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Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Die Wahrheit (und so viele Lügen) Jan Hus und seine Lehren: Wie er die Lügen der Kirche enttarnte oder es zumindest versuchte und wie die Installation “Wahrheit” zum Nachdenken anregt.

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Allgemein, Deutsch, Konstanz entdecken, Kulturell, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Wie im letzten Beitrag schon angeschnitten, geht es heute um Wahrheit. Hus’ Lehre, also die Ansichten die er vertrat und predigte, Schriften zu anfertigte und für seine Wahrheit hielt, orientierte sich viel an John Wyclifs Anschauungen.

Wyclif war ein Engländer, der ebenfalls Kirchenreformer war, allerdings etwa zu Hus’ Geburt starb. Er setzte sich angesichts des sich unchristlich verhaltenden Klerus gegen den Machtanspruch des Papstamtes über nicht-kirchliche Belange ein, forderte Gnädigkeit statt Urteilsbildung und vertrat die Meinung, Mitarbeiter der Kirche sollten ein asketisches Leben führen statt im angehäuften Reichtum zu schlemmen. Ironischerweise verstieß er selbst gegen diese Auffassung. Während er in den 1370ern den offenen Prozess gegen den Papst noch gewann, und damit auch Anhänger seiner Lehren generierte, wurden 1382 seine Schriften ketzerisch verurteilt, was seinem Amt und Ruf schädigte. In den letzten Jahren vor seinem Tod vollendete er eine (nicht nur von ihm geführte) Sammlung Bibelübersetzungen und starb 1384. Hus war da etwa 12 Jahre alt. Wyclifs geistiges Vermächtnis zog eine kleine Schar Anhänger nach sich, die jedoch um die Jahrhundertwende stärker verfolgt und zum Rückzug in den Untergrund gezwungen wurden.

Nach einem Lehramtsstudium kam Hus mit Wyclifs Lehren in Berührung, die ihm zusagten. Das motivierte ihn schließlich zu einem Theologiestudium, und so wurde er nach Anbruch des neuen Jahrhunderts Priester. Auch er verurteilte den verschwenderischen Lebensstil des Klerus und bezeichnete sie als Räuber und Unterdrücker, obwohl sie Beschützer und Schenker sein sollten. Seiner Auffassung nach sei Kirche mehr eine geistliche Gemeinschaft und nicht zwingend mit der Institution gleichzusetzen, da das Verhalten einer Person über ihre Zugehörigkeit entscheide und nicht die Mitgliedschaft an sich. Heute ist es geläufig in ‘Glauben (christliche Ideologie)’ und ‘Kirche (Institution)’ zu unterscheiden, damals lief alles unter einem Hut. Jan Hus lehnte Ablassbriefe ab, verurteilte die Forderung von Geschenken im Gegenzug zu priesterlichen Diensten und kritisierte fingierte Wunder Gottes. Generell vertrat er die Ansicht, Mitglieder der Institution hätten sich zu verhalten wie sie selbst predigten, und wären nach gleichen Mitteln zu verurteilen, sollten sie selbst sündigen. Hus war ein Gegner der kirchlichen Autorität über die heilige Schrift, und indem Proklamationen durch die Autorität der Institution statt der heiligen Schrift getätigt würden, lasse man absichtlich das Volk über die Wahrheit im Dunkeln. So predigte und sang er zum Beispiel seit 1402 die Gottesdienste in Landessprache statt Latein.

Im Großen und Ganzen kritisierte Hus, dass der Klerus sich unchristlich verhielt und damit davonkam, dass das Volk ausgenutzt und nach Strich und Faden für den eigenen Gewinn belogen wurde und nur die gut situierten Bürger:innen im Volk in den Genuss der wenigen kirchlichen Leistungen kommen konnten. Aus heutiger Perspektive nicht mehr so innovativ, war damals die Kritik des mächtigsten Unternehmens des Mittelalters ein gewagtes Unterfangen, das kritischen Stimmen wie Hus und Hieronymus den unfreiwilligen Tod einbrachte, obwohl sie nur die Wahrheit verkündeten.

Die Installation ‘Wahrheit’ am Stephansplatz wirft die Frage um die Wahrheit auf.

Was ist die ‘Wahrheit’?

Wir befinden uns vor dem Bürgersaal. Die Verbindungsstraße zwischen dem Stephansplatz, der als Parkplatz, Wochenmarkt und Veranstaltungsort für Volksfestigkeiten dient, und der Laube, die seit der Umsetzung des C-Konzepts im Innenstadtring als Hauptstraße für PKWs gilt, wird von allen Verkehrsteilnehmern regelmäßig genutzt. Nur Ansätze an der Häuserfassade erinnern an die architektonische Vergangenheit des Bürgersaals. Aufbereitete Stützenreliefs zieren die Wand des ehemaligen Klosters. Neben dem fulminanten Eingang des Bürgersaals ragen acht Stahltableaus aus der Wand, in unregelmäßiger Platzierung wie eine Leiter auf Koffein. In diesem Gebäude wurde Hus eine Zeit lang festgehalten, als er Konstanz besuchte. (Das bunte Relief an der Stirnseite zum Stephansplatz hängt inhaltlich und historisch nicht mit Jan Hus zusammen, ‘Wahrheit’ ist um einige Jahre neuer als das Hecker-Relief). Die Stahlplatten haben die Buchstaben des Wortes ausgefräst und sind quer zur Wand befestigt, die unterste Kante ziert die Inschrift “JAN HUS 06/07 1415/2015”, die Unterseite trägt die Namen der Künstler. Wenn man schonmal da unten ist, lohnt sich auch gleich der Blick nach oben. Dabei fällt auf, dass die Buchstaben nicht gerade ausgeschnitten wurden, sondern leicht schräg. Der Winkel hat einen ganz bestimmten Grund, der sich erst offenbart, wenn die Sonne scheint: Die Westwand wird von der Nachmittags- und Abendsonne gestreichelt und wirft Schatten und Licht auf die Fassade. In leuchtenden Lettern strahlt “Wahrheit” einem entgegen. Aber nicht gerade, nein, sondern schräg. Die Wahrheit ist verzerrt, verquer, störend. Sie ist lesbar, aber mit einem Fragezeichen, mit Unsicherheit. Bedeutungsschwanger und fast schon drohend weist sie darauf hin, wie jemand die Macht hat, die Wahrheit zu lenken, wie sie nicht objektiv, ja, nicht einmal wahr sein muss. Hus’ Lehre drehte sich um Wahrheit, Freiheit und Machtmissbrauch, er wollte sichtbar machen, wie diejenigen, die angeblich Wahrheit wiedergeben, sie überschreiben, sie verbiegen. Von oben herab diktieren. Von oben kommt auch das Licht, ohne das man die Wahrheit nicht so leicht erkennen kann.

