofen hautnah erlebt werden!

 

Lyrik am Bodensee

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Konstanz entdecken, literarisch

Wozu Lyrik? 16.000 Wörter bringt ein Alltagsmensch durchschnittlich am Tag über die Lippen – mal dies, mal das. Zeitweise verweilt man beim Gesagten und gelegentlich verpufft es in einem luftleeren Raum. Eine Fülle an Eindrücken, die einen durch das Leben navigieren, weshalb also die Ergänzung von wenigen verdichteten Zeichen von irgendeiner Person, die einem fremder nicht sein kann? Vielleicht gerade um mit dieser Fremdheit in Dialog zu treten, damit man sich im Bachmann’schen Sinne, neue Formeln für eine andere Wirklichkeit erschließen kann.

Nun zur Lyrik!

Emmy Ball-Hennings Ein Traum

Die Pionierin der Dadaismus Bewegung und Mitbegründerin des Cabaret Voltaire, Emmy Ball-Hennings, zeigt uns wie die Impressionen des Bodensees sich bis in unsere Träume hineinschleichen: Da gleicht die Zweisamkeit in der Tiefe des Sees einer Nicht-Existenz ohne jegliche Art von konkreter Begierde und verwandelt den See in einen Ort der Selbstreflexion. Eine expressionistische Liebesszenerie wird eröffnet, die mündet in einer melancholischen Bitte an das Dasein ihrer Selbst.

Wir liegen in einem tiefen See

Und wissen nichts von Leid und Weh.

Wir halten uns umfangen

Und Wasserrosen rings um uns her.

Wir streben und wünschen und wollen nichts mehr

Wir haben kein Verlangen.

Geliebter, etwas fehlt mir doch,

Einen Wunsch, den hab ich noch:

Die Sehnsucht nach der Sehnsucht.

Jürg Weibel ohne Titel

Anscheinend ist der Bodensee bestückt mit einem zwielichtigen Charakter. Einerseits verweisen menschliche Eingriffe und naturelle Erzeugnisse auf bedrohliche Zugangsbedingungen zum Plantschen. Andererseits verlockt eine Einladung seitens des Sees zur Überwindung dieser äußerlichen Erscheinungen. Dieses Verhältnis zwischen Misstrauen und Hingabe; Schein und Realität; Bodensee und Menschen verdeutlicht uns Jürg Weibel in reduzierter und pointierter Sprache.

Villenbestückt

hundebewehrt

stolperdrahtgesichert

algenerstickt

ölig und glatt

lächelnd

ladet er

zum Bade

William Becher Regen am Bodensee

Ausgehend von den stillen Beobachterinnen – den Bergen – beschreibt der in Lindau verstorbene Schriftsteller William Becher, wie sich der Schauplatz des Bodensees bei anbahnendem Regenfall verhält. Poetische Formulierungen der Erhabenheit der Natur erinnern an klassische Beschreibungen der Romantik in Bezug auf das Ich im Angesicht seiner Umwelt. In diesem Sinne schreibt sich der strömende Bilderfluss gleichzeitig auch in dessen Handlung ein und spiegelt diese formal wieder.

Urnebel brauen in den Bergkulissen.

Schwer reckt die Alp den feuchten Rücken aus.

Der Himmel dräut in grauen Finsternissen,

Verlassen steht am Ufer Haus an Haus.

 

Das Rauschen aus dem See steigt aus dem Grunde,

Wie großer Atem aus der Brust der Welt.

Ich fühle still die Schönheit dieser Stunde,

Wenn auch der Regen klatschend niederfällt.

 

16.000 Wörter haben sich beim lauten Vorlesen der Gedichte um 119 ergänzt und hoffentlich verweilen einige noch ein wenig länger im Bewusstsein der Leser*innen.

