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Interview mit Sarah Hugentobler: Wer spricht, wenn ich spreche?

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Allgemein, Deutsch, Interviews, Kulturell

Wer ist «Ich»? Und bin ich noch «Ich», wenn ich viele bin? Oder bin ich nur «Ich» durch «Dich»?

In «Bin ich das? Ein Solo für Viele» setzt sich die Künstlerin und Swiss Art Award-Preisträgerin Sarah Hugentobler mit Fragen rund um Identität und Wahrnehmung auseinander. Mit Lip-Sync, Videoprojektionen und viel Humor leiht sie ihren Körper den Stimmen dreier ganz unterschiedlicher Menschen. Was passiert, wenn Stimme und Erscheinung nicht zusammenpassen? Und wo verschwimmen die Grenzen zwischen Ich und Du?

Am 24. Oktober ist die Performance im Phönix Theater in Steckborn und am 27. November in der Bachturnhalle in Schaffhausen zu sehen. Im Interview erzählt sie, wie das Stück entstanden ist, welche Herausforderungen sie dabei gemeistert hat und was sie daran fasziniert, den Stimmen anderer Menschen ihren Körper zu leihen.

Sarah Hugentobler bei ihrer Performance mit einem tragbaren Lautsprecher am Shirt. Im Hintergrund zeigt eine Videoprojektion sie im Kostüm beim Musizieren.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Welches Verhältnis hast du zu Theater und Rollenspielen? Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe schon vor meinem Kunststudium Theater gespielt und fand es immer faszinierend. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich in Theaterproduktionen vor allem in der ausführenden Rolle war und selbst kreieren wollte. Ich wollte meine eigene künstlerische Sprache entwickeln und habe mich deshalb für ein Studium der bildenden Kunst entschieden. Das Theater habe ich aber immer ein bisschen vermisst.

Ich habe mich dann vor allem dem Video gewidmet und dabei eine eigene Arbeitsweise entwickelt, in der ich meine Figuren selbst spiele und mit Lip-Sync arbeite. So konnte ich bereits performen, allerdings vor der Kamera und nicht live. Mich hat es immer interessiert, als bildende Künstlerin mit anderen Disziplinen in Kontakt zu kommen. Als ich anfing, Videos für Theaterproduktionen zu machen, merkte ich, wie spannend es ist, Video und Live-Situationen miteinander zu verbinden.

Deshalb habe ich mich entschieden, einen Performance-Master an der HKB in Bern zu machen. Dort kamen Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zusammen, etwa aus der bildenden Kunst, dem Schauspiel, der Musik und dem Tanz. In diesem Rahmen konnte ich ausprobieren, wie ich meine Arbeit mit Video und Lip-Sync auf die Bühne übertragen kann. Ich habe dort zum ersten Mal live Lip-Sync gemacht und dabei habe ich gemerkt, wie gut das funktioniert und wie viel Spaß mir das Auftreten macht. Seitdem weiß ich, dass ich diesen Weg weiterverfolgen möchte.

 

Wie ist die Idee zu «Bin ich das? Ein Solo für Viele» entstanden? Gab es einen konkreten Moment, eine Begegnung oder eine Frage, die den Ausgangspunkt bildete?

«Bin ich das? Ein Solo für Viele» ist mein erstes abendfüllendes Bühnenstück. Es ist eine Koproduktion mit dem Schlachthaus Theater in Bern, wo im letzten Herbst die Premiere stattfand.

Der Ausgangspunkt war eine kürzere Performance mit dem Titel «Floating Knights». Dafür habe ich zum ersten Mal Interviews geführt und mit drei unterschiedlichen Männern gesprochen. Es war auch meine erste Performance ohne Video. Dabei habe ich entdeckt, wie faszinierend ich die Sprechweise von Menschen in privaten Gesprächen finde. 

Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, versuche ich, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Person wohlfühlt und frei erzählen kann. Zu diesem freien Erzählen gehört für mich auch, dass Menschen ihre Sätze erst beim Sprechen entwickeln. Sie versprechen sich, machen Denkpausen, lachen oder husten. Ich finde es unglaublich interessant, diese Eigenheiten in der Performance zu reproduzieren, also beispielsweise auch einen Versprecher nachzuspielen. Dabei habe ich gemerkt, dass Sprache nicht nur aus Informationen besteht, sondern auch aus Klang und Rhythmus. Ich übe die Aufnahmen sehr musikalisch ein und muss sie oft wiederholen, bis ich mir ihren Rhythmus eingeprägt habe.

Mich interessieren besonders Gespräche mit Menschen, die es nicht gewohnt sind, vor einem Mikrofon zu sprechen oder in der Öffentlichkeit zu stehen. Ihre Art zu erzählen hat eine besondere Qualität, die ich sehr spannend finde. Aus dieser Beschäftigung mit privaten Gesprächen ist schließlich auch «Bin ich das? Ein Solo für Viele» entstanden.

Sarah Hugentobler musiziert auf der Bühne. Im Hintergrund zeigt eine Videoprojektion zwei Dalmatiner.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Du hast dich letztlich auf drei sehr unterschiedliche Menschen konzentriert. Was hat dich an ihren Geschichten interessiert?

Zum Beispiel habe ich für das Stück ein neunjähriges Mädchen interviewt, das mir ihr Puppenhaus erklärt hat. Solche Geschichten hört man normalerweise nicht im Radio oder Fernsehen. Mich interessieren genau solche ungewöhnlichen Einblicke.

Ursprünglich hatte ich vor, acht bis zwölf Menschen zu interviewen. Dann habe ich aber gemerkt, dass die drei Personen, mit denen ich gesprochen hatte – ein Mädchen, eine Künstlerin und der Nachbar meiner Eltern –, bereits so viel Material lieferten, dass ich mich lieber intensiver mit ihnen beschäftigen wollte. Aus diesen drei Gesprächen ein Stück zu entwickeln, wurde zum Konzept.

Dabei war von Anfang an Teil des Konzepts, dass ich noch nicht wusste, was die Menschen erzählen würden. Als ich das Projekt für Förderungen einreichte, standen die Form und die Arbeitsweise bereits fest: Ich wollte mit Videoprojektionen und einer Videofigur arbeiten und einen tragbaren Lautsprecher einsetzen, sodass die Stimmen direkt aus meinem Körper zu kommen scheinen. Über Lip-Sync und Körpersprache interpretiere ich sie dann auf der Bühne. Was die Menschen tatsächlich erzählen würden, war dagegen noch offen – und genau diese Offenheit gehörte zum Konzept.

 

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung dieses Stücks?

Die größte künstlerische Herausforderung war, aus dieser festgelegten Form und den ganz unterschiedlichen Geschichten ein ganzes Stück zu entwickeln. Ich habe mich intensiv mit den drei Personen auseinandergesetzt und versucht, Verbindungen zwischen ihnen und auch zu mir selbst zu finden. Mein Wunsch war, mich so tief in ihre Geschichten einzuarbeiten, dass ich dem Publikum vermitteln kann, was mich an diesen Menschen fasziniert.

Gleichzeitig ist das, was auf der Bühne entsteht, natürlich auch mein ganz persönlicher Blick auf sie. Ich kann die Personen nicht einfach dokumentarisch abbilden. Indem ich ihre Stimmen und Geschichten in einen künstlichen Theaterkontext setze, entstehen Figuren, die auch von meiner Wahrnehmung geprägt sind. Das wirft für mich Fragen nach Verantwortung und Macht auf: Ich entscheide, was ich aus ihren Erzählungen mache, während sie darauf keinen Einfluss mehr haben. In gewisser Weise sind sie meine Puppen in meinem Puppenhaus. Gleichzeitig werde ich während der Aufführung selbst zur Marionette ihrer Stimmen, weil ich ihnen ganz genau folgen muss – bis hin zum Atmen oder Räuspern. Mich interessieren diese unterschiedlichen Machtverhältnisse, die in der Arbeit miteinander entstehen.