Einen Zeitraum im Jahr jedoch, kurz vor und nach der Sommersonnenwende, ist die Wahrheit gerade. Vom 6. Juni bis zum 6. Juli, dem Zeitraum, in dem Hus Gefangener des Klosters war, entfaltet das Kunstwerk seine gesamte Schönheit, bis an Hus’ Todestag die Abschrägung erneut ihren Zyklus beginnt. Bis zum Ende hätte er seine Lehren widerrufen können, bis er tatsächlich angezündet wurde. Er weigerte sich jedoch vehement, was ihn zum Märtyrer der Wahrheit machte.

In Prag gibt es eine Zwillingsinstallation zu der Wahrheit am Stephansplatz, mit dem korrespondierenden Worten “Za Pravdu” – Für die Wahrheit. Dort wird auf sehr direkte Weise die Bedeutung des Kunstwerks unterstrichen.

Zu guter Letzt ist die Wahrheit nur bei wolkenfreiem Wetter zu erkennen, wenn die Sonne hilft. Obwohl, man kann sich auch direkt an die Hauswand stellen und von unten darauf schauen, denn eigentlich ist die “Wahrheit” immer da. Nur manchmal etwas schwer zu erkennen.

Blick auf die Südwand des Bürgersaals. Die verschobene Anordnung der Stahltableaus lässt mit ein wenig Fantasie die Buchstaben aufleuchten, stark verzerrt durch die Position der Sonne.

So sieht die ‘Wahrheit an einem sonnigen Tag Mitte April aus.     (@photo by KWS)

Im letzten Beitrag haben wir uns das älteste Hus-Denkmal angsschaut, was einige Zeit und einen vehementen Bürgermeister gebraucht hat um erlaubt zu werden.

➔ Hier geht es zum letzten Beitrag

Im nächsten Beitrag laufen wir von hier los Richtung Laube und schauen uns das neuste Denkmal unserer Reihe an. Eine Interpretation rund um den “Kelch”, den Ablauf der Verbrennung, Verurteilung und was die Stadt Konstanz dazu zu sagen hat.

Konstanzer Rathaus

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Historische Gebäude, Kunst & Architektur

Mitten in der Konstanzer Altstadt erhebt sich ein Gebäude, das täglich von unzähligen Menschen passiert wird. Umgeben von den historischen Häusern der Innenstadt und geschmückt mit einer imposanten Wandmalerei zieht es immer wieder die Blicke von Passant*innen auf sich. Doch was verbirgt sich hinter diesem eindrucksvollen architektonischen Bau?

Historie vom Rathaus

Das Konstanzer Rathaus blickt auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der Stadt verknüpft ist. Ursprünglich diente das Gebäude im Jahre 1478, unter dem Namen „Alte Salzscheibe“, als Zunfthaus bis es nach Auflösung der Zünfte 1559 zunächst als Bildungsstätte für Latein verwendet wurde. Im Jahr 1592 erwarb die Stadt das Anwesen und erweiterte es schrittweise zum heutigen Rathauskomplex. In den folgenden 250 Jahren befand sich hier die Stadtkanzlei und damit das administrative Zentrum von Konstanz.

Stilelemente der Renaissance

Besonders bemerkenswert ist das Rückgebäude im Innenhof, das im Stil der venezianischen Renaissance gestaltet wurde. Prägend für diese Architektur sind die Prinzipien der Harmonie und Symmetrie, die auf den Idealen der Antike basieren. Auffällig sind vor allem die beiden Ecktürme, welche das Gebäude flankieren und den zentral angeordneten Mittelgiebel betonen. Dieser ist reich mit renaissance-typischen Voluten und Ornamenten geschmückt. Die Gestaltungselemente der Renaissance lassen sich auch an den Zwillingsfenstern erkennen, deren Gewände von Kleinsteinbögen auf toskanischen Halbsäulen getragen werden. Zusammen mit den Butzenscheibenfenstern entsteht ein harmonisches Zusammenspiel unterschiedlicher geometrischer Formen. Im Erdgeschoss dient der mittlere der drei Rundbögen als Portal in den zweiten Innenhof, an dessen rechter Seite sich das sogenannte „Haus zum Thurgau“ befindet.

Fotografische Aufnahme des Hintergebäudes im Innenhof

Fotografisch Aufnahme der Vorderfassade des Rückgebäudes im Innenhof, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Ähnliche Stilelemente finden sich auch am Vordergebäude. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Straßenfassade in späterer Zeit bewusst an die bereits bestehende Renaissancearchitektur des Rückgebäudes angepasst wurde. So begegnen uns auch hier reich verzierte Giebel mit Voluten, Zwillings- und Drillingsfenster mit toskanischen Halbsäulen sowie Rundbogenarkaden im Erdgeschoss.