Der Narr Hans Kuony von Stockach — seine Geschichte, seine Bräuche und sein Denkmal

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Allgemein, Kulturell, Kunst im öffentlichen Raum

Hans Kuony ist eine der bekanntesten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Es gibt zwar keine eindeutigen Belege für seine historische Existenz, aber seine Geschichte lebt in Stockach, im berühmten Narrengericht und im Hans Kuony-Brunnen weiter. Die Geschichte von Hans Kuony beginnt mit der Schlacht am Morgarten. Kuony soll als Hofnarr für den Habsburger Herzog Leopold I. gearbeitet haben. Bevor die Armee in die Schweiz loszog, gab Kuony dem Herzog einen Rat: „Da hand ir all geratten wa ir in dasz land koment, aber keiner hat geratten wa ir her wider usz koment.“ (Da habt ihr alle überlegt, wie ihr in das Land kommt, aber keiner hat überlegt, wie ihr wieder raus kommt.) Der Herzog ignorierte diese Warnung. Die Folge war eine vernichtende Niederlage. Erst im Nachhinein wurde realisiert, wie schlau der Narr war. Die Geschichte machte Kuony zu einem ganz besonderen Hofnarren. Denn er durfte die Wahrheiten aussprechen, die anderen verwehrt blieben. Als Dankeschön soll Kuony einen Wunsch erfüllt haben. Er wollte, dass seine Heimatstadt Stockach einmal im Jahr Gericht halten dürfe. Dieses Privileg wurde, so heißt es, 1351 von Albrecht II. von Österreich genehmigt. So kam es zur Gründung des „Hohen Narrengerichts zu Stocken“, das bis heute besteht. 

Aber was macht Kuony eigentlich heute? 

Auch heute ist Hans Kuony die zentrale Symbolfigur der Stockacher Fastnacht. Beim Narrengericht ist er selbst als Figur dabei — als Narr, der das Geschehen begleitet und sozusagen der geistige Ursprung der Veranstaltung ist. Jedes Jahr am „Schmotzigen Dunschtig“ wird eine prominente Persönlichkeit, oft aus der Politik, vor das Narrengericht geladen. Dabei geht es nicht darum, zu bestrafen, sondern um satirische Kritik. Damit ist Kuony viel mehr als nur ein vermeintlicher Mythos — er ist ein lebendiges Symbol für politische Satire und bürgerliche Selbstbestimmung. 

Und wenn mal keine Fasnacht ist, macht der Hans-Kuony Brunnen als Denkmal auf diese Tradition aufmerksam. Die Brunnenfigur zeigt Kuony als warnenden Narren mit erhobenem Finger. Die Figur wurde von dem Bildhauer Werner Gürtner, geschaffen. Seit die Innenstadt umgestaltet wurde, steht der Brunnen in der Hauptstraße vor dem Bürgerhaus. Der Brunnen, das Narrengericht und die Figur des Hans Kuony sind alle miteinander verbunden. Sie machen die Geschichte in Stockach sichtbar und erlebbar. Obwohl manche Historiker bezweifeln, dass es Kuony wirklich gab, ist seine Wirkung unbestreitbar. Er steht für eine jahrhundertealte Tradition, in der Humor, Kritik und Gemeinschaft zusammenkommen. Somit trägt der Narr bis heute zur kulturellen Identität von Stockach bei. 

Kurze Künstlervorstellung: Beat Brechbühl

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Deutsch, literarisch

Beat Brechbühl wurde 1939 in Oppligen (circa zwei Stunden von Konstanz entfernt!) geboren und ging dort zur Schule. Später begann er eine Lehre als Schriftsetzer und schrieb selbst „Von da an wurde ich ein Büchermensch.“

Mit 17 Jahren wagte er sich ans Gedichte-Schreiben. Gern betont er, dass er darauf als Redakteur und Verleger bei der früher noch „wirklich alternativen“ Bodenseezeitschrift clou arbeitete. Während seiner Beschäftigung dort fing er an, seine Gedichte auch zu veröffentlichen, unter anderem seinen ersten Gedichtband „Spiele um Pan“. Bei Gedichtbänden allein blieb es jedoch nicht!

Brechbühl schreibt und publiziert eine Bandbreite an literarischen Werken wie Kinderbücher, Romane und Miniaturprosa. Und auch allein bei dem Schreiben blieb es nicht!

Er war außerdem als Grafiker, Radiomacher, Züricher Diogenes-Herstellungsleiter und Leiter des Schweizer Verlags Zytglogge tätig. Nicht zu vergessen, die Selbstbezeichnung „Bildermacher“ in Wald, einer relativ kleinen Gemeinde im Kanton Zürich, die er fotografisch festgehalten zu haben scheint.