Sarah Hugentobler sitzt auf der Bühne und zeigt auf etwas an der Decke des Theaterraums. Neben ihr ist eine Videoprojektion zu sehen.

Schlachthaus Theater – Sarah Hugentobler, «Bin ich das? Ein Solo für Viele» © Ben Zurbriggen

Wie hast du die Geschichten und Stimmen dann in konkrete Bühnensituationen übersetzt?

Das war eine weitere große Herausforderung, denn es gab sehr viel Text. Ich wollte nicht einfach eine Stunde lang dastehen und Lip-Sync machen, sondern die Geschichten in den Theaterraum übersetzen. 

Dabei kam mir wieder das Puppenhaus des Mädchens in den Sinn. Wenn sie erzählt, wo ihre Mutter, ihr Vater und der Hund im Puppenhaus sitzen, zeige ich auf Menschen im Publikum. Wenn sie sagt, dass ein Licht kaputt ist, zeige ich auf die Theaterbeleuchtung. Ähnlich gehe ich mit den Geschichten der anderen beiden Personen um. Der Nachbar meiner Eltern erzählt zum Beispiel von seinem Haus, das er selbst umgebaut hat. Auch diese Geschichte übertrage ich auf den Theaterraum. Solche konkreten Verbindungen zu finden, war für mich entscheidend.

 

Was hast du durch die Arbeit am Theater über die Unterschiede zur bildenden Kunst gelernt – und was kannst du aus beiden Bereichen jeweils für deine weitere Arbeit mitnehmen?

Die Produktionsbedingungen am Theater waren neu für mich. Ein ganzes Stück auf die Beine zu stellen, bedeutet viel organisatorischen und administrativen Aufwand: Ich muss Geld auftreiben, ein Team zusammenstellen und Produktionspartner finden. Das ist anspruchsvoll und ich lerne bis heute dazu.

Am Theater finde ich toll, dass ich vor einem Live-Publikum auftreten und ein ganzes Stück entwickeln kann. Außerdem lassen sich größere Projekte umsetzen, bei denen ich mit anderen Menschen zusammenarbeite und sie für ihre Arbeit bezahlen kann. Gleichzeitig ist die Organisation viel aufwendiger. In der bildenden Kunst schätze ich dagegen, dass man unkomplizierter experimentieren und auch einmal etwas ausprobieren kann, ohne anderthalb Jahre im Voraus planen zu müssen.

Ich möchte auch in Zukunft zwischen Theater und bildender Kunst wechseln und mir aus beiden Bereichen das mitnehmen, was mich interessiert. Ich finde es spannend, wie sie sich gegenseitig inspirieren und voneinander profitieren können.

 

Wo die Performance als Nächstes zu sehen ist:

Sa, 24. Oktober 2026 — 19.30 UHR

Phönix Theater, Steckborn

Sa, 27. November 2026 — 19.30 UHR

Theater Bachturnhalle, Schaffhausen

hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum: Teil 2

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Allgemein, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Nachdem wir im ersten Teil unserer Tour die Schweizer Seite des Untersees erkundet hatten, ging es für uns mit der Fähre von Steckborn weiter nach Gaienhofen. Schon die Überfahrt war ein kleines Erlebnis für sich. Bei angenehmer Seeluft und einer leichten Brise bot sich vom Wasser aus ein wunderschöner Blick auf den Untersee und seine Ufer. Die ruhige Fahrt war nach unserer bisherigen Wanderung eine willkommene Pause und zugleich ein besonders idyllischer Übergang von der Schweizer auf die deutsche Seite der Ausstellung. 

Direkt in der Nähe des Hafens von Gaienhofen starteten wir unsere weitere Erkundungstour mit einer Arbeit von Ursula Rutishauser. Sie ist Teil der vierteiligen Werkreihe 4 Positionen: „anders weiter“ | „anders denken“ | „weiter gehen“ | „sich verstehen“. Leider konnten wir die Arbeit nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form sehen, da vor Ort nur noch ein Teil der Befestigung beziehungsweise die verbliebene Schnur vorhanden war.