Besonders hervorzuheben sind jedoch die historischen Fresken über den Arkaden der Vorderfassade. Sie wurden 1864 von Ferdinand Wagner geschaffen und stellen bedeutende Ereignisse sowie Persönlichkeiten der Konstanzer Stadtgeschichte dar. Die dargestellten Szenen reichen vom Friedensschluss Kaiser Friedrich Barbarossas mit den lombardischen Städten im Jahr 1183 bis zum Kampf der Spanier auf der Rheinbrücke im Jahr 1548. Somit bekommt die Fassade ein unverwechselbares Erscheinungsbild, welches die Geschichte der Stadt unmittelbar sichtbar macht.

Aufnahme von der Vorderseite des Konstanzer Rathauses auf der Kanzleistraße in der Altstadt. Perspektivisch von rechts aufgenommen.

Fotografische Aufnahme von der Vorderfassade des Konstanzer Rathauses, ©Luca Griffiths

Trotz der deutlichen Einflüsse der italienischen Renaissancearchitektur zeigen sich sowohl am Vorder- als auch am Rückgebäude Besonderheiten, die aus der Verschmelzung mittelalterlicher Bausubstanz mit den später adaptierten Stilprinzipien der Renaissance hervorgegangen sind. Zwar ist das nach Symmetrie strebende Prinzip durch die zentral angeordneten Giebel besonders betont, doch setzt sich diese Strenge in den unteren Geschossen nicht konsequent fort. Dadurch verschieben sich die Mittelachsen der Fassaden leicht und verleihen dem Bauwerk eine gewisse Asymmetrie, die von den strengen Idealen der Renaissance abweicht.

Nichtsdestotrotz bleibt das Konstanzer Rathaus eines der eindrucksvollsten Gebäude der Altstadt. Gerade in den Sommermonaten, wenn der Rathaushof regelmäßig für Opernkonzerte genutzt wird, entfaltet der historische Komplex seinen besonderen Charme. Doch auch abseits solcher Veranstaltungen lohnt sich ein Besuch, da der Innenhof jederzeit frei zugänglich ist und zum Verweilen einlädt:  etwa, um an einem Sommertag gemütlich ein Eis zu genießen.

Café Bloggers und die Sankt Stephanskirche: Zwei besondere Orte in Konstanz

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Allgemein, Deutsch, Konstanz entdecken, Kulinarisch

Mitten im Altstadtflair des Stephansplatzes gelegen, bietet das Café Bloggers einen besonderen Ausblick auf die Sankt Stephanskirche – eine der ältesten Kirchen in Konstanz. Die frühchristliche Sankt Stephanskirche, welche im 12. Jahrhundert zu einer romanischen Säulenbasilika und im 15. Jahrhundert dann zu einer Stiftkirche umgebaut wurde, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Im Jahr 1428 wurde die Kirche durch einen wuchtigen Turm ergänzt. Noch heute kann man die verschiedenen Kunstepochen, die in der Architektur der Kirche koexistieren, bei einem Besuch bewundern. Zum Beispiel kann die helle Stuckdecke im Chor der Kirche dem Barock zugeschrieben werden, genau wie die Obergadenfenster oder das von Franz Ludwig Hermann geschaffene Deckengemälde „Anbetung des Lammes“. Hans Morinck, ein niederländischer Bildhauer und Vertreter der Renaissance und des Barocks, hat den Chor der Kirche gestaltet. Weitere bemerkenswerte Details lassen sich bei den Akardenbögen und auf den Achtecksäulen finden.

Nach diesem kleinen Exkurs in die Geschichte der Sankt Stephanskirche geht es zurück zum Café Bloggers, das direkt am Stephansplatz liegt. Wer gerne ausgiebig frühstückt und dabei vielleicht auch das ein oder andere ästhetische Foto machen möchte, ist hier genau richtig. Innen ist das Café im Boho-Stil mit zahlreichen Pflanzen und dekorativen Leuchtschriftzügen gestaltet. Im Sommer lädt ein blühender Innenhof zum Verweilen ein, in dem man geschützt von einer dichten Hecke sitzt. Auf der Speisekarte findet sich eine große Auswahl an süßen und herzhaften Frühstücksgerichten, von denen viele auf Wunsch auch vegan oder vegetarisch erhältlich sind. Meine persönliche Lieblingskombination sind die vegetarischen Breakfast Tacos und ein Iced Coffee. Gerade an warmen Sommertagen darf Letzterer für mich nicht fehlen. Wenn ihr eher Lust auf etwas Süßes habt oder keine großen Taco-Fans seid, kann ich euch das French Toast wärmstens empfehlen.

Zugegeben, das Café gehört nicht zu den günstigsten in Konstanz. Dafür sind die Portionen allerdings so großzügig, dass sie problemlos als Frühstück und Mittagessen reichen oder sogar für zwei Personen ausreichen. Und optisch? Meiner Meinung nach gibt es kaum ein schöneres Café in Konstanz.

Kennst du das Café Bloggers bereits? Dann verrate uns doch in den Kommentaren, was du dort am liebsten bestellst und welche Speisen oder Getränke wir unbedingt einmal testen sollten. 

Hinweis: Der obenstehende Text wurde der Broschüre ‚Kunst und Food für Erstis‘ aus dem Wintersemester 22/23 entnommen.

 

Sommer, Sonne, Bodensee: Vier Events, die man nicht verpassen sollte

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Allgemein, Deutsch, Konstanz entdecken, Kulinarisch, Kulturell

1. Der 24h grenzüberschreitende Flohmarkt in Konstanz und Kreuzlingen

Vom 13. bis zum 14. Juni findet erneut der grenzüberschreitende 24-Stunden-Flohmarkt in Konstanz und Kreuzlingen statt. Die Besonderheit: Der Flohmarkt erstreckt sich über zwei Länder und zählt mit einer Länge von über mehreren Kilometern sowie mehr als 1.000 Ständen zu den größten Veranstaltungen dieser Art in der Region.