Öfters finden sich viele dieser Interessen in seinen Werken wieder, beispielsweise, in der unbetitelten Collage (siehe unten), welche mit Zeilen, die an eines seiner Gedichte erinnern, geschmückt ist:

Gedicht und Collage von Beat Brechbühl, entnommen aus „Bodensee-Lesebuch. 18 Autoren stellen sich vor“ von G. Braun

Das Gedicht dazu, auch ohne Titel:

Das Leben ist anders als

du denkst und

anders als es ist

 

Ich schreibe Erfolgsstory,

Und vergesse ihren Anfang, dann ihr Ende, lesen

konnte ich sie nicht mehr, weil

Meine Augen plötzlich so schlecht wurden,

Und nachts um drei kreischt

Eine Frau der Dorfstraße; ihr

Schrecklicher Ehemann verfolgt sie mit

dem 60 Zentimeter langen Metzgermesser

 

aber das Leben ist anders

& so

sind es zwei Marder, die sich die

Kehle zerbeißen wegen eines Weibchens, denn

nach zehn Minuten zerfließen

die Messerschreie rasch im ausgedörrten Sommerboden,

 

& die Flugzeuge bischen über

uns hinweg, WER SIND

 

die andern? & der Kontinent

Indien rammte letzte Nacht

wieder einmal den Himalaya

 

& in Srinagar brachen die Häuser zusammen

und viele Menschen kamen in den Trümmern um. Hier

 

geht es nur um Geld, nur um

Geld. Also nichts als die

 

Ordnung desselben. & nochmals ist

alles anders,

aber wie?

Beat Brechbühl gewann für sein kreatives Schaffen zahlreiche Preise, wie den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, sowohl den Zürcher als auch Österreichischen Kinderbuchpreis und 1999 ebenfalls den Bodensee-Literaturpreis.

Zusätzlich erwähnenswert ist sein (in der Uni-Bibliothek Konstanz ausleihbarer!) Roman „Kneuss: zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Querulanten, von ihm selber aufgeschrieben“, in welchem die Hauptfigur und Sonderling namens Kneuss von ihn bekehren wollenden Mormonen besucht wird, welche eigentlich das Ziel haben, Kneuss umzubringen. Sie schaffen es nicht, ihn zu töten, dafür aber seine Hündin, welche ihm sehr am Herzen lag. Danach dreht Kneuss durch. Dem Roman folgt eine gleichnamige Verfilmung („Kneuss“) über welche die Neue Zürcher Zeitung neugierigmachend schrieb:

[…] Aus dem Helden Kneuss, der bei Brechbühl ein ‚Reiner‘ ist, ein ideologisch starrer Verweigerer, hat Meili [der Regisseur des Films] einen eher gebrochenen, zwielichtigen, in seinem Widerstand weder sich klar formulierenden noch für die Rebellion wirklich geeigneten Mann gemacht. Kneuss wird so menschlich fassbar.

Brechbühls Kunst breitete sich also auf ein weiteres Medium aus!

Am Beginn seines Œuvres standen jedoch hauptsächlich seine Gedichte und da er des Öfteren den Satz „Und wenn ich einmal keine Gedichte mehr schreibe, bin ich tot.“ von sich gab, kann man sich vor allem auf weitere Spiele mit Wort und Gefühl seinerseits freuen!

LKM WERKSCHAU – was wird gezeigt?

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Allgemein, LKM Werkschau 2026

Der Studiengang Literatur, Kunst und Medien ist wissenschaftlich-analytisch ausgerichtet, zugleich entstehen in Praxisseminaren zahlreiche spannende und einzigartige Projekte. In der LKM-Werkschau werden diese Arbeiten präsentiert und erhalten den Raum, gesehen zu werden. Für alle, die sich noch nicht genau vorstellen können, was sie dort erwartet, gibt dieser Beitrag einen kleinen Einblick in die Projekte, die es zu entdecken, zu hören, zu lesen und zu analysieren gibt. Und für alle, die wissen möchten, wann und wo diese Arbeiten zu erleben sind, finden sich am Ende die wichtigsten Termine – also dranbleiben.