Bei einer Ausstellung unter freiem Himmel lassen sich Witterungseinflüsse und Unwetter natürlich nicht vollständig vorhersehen, sodass auch die Kunstwerke selbst Spuren davontragen oder beschädigt werden können. Anders als bei der mutwilligen Zerstörung, auf die wir zuvor in Berlingen gestoßen waren, gehört diese Unvorhersehbarkeit zu den besonderen Herausforderungen einer Freiluftausstellung.

Von dort aus ging es direkt weiter zu einer Installation von Boris Petrovsky. Doch auch hier verlief unser Besuch anders als erwartet: Wir standen plötzlich vor einem verschlossenen Tor. Zunächst versuchten wir, das Werk von außerhalb zu erkennen und fotografisch festzuhalten, konnten jedoch nur einen kleinen Teil davon sehen. Wir sahen uns in der Umgebung noch nach einem alternativen Zugang um, mussten schließlich aber feststellen, dass wir auf diesem Weg nicht weiterkamen.

Die Installation spielt mit der Idee einer Kommunikation über das Wasser. Die sogenannten Fluchtstäbe greifen das Prinzip des Semaphors auf, also der Signalübermittlung durch bewegte Stäbe, und senden so symbolisch Signale von Ufer zu Ufer. Wer das Werk näher betrachten möchte, hat im Rahmen einer Führung die Möglichkeit, Zugang zum Gelände zu erhalten.

Da wir zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Stunden unterwegs waren, legten wir anschließend eine wohlverdiente Mittagspause im Restaurant Zum Fährmann ein. Das Restaurant erwies sich als besonders schöne Zwischenstation: gemütlich, preiswert und vor allem sehr lecker. Von der Vorspeise bis zum Dessert hat uns das Essen ausgezeichnet geschmeckt. Das Hauptgericht war sogar so gut, dass wir erst danach bemerkten, dass wir völlig vergessen hatten, ein Foto davon zu machen.

Gut gestärkt setzten wir unsere Wanderung fort und machten uns auf den Weg zu einer weiteren Arbeit von Rebecca Koellner. Wie bereits auf der Schweizer Seite begegneten wir hier einem auf Baumrinde aufgetragenen Text. Die Arbeit versteht sich als Dialog aus der Perspektive der Bäume und verändert sich mit der Zeit und ihrer Umgebung.

Anschließend führte uns unsere Route weiter zu einem Projekt von Miriam Rutherfoord und Joke Schmidt, das sich in der Tourist-Information befindet. Besonders hilfreich waren dabei die Wegweiser im Ort, die Besucher/innen in die richtige Richtung führten. Nach den vorherigen Schwierigkeiten bei der Suche nach einzelnen Arbeiten war es angenehm, diesmal ganz unkompliziert zum nächsten Ziel geleitet zu werden.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein 5.40 minütiges, tonloses Video, das aus analogen Fotografien besteht.

Danach ging es weiter zu den Arbeiten von Frank Altmann. Die farbig bemalten Holzobjekte, die an Vogelhäuschen erinnern, waren vergleichsweise schnell und leicht zu finden. Hinter ihrer zunächst spielerischen Erscheinung steckt die Frage, wie Kunst überhaupt bewertet werden kann und was von den Ideen der Moderne übrig bleibt.

Unser nächstes Ziel war Anna von Siebenthals Installation Grenzverbindung. Die aus Seilen und Holzpfosten bestehende Arbeit verbindet Geschichte und Handwerk miteinander. Ausgangspunkt ist der sogenannte Overlock-Stich, der Kanten miteinander verbindet und zugleich säubert. In der Installation werden dessen Fäden in Seile übersetzt und als räumliche Zeichnung in die Landschaft übertragen. Gleichzeitig verweist die Arbeit auf frühere Pendler/innen und versteht das Gewässer nicht als trennende Grenze, sondern als verbindende Übergangszone.