Entlang der Strecke von der Hafenstrasse über Klein Venedig bis nach Kreuzlingen erwartet die Besucher:innen eine vielfältige Mischung aus Kunst, Kleidung, Live-Musik und kulinarischen Angeboten.

Der Flohmarkt beginnt am 13. Juni um 14 Uhr in Kreuzlingen und eine Stunde später in Konstanz. Anschliessend kann 24 Stunden lang, nach Herzenslust gestöbert und entdeckt werden.

Weitere Informationen unter:

https://www.konstanz-info.com/planen-buchen/top-events/flohmarkt

Ein rot-orangener Sonnenuntergang am Rhein beim Schänzle Konstanz. Der Sonnenuntergang spiegelt sich auf dem stillen Wasser im Rhein.

2. Münsterplatz Konstanz Open Air Theater

Hier trifft Theater auf Abendluft. Wenn die Sonne langsam untergeht und sich der Münsterplatz mit erwartungsvollen Zuschauer:innen füllt, ist alles bereit für einen besonderen Kulturabend unter freiem Himmel. Die eindrucksvolle Kulisse des Münsterplatzes in Konstanz wird auch in diesem Jahr wieder zur Freilichtbühne.

Am 13. Juni findet die Premiere des Open Air Theaterstücks „Leonce und Lena“ auf dem Münsterplatz in Konstanz statt. Die Inszenierung versteht sich als Space Opera nach dem gleichnamigen Lustspiel von Georg Büchner, bearbeitet von Ekat Cordes (Text und Songtexte) und Anton Berman (Musik). Mit „Leonce und Lena“ nahm Georg Büchner die Kleinstaaterei seiner Zeit auf die Schippe. Regisseur und Autor Ekat Cordes greift diesen Gedanken auf und verlegt die Komödie mit viel Fantasie und Humor kurzerhand ins Universum.

Freut euch auf einen Sommerabend voller Theater, Musik und überraschender Momente.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Open Air Theater Konstanz

3. Open Air Cinema Kreuzlingen im Seeburgpark

Filme schauen unter freiem Himmel und das direkt am See: Das Open-Air-Kino im Seeburgpark in Kreuzlingen. In den Monaten Juli und August verwandelt sich der Park am Hafen in eine einzigartige Kinokulisse mit Blick auf den Bodensee.

Das abwechslungsreiche Programm bietet für jeden Geschmack etwas, von grossen Blockbustern über Familienfilme bis hin zu ausgewählten Arthouse-Produktionen. Gezeigt werden in der Regel die synchronisierten deutschen Fassungen. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 21.30 Uhr und sorgen für unvergessliche Kinoabende in besonderer, sommerlicher Atmosphäre.

Geniesst die Abendstimmung am See und freut euch auf Filmgenuss unter dem freien Sternenhimmel.

Weitere Informationen zum Programm werden hier noch folgen:

Open Air Cinema Kreuzlingen

Das Open Air Kino findet in Kreuzlingen im Seeburgpark direkt am See statt. Das Foto wurde von den Sitzen aus gemacht und der Blick auf den See sowie der Sonnenuntergang sind hier abgebildet. Mehrere Bäume bilden wie eine Art Bogen und eröffnen ein Fenster auf den See und den Sonnenuntergang. Am oberen Rand ragt noch eine Lichterkette durch das Foto.

4. Konstanzer und Kreuzlinger Seenachtsfest

Das Seenachtsfest am Bodensee startet 2026 mit einem neuen Konzept und verspricht ein ganz besonderes Erlebnis. Erstmals verschmelzen Drohnen, Lichtkunst und Feuerwerk zu einer spektakulären Inszenierung über dem nächtlichen See.

Am 08. August erwartet die Besucher:innen auf der Konstanzer Seite ein musiksynchrones Feuerwerk sowie eine beeindruckende Pre-Show aus Drohnen, Licht und Musik. Für Festivalstimmung sorgt unter anderem der international erfolgreiche DJ Felix Jaehn, der auf Klein Venedig auflegt.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Konstanzer Seenachtsfest

Zeitgleich findet auf der Schweizer Seite das Fantastical Seenachtfest in Kreuzlingen statt. Vom 7. bis zum 9. August erwartet die Besucher:innen ein abwechslungsreiches Programm mit Live-Musik, Kinderland, Lunapark, Showeinlagen, Streetfood und dem grössten Feuerwerk am Bodensee. Die Mischung aus Unterhaltung, Kulinarik und Feuerwerk macht das Festival zu einem besonderen Sommererlebnis am Bodensee.

Weitere Informationen und Tickets unter:

Kreuzlinger Seenachtsfest

 

@photos by kws

Lichthalle MAAG Zürich

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Allgemein, Kunst & Architektur

Seit Herbst 2021 hat die ehemalige Eventhalle der MAAG Zürich, eine große Veränderung erlebt. Wo einst eine Montagehalle stand, befindet sich heute ein Ort, an dem Kunst ganz neu erlebt werden kann. Mit viel Aufwand wurde die Halle umgestaltet, um ein Kultur- und Veranstaltungszentrum entstehen zu lassen, dass Kreativität und Innovation verbindet.

 

Atelier des Lumières

Als Vorbild diente das berühmte Atelier des Lumières in Paris, ein Pionier der immersiven Kunst. Der Begriff leitet sich von «Immersion» ab und beschreibt das «Eintauchen» in eine digitale Kunstwelt.

Dieses Konzept fand auch in der Lichthalle MAAG Zürich seinen Platz. In der Lichthalle MAAG entstanden in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Künstlerkollektiv Projektil immersive Ausstellungen wie «Viva Frida Kahlo», «Monet’s Garden» und «Klimts Kuss», die mittlerweile in vielen internationalen Städten gezeigt werden.