Eines der vorgestellten Projekte ist „Experimentelle Audioproduktion im Hörspiel“. Seit den 1920er-Jahren eröffnet das Hörspiel einen auditiven Experimentalraum, in dem Stimme, Geräusche und Musik ein Hörerlebnis schaffen, das fesselt, herausfordert und involviert. Während Hörspiele zunächst live gespielt und gesendet wurden, bieten Streaming sowie digitale Aufnahme- und Bearbeitungstechniken heute vielfältige neue Möglichkeiten, die es zu erkunden und kritisch zu reflektieren gilt. Die besondere Herausforderung besteht weiterhin darin, Atmosphäre zu erzeugen und verschiedene Handlungsstränge allein durch Klang, ohne visuelle Unterstützung überzeugend miteinander zu verbinden, sowohl erzählerisch als auch technisch. Im Seminar wurden zahlreiche Hörspiele analysiert und zentrale Techniken zur Erzeugung unterschiedlicher Stimmungen herausgearbeitet. Zum Abschluss entstanden in Kleingruppen eigene Produktionen, in denen das erarbeitete Wissen praktisch umgesetzt wurde.

Ein weiteres Projekt widmet sich dem Fotobuch. Seit einigen Jahren ist hier ein deutlicher Boom zu beobachten: Neben kostengünstigen Self-Publishing-Formaten erscheinen aufwendig gestaltete Künstlerbücher mit besonderen Papieren, Formaten und drucktechnischen Veredelungen. Als eigenständige künstlerische Form haben sich Fotobücher längst etabliert; häufig entstehen die Fotografien eigens für ein klar konzipiertes Buchprojekt. Zugleich blicken Fotobücher auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 19. Jahrhundert und besonders im Kontext der Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts wurden Werke veröffentlicht, die die Fotografie nachhaltig geprägt haben – nicht zuletzt durch innovative Gestaltungsformen und neue Bildsprachen. Im Sommersemester 2024 wurden zentrale Stationen dieser Entwicklung anhand bedeutender Beispiele nachvollzogen, theoretische Grundlagen erarbeitet und eigene Projekte entwickelt, die für das Ausstellungsformat entsprechend angepasst wurden.

Auch in den ersten beiden Semestern des Studiengangs werden nicht nur theoretische Grundlagen vermittelt, sondern Studierende realisieren bereits eigene Projekte. Dazu gehört etwa das sogenannte „Tableau Vivant“: die Inszenierung bekannter Gemälde, Skulpturen oder historischer Szenen durch kostümierte Personen, die absolut stillstehen. Dabei kann der Kreativität freien Lauf gelassen werden und es entstehen Jahr für Jahr eindrucksvolle Bildkompositionen.

Neugierig geworden? Dann komm vorbei.

Die Vernissage findet am 09.04.2026 um 18:30 Uhr im H-Gebäude, 3. OG, an der Universität Konstanz statt. Die Ausstellung ist vom 10.04. bis 17.04.2026 im Foyer des A-Gebäudes der Universität Konstanz zu sehen.

 

Es wird sich auf zahlreiche Besucher:innen gefreut und darauf, Einblicke in Studium und Arbeiten geben zu dürfen.

Auf Spurensuche: Ein Stein, der seinen Namen trägt

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Allgemein, Deutsch, Kulturell, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Wieso ein 600 Jahre alter Tscheche für uns relevant ist, und wie wir dafür kämpfen mussten

Das älteste der Hus-Denkmäler in Konstanz ist der Findling, der den Ort der Verbrennung kennzeichnet. Er wurde 1862 aufgestellt, nachdem 30 Jahre darüber diskutiert wurde, und trägt auf seiner verwitterten Oberfläche ein Schild, das die Aufschrift “Jan Hus 6.(14.)Juli 1415” ziert. Er steht (wahrscheinlich) an der Stelle, an der Jan Hus und Hieronymus von Prag verbrannt wurden, hingerichtet durch Feuertod. Die Randdaten und Umstände haben wir im letzten Beitrag schon angeschnitten, ansonsten hier gerne auffrischen.