 

Eine neue Dimension der Kunsterfahrung

Die Lichthalle MAAG versteht sich dabei nicht nur als Ausstellungsraum, sondern als ein Raum für immersive Kunst und besondere Veranstaltungen.

Während klassische Museumsbesuche oft von Menschenmengen und kurzen Blickmomenten geprägt sind, eröffnet die Lichthalle MAAG einen ganz anderen Raum für Kunst. Hier wird eine Kunsterfahrung mit digitaler Tiefe ermöglicht. Werke wirken, Räume verändern sich und Emotionen entstehen.

Animationen und Soundeffekte offenbaren neue Dimensionen im Werk der Künstler:innen.

 

Vergangene Ausstellungen

  •  Viva Frida Kahlo (22.09.2021 – 03.04.2022)
  •  Monet‘s Garden (13.04.2022 – 23.11.2022)

Die immersive Ausstellung widmete sich dem französischen Künstler Claude Monet, der als Mitbegründer des Impressionismus gilt. Er prägte die Kunstgeschichte mit seinen faszinierenden Lichtstimmungen, atmosphärischen Landschaften und der Freimalerei. Im Zentrum der Ausstellung stand Monets Garten in Giverny, welcher als Kulisse und Inspiration für einige seiner berühmten Gemälde diente.

 

  •  Klimts Kuss (01.12.2022 – 07.05.2023)
  •  Imagine Picasso (15.11.2023 – 07.04.2024)
  •  Leonardo da Vinci (25.04.2024 – 20.10.2024)

Die immersive Ausstellung widmete sich dem italienischen Künstler Leonardo da Vinci, einem der bedeutendsten Universalgelehrten der Renaissance. Mit berühmten Werken wie der Mona Lisa und Das Abendmahl konnten Besucher:innen, auf eindrucksvolle Weise seine Kunst völlig neu erleben.

 

  •  Tutanchamun (30.11.2024 – 13.07.2025)
  •  Die Legende der Titanic (04.09.25 – 01.03.26)

 

Becoming Marilyn Monroe – eine Hommage an Marilyn Monroe

27.03.2026 – 28.06.2026

Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe entstand mit BECOMING MARILYN MONROE, die weltweit erste immersive Ausstellung, die der Legende gewidmet ist. Im Mittelpunkt steht dabei Norma Jeane, die Frau hinter dem Mythos und ihr Weg zu Marilyn Monroe. Die Ausstellung handelt von Ruhm und Freiheit, von Stärke und Selbstbestimmung. Das Porträt einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.

Eine interaktive Sprachführung in Deutsch, Französisch und Englisch begleitet Besucher:innen durch die Ausstellung.

 

Weitere Informationen & Tickets unter:

https://www.lichthallemaag.ch/lhm/de.html

https://www.maag-moments.ch/maag/de/ausstellungen.html

@photos by kws

Kurze Künstlerinnenvorstellung: Helen Meier

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Allgemein, Konstanz entdecken, literarisch

„Und ausserdem ist das Schreiben, was es wiedrum mit der Liebe gemeinsam hat, das Beste, das in dieser Zeit geschehen kann.“

Dieses von Helen Meier stammende Zitat greift ziemlich genau zwei Kernthemen ihrer Texte auf: das Schreiben und die Liebe. 1929 in Mels, im St. Galler Oberland, geboren, war sie zunächst Primar-, also Grundschuldlehrerin, und studiert später Sprachen und Pädagogik in Freiburg. Außerdem engagierte sie sich beim Schweizerischen Roten Kreuz in Sachen Flüchtlingshilfe und erweiterte ihre Ausbildung zur Lehrerin auf das einer Sonderschullehrerin, womit sie eine Lehrstelle in Heiden wahrnehmen konnte. Diese Tätigkeit scheint für sie eine prägende gewese zu sein; 1984 reicht sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen Text über einen ihrer Schüler*innen mit einer Lernbehinderung ein („Lichtempflindlich“) und bekommt im Zuge dessen einen Platz beim Ernst-Willner-Stipendium. Nichtsdestotrotz tritt sie 1987 vom Schuldienat zurück, was sie als Schriftstellerin zurücklässt.

Porträt von Helen Meier (Foto: Peter Lober), entnommen aus „Bodensee-Lesebuch. 18 Autoren stellen sich vor“ herausgegeben von G. Braun

Kernthemen in Meiers Prosa umfassen sowohl Schicksalsschläge, unvorhergesehene Zukünfte und Lebensrealitäten, unerfüllte Liebe als auch ihre Wahrnehmung und Perspektiven auf das Altern.

Ihr zweites Buch „Das einzige Objekt in Farbe“ ist eine Sammlung aus 13 Geschichten und beschäftigt sich mit Bindungen und Verhältnissen zwischen Frau und Mann, und wirft die Frage auf, wie Liebe funktioniert und was sie mit uns macht. Dabei bindet sie Bezüge zur Kindheit und deren Auswirkungen auf das Jetzt mit ein.

Beispielsweise in der dritten Erzählung des Buches, „Zweiglein“, eine Geschichte über einen Mann, der eine Frau kennenlernt, welche ihn zu bemuttern müssen scheint, schreibt sie über dessen Hauptfigur:

„Felix Zweiglein sehnte sich oft nach seiner Kindheit zurück, der einzigen Zeit seines Lebens, in der er, wie es ihm schien, gelebt hatte, unbedenklich, kühn, die Tage randvoll mit Erlebnissen, Hoffnungen, Ahnungen, die Nächte ein endloser Samtpfad der Wiedergeburten.“

Im Kapitel „Disteln“ wird über die Protagonistin Sabine ähnliches geäußert:

„Um das Geräusch hören zu können, öffnete sie wiederum das Fenster. Es setzte ein, das beruhigende und zugleich aufhetzende Zischen, die Rhythmik uralter Ernte, des Anfangs und des Endes. Wiederum vermochte es in Sabine Erinnerungen heraufzuholen, schillernde Blasen früheren Lebens, bläulichgrünlich schwebend aus den Glasgärten ihrer Kindheit, die nicht hinter ihr, sondern vor ihr lagen, als Ziel, wie nach einem langen Lauf.“

In einem anderen Sammelband, „Liebe Stimme“, erzählt Meier teilweise abstruse Liebesgeschichten, ob es um Zwangsstörungen, Altersunterschiede oder Fantasievorstellungen geht.

In der Kurzgeschichte „Involtini“ wird eine romantische Beziehung zu der 19 Jahre jüngeren Stella umschrieben, welche von der gemeinsamen Leidenschaft des Kochens geprägt ist. Dabei wird thematisiert, inwiefern Menschen unterschiedlich lieben und auf welchen Ebenen ein Wir zustande kommen muss, dafür, dass das Gemeinsame funktionieren kann.

„Wir streiten viel, schreien, schmettern Türen. Wir heulen bei jeder Versöhnung, lächeln, falls es uns gelingt, Licht in unser dunkles Inneres zu werfen.“

Ihr Vorliebe des Schreibens lässt die Autorin beispielsweise in „Strahler“ aus demselbigen Buch durchscheinen, worin sie aus der Perspektive einer Schriftstellerin schreibt.
Helen Meier gewährt in ihren Werken Einblick in unterschiedliche Figuren und Lebensweisen, manche von ihnen fast gruselig bizarr und befremdlich, andere beneidens- und bewundernswert. Egal, nach welchen es Lesende strebt, ihre Texte können begeistern. Ihr Archiv ist im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern zu finden, viele ihrer Bücher beispielsweise in der Universitätsbibliothek Konstanz!

Kurze Künstlervorstellung: Hermann Hesse

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Allgemein, literarisch

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie Der Steppenwolf, Siddhartha und Demian weltweiten Ruhm. Was viele jedoch nicht wissen: einen prägenden Teil seines Lebens verbrachte er in Gaienhofen, unweit von Konstanz.

Eine fotographische Ansichtskarte vom „Hesse Haus“ um 1910 aus der Kollektion von Markus Wolter.

1904 zog es den frisch verlobten Hesse gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Fotografin Maria Bernoulli, in das kleine Dorf am Bodensee. Beide waren stark vom Gedanken der Lebensreform beeinflusst, d. h. eine Rückbesinnung auf Natur und Simplizität als Gegenentwurf zur fortschreitenden Industrialisierung und dem wachsenden Materialismus in den Großstädten. In diesem Sinne entschieden die zwei sich bewusst für ein abgeschiedenes Leben im 3000-Einwohner- und -Einwohnerinnendorf und verfügten daheim weder über fließendes Wasser oder Elektrizität noch über einen Lebensmittelladen.

So schreibt Hesse selbst in einen Brief an Stefan Zweig:

Gaienhofen ist ein ganz kleines schönes Dörflein, hat keine Eisenbahn, keine Kaufläden, keine Industrie, nicht einmal einen eigenen Pfarrer, […]. Es hat auch keine Wasserleitung, so dass ich alles Wasser am Brunnen hole, keine Handwerker, so dass ich die nötigen Reparaturen im Haus selber machen muss, und keinen Metzger, also hole ich Fleisch, Wurst etc. jeweils im Boot über den See aus dem nächsten thurgauischen Städtchen. Dafür gibt es Stille, Luft und Wasser gut, schönes Vieh, famoses Obst, brave Leute. […]

Die Jahre in Gaienhofen erwiesen sich als besonders produktiv in seinem literarischen Schaffen. So entstanden mehrere Erzählungen sowie die Romane Unterm Rad und Gertrud. Weiterhin stammen auch eine Vielzahl an Gedichten aus dieser Zeit, in denen sich die Landschaft um den Bodensee selbst einschreibt, wie dieses:

Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.

Sie atmen tief, und sie halten
Einer den anderen an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst
In verzehrender Leidenschaft.

Das ruhige, gutbürgerliche Leben mit Familie und Haus war jedoch nicht nur von reiner Idylle geprägt, sondern stand stets im Widerstreit mit persönlichen Umständen und Hesses intrinsischem Verlangen nach einem Leben als Vagabund. Aufgrund dessen zog das Paar im Jahr 1912 weiter nach Bern.

Hermann Hesse reflektiert diese Zeit später wie folgt:

Nun waren wir also richtig für Lebenszeiten eingerichtet und angesiedelt, friedlich stand vor unsrer Haustür der einzige große Baum unseres Grundstücks, […]. Aber die Ewigkeit, für die wir gebaut hatten, dauerte nicht lange. Ich hatte Gaienhofen erschöpft, es war dort kein Leben mehr für mich, ich reiste nun häufig für kurze Zeiten weg, die Welt war so weit da draußen, und fuhr schließlich sogar nach Indien, im Sommer 1911. Die heutigen Psychologen, der Schnoddrigkeit beflissen, nennen so etwas eine ,Flucht‘, und natürlich war es unter anderem auch dies. Es war aber auch ein Versuch, Distanz und Überblick zu gewinnen. […]. Aber das alles genügte nicht. […] allmählich gewöhnten wir uns daran, unser Haus als verkäuflich und unser Gaienhofener Leben als eine Episode zu betrachten.

Bei Interesse kann diese Lebensphase zu ausgewählten Terminen im Mia und Hermann Hesse Haus in Gaienhofen hautnah erlebt werden!