Auf dem Platz des Findlings in Konstanz kreuzen sich zwei Straßen, eine gepflasterte Wendeplatte, wenn man so will. Vor dem Stein lädt eine Bank zum Niederlassen ein, ein paar Blümchen zieren die Stein-Insel. Heute schaut man auf eine ruhige Wohngegend, früher blickte man auf unbebautes Gebiet. Wenn man still ist, hört man Vögel zwitschern, ab und an läuft ein Hundehalter oder eine Joggerin vorbei. Es ist auf der einen Seite befremdlich, wie ein Ort von so viel Grauen zu so einer Ruheoase werden kann, auf der anderen Seite ist es tröstend. Der Findling ist imposant, er misst 350 Zentner¹ schwärzlichen Kalkstein, seine äußere Gestalt ist recht unscheinbar. Es sind keine Formen eingeritzt, keine bildhauerischen Kunstwerke hinzugefügt, und der wenigen Flechten nach zu urteilen wird sie regelmäßig gereinigt. Trotzdem trägt der Findling große Bedeutung für Hus’ Vermächtnis und ist ein Meilenstein in vielerlei Hinsicht.

Warum die (14.)?

Hus hatte selbst im tschechischen Raum schon einen halben Reformkrieg hinter sich. Das Schisma (also die Differenzen wegen mehr als nur eines Papstes und die drohende Kirchenspaltung) hatte ihn als Sprecher der böhmischen Theologen, und mit dem Aufruf zum Kreuzzug einer der Päpste mit Versprechen zum Ablass für alle Kämpfenden entfachte eine erneute Welle an Kritikern des Ablasskonzeptes. Am 14. Juli 1412 wurden drei Männer, die sich besonders dagegen engagierten, hingerichtet, was zu Empörung und sofortiger ‘Märtyrisierung’ der Hingerichteten führte. Auch wenn sich kein definitiver Hinweis auf den Zweck der eingeklammerten 14 auf dem Hussenstein findet, könnte sie eine stumme Hommage an die drei Märtyrer von 1412 sein, schließlich starben alle fünf Hingerichteten wegen ihrer Kirchenkritik.

Wir haben ihm (endlich) ein Denkmal gebaut

Schon in den 1830ern versuchte man, in Konstanz ein Denkmal für Hus und Hieronymus zu errichten. Der damalige Bürgermeister Karl Hüetlin bekam mit seiner Idee reichlich Gegenwind. Trotzdem taufte er ein Dampfschiff nach dem Reformator, das später jedoch wieder umbenannt wurde.

Konstanz gehörte 1830 zum Großherzogtum Baden, das sich von 1815 bis 1866 u.a. mit den Königreichen Württemberg, Hohenzollern, Bayern und dem Kaiserreich Österreich zum Deutschen Bund zusammenschloss. Die monarchische Ordnung der Länder rief immer wieder liberale Gegenstimmen auf den Plan, zu denen auch Karl Hüetlin gehörte. Die Liberalen sahen in Hus nicht nur einen religiösen Reformator, sondern auch einen Märtyrer für freie Meinungsäußerung (in dem Fall monarchiekritisches Gedankengut). Hüetlins publike Bemühungen, der liberalen Schildfigur ein Denkmal zu setzen, erregten die Aufmerksamkeit des österreichischen Außenministeriums, das zu dem Zeitpunkt über das böhmische Gebiet, das heutige Tschechien und Hus’ Heimat, herrschte. Dringendes Anraten von Österreich, und nach dem Dampfschiff-Eklat später auch Baden, hinderten Hüetlin letztendlich an der Umsetzung. Erst 1861, nach den liberalen Reformen unter Großherzog Friedrich I., wurden die Bemühungen um ein Denkmal für Hus und Hieronymus wieder aufgenommen. Den ehemaligen Ort der Verbrennung der beiden befand man als geeignete Gedenkstätte, die zwei Jahre später mit dem Findling aus Hegne umgesetzt wurde. Finanziert wurde es kurzerhand aus freiwilligen Spenden verschiedener Quellen, beispielsweise Macaire (Indigo-Färberei auf der Dominikanerinsel, heute Inselhotel), Herosé (Textildruckerei auf dem Areal des heutigen gleichnamigen Parks) und Jakob Stadler (ehemaliger Eigentümer des Stadler-Verlages, bis 1866 Bürgermeister von Konstanz²). Nach über vier Jahrhunderten bekamen Hus und Hieronymus endlich ihr Denkmal, und trugen mit der Neukonnotierung auch zum europäischen politischen Fortschritt bei.