 

Lyrik am Bodensee

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Konstanz entdecken, literarisch

Wozu Lyrik? 16.000 Wörter bringt ein Alltagsmensch durchschnittlich am Tag über die Lippen – mal dies, mal das. Zeitweise verweilt man beim Gesagten und gelegentlich verpufft es in einem luftleeren Raum. Eine Fülle an Eindrücken, die einen durch das Leben navigieren, weshalb also die Ergänzung von wenigen verdichteten Zeichen von irgendeiner Person, die einem fremder nicht sein kann? Vielleicht gerade um mit dieser Fremdheit in Dialog zu treten, damit man sich im Bachmann’schen Sinne, neue Formeln für eine andere Wirklichkeit erschließen kann.

Nun zur Lyrik!

Emmy Ball-Hennings Ein Traum

Die Pionierin der Dadaismus Bewegung und Mitbegründerin des Cabaret Voltaire, Emmy Ball-Hennings, zeigt uns wie die Impressionen des Bodensees sich bis in unsere Träume hineinschleichen: Da gleicht die Zweisamkeit in der Tiefe des Sees einer Nicht-Existenz ohne jegliche Art von konkreter Begierde und verwandelt den See in einen Ort der Selbstreflexion. Eine expressionistische Liebesszenerie wird eröffnet, die mündet in einer melancholischen Bitte an das Dasein ihrer Selbst.

Wir liegen in einem tiefen See

Und wissen nichts von Leid und Weh.

Wir halten uns umfangen

Und Wasserrosen rings um uns her.

Wir streben und wünschen und wollen nichts mehr

Wir haben kein Verlangen.

Geliebter, etwas fehlt mir doch,

Einen Wunsch, den hab ich noch:

Die Sehnsucht nach der Sehnsucht.

Jürg Weibel ohne Titel

Anscheinend ist der Bodensee bestückt mit einem zwielichtigen Charakter. Einerseits verweisen menschliche Eingriffe und naturelle Erzeugnisse auf bedrohliche Zugangsbedingungen zum Plantschen. Andererseits verlockt eine Einladung seitens des Sees zur Überwindung dieser äußerlichen Erscheinungen. Dieses Verhältnis zwischen Misstrauen und Hingabe; Schein und Realität; Bodensee und Menschen verdeutlicht uns Jürg Weibel in reduzierter und pointierter Sprache.

Villenbestückt

hundebewehrt

stolperdrahtgesichert

algenerstickt

ölig und glatt

lächelnd

ladet er

zum Bade

William Becher Regen am Bodensee

Ausgehend von den stillen Beobachterinnen – den Bergen – beschreibt der in Lindau verstorbene Schriftsteller William Becher, wie sich der Schauplatz des Bodensees bei anbahnendem Regenfall verhält. Poetische Formulierungen der Erhabenheit der Natur erinnern an klassische Beschreibungen der Romantik in Bezug auf das Ich im Angesicht seiner Umwelt. In diesem Sinne schreibt sich der strömende Bilderfluss gleichzeitig auch in dessen Handlung ein und spiegelt diese formal wieder.

Urnebel brauen in den Bergkulissen.

Schwer reckt die Alp den feuchten Rücken aus.

Der Himmel dräut in grauen Finsternissen,

Verlassen steht am Ufer Haus an Haus.

 

Das Rauschen aus dem See steigt aus dem Grunde,

Wie großer Atem aus der Brust der Welt.

Ich fühle still die Schönheit dieser Stunde,

Wenn auch der Regen klatschend niederfällt.

 

16.000 Wörter haben sich beim lauten Vorlesen der Gedichte um 119 ergänzt und hoffentlich verweilen einige noch ein wenig länger im Bewusstsein der Leser*innen.

Der Narr Hans Kuony von Stockach — seine Geschichte, seine Bräuche und sein Denkmal

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Allgemein, Kulturell, Kunst im öffentlichen Raum

Hans Kuony ist eine der bekanntesten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Es gibt zwar keine eindeutigen Belege für seine historische Existenz, aber seine Geschichte lebt in Stockach, im berühmten Narrengericht und im Hans Kuony-Brunnen weiter. Die Geschichte von Hans Kuony beginnt mit der Schlacht am Morgarten. Kuony soll als Hofnarr für den Habsburger Herzog Leopold I. gearbeitet haben. Bevor die Armee in die Schweiz loszog, gab Kuony dem Herzog einen Rat: „Da hand ir all geratten wa ir in dasz land koment, aber keiner hat geratten wa ir her wider usz koment.“ (Da habt ihr alle überlegt, wie ihr in das Land kommt, aber keiner hat überlegt, wie ihr wieder raus kommt.) Der Herzog ignorierte diese Warnung. Die Folge war eine vernichtende Niederlage. Erst im Nachhinein wurde realisiert, wie schlau der Narr war. Die Geschichte machte Kuony zu einem ganz besonderen Hofnarren. Denn er durfte die Wahrheiten aussprechen, die anderen verwehrt blieben. Als Dankeschön soll Kuony einen Wunsch erfüllt haben. Er wollte, dass seine Heimatstadt Stockach einmal im Jahr Gericht halten dürfe. Dieses Privileg wurde, so heißt es, 1351 von Albrecht II. von Österreich genehmigt. So kam es zur Gründung des „Hohen Narrengerichts zu Stocken“, das bis heute besteht. 

Aber was macht Kuony eigentlich heute? 

Auch heute ist Hans Kuony die zentrale Symbolfigur der Stockacher Fastnacht. Beim Narrengericht ist er selbst als Figur dabei — als Narr, der das Geschehen begleitet und sozusagen der geistige Ursprung der Veranstaltung ist. Jedes Jahr am „Schmotzigen Dunschtig“ wird eine prominente Persönlichkeit, oft aus der Politik, vor das Narrengericht geladen. Dabei geht es nicht darum, zu bestrafen, sondern um satirische Kritik. Damit ist Kuony viel mehr als nur ein vermeintlicher Mythos — er ist ein lebendiges Symbol für politische Satire und bürgerliche Selbstbestimmung. 