Der Stein heute

Tschechische Auslandsvereine freuten sich über die Ehrung ihres Vorfahren so sehr, dass kleinere und größere Besuche und Pilgerfahrten an den Hussenstein organisiert wurden. Bis heute ist die posthume Anerkennung von Hus’ Bemühungen ein großer Teil des tschechischen Nationalstolzes, was gerade in den Jahren des Konzilsjubiläums zu weiteren künstlerischen Gedenkorten führte, auch wenn die Pilgerfreude hierher abgenommen hat. Aber nicht alle sind mit dem Hussenstein glücklich, vereinzelte Stimmen zum Beispiel der alteingesessenen Familie Gebauer zeigen sich enttäuscht über die Unterwältigkeit des Denkmals angesichts Hus’ europäischem Märtyrerstatus.

¹Das behauptet jedenfalls die Stadt Konstanz auf ihrer Website. Südkurier spricht von 35 Tonnen. Laut des deutschen Zollvereins ist jedoch seit 1858 ein Zentner als 50kg festgelegt, was den Stein 17,5 Tonnen schwer machen würde. Andere Quellen sprechen von ‘nur’ wenigen Hundert Kilo Gewicht. Die zeitliche Nähe der Normierung des Zentners und Aufstellung des Steins wirft aber auch eine prä-normierte Verwendung von “Zentner” in den Raum. Eigentlich hat also keiner wirklich eine Ahnung wie schwer das Ding ist.

²Wer jetzt denkt “Moment, den Namen Stadler hab ich doch schonmal gehört…”: Die erste Druckerei des Verlages Stadler war im gleichnamigen Stadlerhaus, das am 25. Juli 2024 Feuer fing und dadurch für Schlagzeilen sorgte. Seitdem werden die teilweise bereits sanierten Räumlichkeiten für Ausstellungen genutzt. Aber auch für die schöne Jugendstilarchitektur lohnt sich ein Besuch!

Unser zweiter Stopp im nächsten Beitrag führt uns gen Osten auf den Stephansplatz, wo wir auf der Südwand des Bürgersaals eine Installation erblicken, die eigentlich seit 2018 wieder abgebaut werden sollte: “Wahrheit”. Es empfiehlt sich, an sonnigen Tagen dorthin zu gehen, vielleicht ja sogar im Juni oder Juli. Durch einen kurzen Einblick in Hus’ Lehren erhalten wir verschiedene Perspektiven auf Wahrheit, die das Kunstwerk in Perspektive rückt.

Auf Spurensuche: Jan Hus und seine Denkmäler

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Allgemein, Deutsch, Kulturell, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Das Konzil ist zweifelsfrei das bedeutendste Ereignis, das Konstanz jemals ausrichten durfte. Bis heute, über 600 Jahre später, prägt es die Stadt und den Tourismus. Die Praxis, die Schattenseiten des Konzils aufzuarbeiten, ist eine eher moderne Entwicklung, deren Feld noch nicht voll ausgeschöpft ist. Eine der Schattenseiten ist die Verurteilung zum Tode des tschechischen Reformators Jan Hus, dem durch verschiedene Kunst- und Denkmäler gedacht wird.

Wer, wie, wo, warum?

Johannes Hus, geboren etwa 1369, war ein tschechischer Geistlicher, der zum Konzil 1414-18 nach Konstanz geladen wurde. König Sigismund sicherte ihm freies Geleit zu, was jedoch gebrochen wurde, als Hus früher als vereinbart ankam. Sigismund selber erreiche Konstanz erst nach Hus, regte jedoch außer seinem Gemüt keinen Finger für Hus’ Freiheit.