Und wenn mal keine Fasnacht ist, macht der Hans-Kuony Brunnen als Denkmal auf diese Tradition aufmerksam. Die Brunnenfigur zeigt Kuony als warnenden Narren mit erhobenem Finger. Die Figur wurde von dem Bildhauer Werner Gürtner, geschaffen. Seit die Innenstadt umgestaltet wurde, steht der Brunnen in der Hauptstraße vor dem Bürgerhaus. Der Brunnen, das Narrengericht und die Figur des Hans Kuony sind alle miteinander verbunden. Sie machen die Geschichte in Stockach sichtbar und erlebbar. Obwohl manche Historiker bezweifeln, dass es Kuony wirklich gab, ist seine Wirkung unbestreitbar. Er steht für eine jahrhundertealte Tradition, in der Humor, Kritik und Gemeinschaft zusammenkommen. Somit trägt der Narr bis heute zur kulturellen Identität von Stockach bei. 

Kurze Künstlervorstellung: Beat Brechbühl

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Deutsch, literarisch

Beat Brechbühl wurde 1939 in Oppligen (circa zwei Stunden von Konstanz entfernt!) geboren und ging dort zur Schule. Später begann er eine Lehre als Schriftsetzer und schrieb selbst „Von da an wurde ich ein Büchermensch.“

Mit 17 Jahren wagte er sich ans Gedichte-Schreiben. Gern betont er, dass er darauf als Redakteur und Verleger bei der früher noch „wirklich alternativen“ Bodenseezeitschrift clou arbeitete. Während seiner Beschäftigung dort fing er an, seine Gedichte auch zu veröffentlichen, unter anderem seinen ersten Gedichtband „Spiele um Pan“. Bei Gedichtbänden allein blieb es jedoch nicht!

Brechbühl schreibt und publiziert eine Bandbreite an literarischen Werken wie Kinderbücher, Romane und Miniaturprosa. Und auch allein bei dem Schreiben blieb es nicht!

Er war außerdem als Grafiker, Radiomacher, Züricher Diogenes-Herstellungsleiter und Leiter des Schweizer Verlags Zytglogge tätig. Nicht zu vergessen, die Selbstbezeichnung „Bildermacher“ in Wald, einer relativ kleinen Gemeinde im Kanton Zürich, die er fotografisch festgehalten zu haben scheint.

Öfters finden sich viele dieser Interessen in seinen Werken wieder, beispielsweise, in der unbetitelten Collage (siehe unten), welche mit Zeilen, die an eines seiner Gedichte erinnern, geschmückt ist:

Gedicht und Collage von Beat Brechbühl, entnommen aus „Bodensee-Lesebuch. 18 Autoren stellen sich vor“ von G. Braun

Das Gedicht dazu, auch ohne Titel:

Das Leben ist anders als

du denkst und

anders als es ist

 

Ich schreibe Erfolgsstory,

Und vergesse ihren Anfang, dann ihr Ende, lesen

konnte ich sie nicht mehr, weil

Meine Augen plötzlich so schlecht wurden,

Und nachts um drei kreischt

Eine Frau der Dorfstraße; ihr

Schrecklicher Ehemann verfolgt sie mit

dem 60 Zentimeter langen Metzgermesser

 

aber das Leben ist anders

& so

sind es zwei Marder, die sich die

Kehle zerbeißen wegen eines Weibchens, denn

nach zehn Minuten zerfließen

die Messerschreie rasch im ausgedörrten Sommerboden,

 

& die Flugzeuge bischen über

uns hinweg, WER SIND

 

die andern? & der Kontinent

Indien rammte letzte Nacht

wieder einmal den Himalaya

 

& in Srinagar brachen die Häuser zusammen

und viele Menschen kamen in den Trümmern um. Hier

 

geht es nur um Geld, nur um

Geld. Also nichts als die

 

Ordnung desselben. & nochmals ist

alles anders,

aber wie?

Beat Brechbühl gewann für sein kreatives Schaffen zahlreiche Preise, wie den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, sowohl den Zürcher als auch Österreichischen Kinderbuchpreis und 1999 ebenfalls den Bodensee-Literaturpreis.

Zusätzlich erwähnenswert ist sein (in der Uni-Bibliothek Konstanz ausleihbarer!) Roman „Kneuss: zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Querulanten, von ihm selber aufgeschrieben“, in welchem die Hauptfigur und Sonderling namens Kneuss von ihn bekehren wollenden Mormonen besucht wird, welche eigentlich das Ziel haben, Kneuss umzubringen. Sie schaffen es nicht, ihn zu töten, dafür aber seine Hündin, welche ihm sehr am Herzen lag. Danach dreht Kneuss durch. Dem Roman folgt eine gleichnamige Verfilmung („Kneuss“) über welche die Neue Zürcher Zeitung neugierigmachend schrieb:

[…] Aus dem Helden Kneuss, der bei Brechbühl ein ‚Reiner‘ ist, ein ideologisch starrer Verweigerer, hat Meili [der Regisseur des Films] einen eher gebrochenen, zwielichtigen, in seinem Widerstand weder sich klar formulierenden noch für die Rebellion wirklich geeigneten Mann gemacht. Kneuss wird so menschlich fassbar.

Brechbühls Kunst breitete sich also auf ein weiteres Medium aus!

Am Beginn seines Œuvres standen jedoch hauptsächlich seine Gedichte und da er des Öfteren den Satz „Und wenn ich einmal keine Gedichte mehr schreibe, bin ich tot.“ von sich gab, kann man sich vor allem auf weitere Spiele mit Wort und Gefühl seinerseits freuen!