Nach einigen Jahren Gefangenschaft in verschiedenen Gebäuden wurde Hus schließlich zum Tod durch Feuer verurteilt und verbrannt. Der Grund? Er sei ein Ketzer. In Wahrheit vertrat Hus jedoch reformatorische Ansichten, die die Lebensweise des Klerus und die Besitzfülle der Kirche kritisierten. Davon war die Kirchenspitze nicht begeistert, konnte aber im böhmischen Raum nichts gegen ihn tun. Ein taktischer Bruch des Geleitversprechens ist deshalb nicht auszuschließen, da auch Hus’ Klerik-Kritik und reformatorische Unruhen durch das Konzil beseitigt werden sollten und ein Geleitbrief die Gefangenname, Verurteilung und Aufforderungen zum Widerruf unter Androhung der Todesstrafe nicht ermöglicht hätte. Seine Verbrennung am 6. Juli 1415, und ein Jahr später am 30. Mai 1416 auch die des Hieronymus von Prag, schlug Empörungswellen, die zu den Hussitenkriegen führten. Sogar Luther berief sich später auf Hus‘ Lehren, und noch heute wird er im tschechischen Raum verehrt wie ein Nationalheiliger. Ironischerweise musste Sigismund, der, um sich die Böhmische Krone seines Bruders Wenzels zu sichern, Hus’ Geleitversprechen nicht durchsetzte und damit indirekt für seinen Tod verantwortlich wurde, nach den Hussitenkriegen eben jene Kirchenreformen, die mit Hus verbrennen sollten, anerkennen.

In den nächsten Wochen reisen wir durch Konstanz und verfolgen Stationen auf dem Leidensweg von Jan Hus. Unser erster Stopp führt uns ins Paradies zwischen dem Alten Graben und Zum Hussenstein, wo wir über die Bedeutungswandlung reden, vom Gelehrten zum Märtyrer und was Europa damit zu tun hat. Gemeinsam fangen wir dort an, wo für ihn alles aufhörte, und doch irgendwie alles begann: Der Hussenstein.

Das Unenthüllbare von Ludwig Köhler

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Allgemein, Deutsch, Kunst & Architektur, Kunst am Bau

Die Enthüllung leitet sich von dem Wort „enthüllen“ ab, dem Akt, von etwas die Verhüllung zu nehmen, um das Verborgene sichtbar zu machen. Dem gegenüber steht das „Unenthüllbare“. Ein Begriff, der an ein Geheimnis erinnert, das sich nicht lüften lässt. Den Betrachtenden bleibt etwas verborgen und es entzieht sich unserem Blick. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf besteht die Skulptur Das Unenthüllbare an der Universität Konstanz.

Von dem 10. September bis zum 6. Oktober 1979 fand in Freiburg im Breisgau das Freiburger Symposium des Kunstvereins Freiburg statt. Unter dem Leitthema „Holz und Kunst“ nahm der Bildhauer Ludwig Köhler, geboren 1955 in Stockach, mit seiner Skulptur Das Unenthüllbare teil. Im Jahr 1982 erwarb die Universität Konstanz die Skulptur für den naturwissenschaftlichen Bereich ihrer Bibliothek. Ausschlaggebend war der sinnbildliche Verweis auf das Streben der Naturwissenschaften nach Erkenntnis, Erklärung und dem Versuch, Geheimnisse zu entschlüsseln. Seitdem steht die 3,80 Meter hohe Skulptur im Eingangsbereich der N-Bibliothek.

Beim Betreten der Bibliothek fällt der Blick unweigerlich auf die große Skulptur mit ihrer starken Präsenz. Ein langes, weißes Tuch umhüllt einen schmalen, sehr hohen Gegenstand, dessen Gestalt sich nicht eindeutig erschließen lässt. Das Tuch ist an vier Enden mit echten Seilen an großen Nägeln befestigt, die in eine Holzplatte am Boden geschlagen sind. Der verborgene Gegenstand bleibt dauerhaft verborgen, das Geheimnis wird nie gelüftet. Lediglich am unteren Ende der Skulptur eröffnet sich ein kleiner Einblick: Dort ist ein geschwärzter Baumstamm zu erkennen, da das Tuch den Boden nicht berührt.

Die Skulptur ist vollständig aus dem Stamm einer Pappel gearbeitet und spielt bewusst mit einer Materialtäuschung. Das scheinbar weiche, weiße Tuch besteht in Wahrheit aus Holz und wirkt dennoch täuschend echt. Erst bei näherer Betrachtung werden die feinen Bearbeitungsspuren sichtbar. Ludwig Köhler bedient sich hier des Kunstgriffs des Trompe-l’œil („Augentäuschung“), bei dem Holz so gestaltet wird, dass es ein anderes Material imitiert. Auf diese Weise verstärkt sich der Eindruck des Ungewissen und Unenthüllbaren, der das Werk bis heute prägt.