Danach machten wir uns auf die Suche nach einer weiteren Arbeit von Ursula Rutishauser. Trotz längerer Suche konnten wir den richtigen Zugang zunächst nicht finden und mussten schließlich weiterziehen, um noch unser letztes Ziel zu erreichen und die Fähre nicht zu verpassen. Inzwischen wurden zusätzliche Markierungen angebracht, durch die der Trampelpfad zum Werk leichter zu finden sein soll.

Zum Abschluss unserer Tour besuchten wir Patricia Buchers Arbeit Jede Seite hat zwei Medaillen. Das Werk verbindet eine stabile Fachwerkstruktur mit Ruderelementen und greift damit einen deutlichen Gegensatz auf: Auf der einen Seite stehen Schutz, Sicherheit und die Geborgenheit eines Zuhauses, auf der anderen die schwierige Überquerung des Sees. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Getriebenheit und dem Wunsch nach Ankommen und Geborgenheit.

Auch der Standort dieser letzten Arbeit erwies sich als besonders schön. Von dort aus bot sich eine beeindruckende Aussicht über die umliegende Landschaft und den Untersee – ein passender Abschluss für unseren langen Tag zwischen Kunst, Wanderung und den beiden Ufern.

Nach vielen Kilometern zu Fuß, mehreren unerwarteten Hindernissen und zahlreichen Kunstwerken endete damit unsere Entdeckungstour auf der deutschen Seite des Untersees. Gerade die Verbindung aus Wanderung, Fährfahrt, Landschaft und Kunst macht „hänne und dänne“ zu einer besonderen Form der Ausstellung. Die Werke begegnen einem nicht in abgeschlossenen Museumsräumen, sondern unterwegs – manchmal gut sichtbar, manchmal versteckt und, wie wir selbst erfahren haben, gelegentlich auch schwieriger zu finden als erwartet.

Auch wenn nicht alles wie geplant verlief, machte genau das den Ausflug authentisch. Am Ende blieb vor allem der Eindruck eines gelungenen Projekts, das den Untersee aus einer ganz neuen Perspektive erlebbar macht.

Wer jetzt selbst Lust auf eine Entdeckungstour bekommen hat, findet auf der Website von hänne und dänne weitere Informationen zur Ausstellung, zu Führungen und möglichen Routen.

Weitere Informationen unter:
https://haenne-und-daenne.ch/

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 geöffnet.

@photos by kws

 

hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum: Teil 1

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Allgemein, Kunst & Architektur, Kunst im öffentlichen Raum

Wann wart ihr das letzte Mal in einer Kunstausstellung, ohne ein Museum zu betreten?

Genau das macht das Projekt „hänne und dänne – Der Untersee als Kunstraum“ möglich. Seit Anfang Mai verwandeln 25 Kunstwerke die Region rund um den Untersee in eine Ausstellung unter freiem Himmel. Zwischen Berlingen, Steckborn, Gaienhofen und Hemmenhofen begegnet man Skulpturen, Installationen und konzeptionellen Arbeiten, die nicht hinter Absperrungen, sondern entlang öffentlicher Wege, direkt in die Landschaft eingebettet sind. Die Ausstellung verbindet dabei nicht nur verschiedene Orte, sondern auch die beiden Ufer des Untersees – Deutschland und die Schweiz.

Als wir von dem Projekt hörten, stand schnell fest: Das klingt nach dem perfekten Tagesausflug von Konstanz aus. Also planten wir unsere Route, schauten uns Zug- und Fährverbindungen an und überlegten, wie viel Zeit wir für den Rundweg einplanen sollten. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Tag individuell zu gestalten. Auf der Website von hänne und dänne finden sich verschiedene Routenvorschläge und Empfehlungen für Rundfahrten, sodass man die Ausstellung ganz nach den eigenen Interessen erkunden kann.

Am Vormittag machten wir uns von Konstanz aus mit dem Zug auf den Weg nach Berlingen, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Vom Bahnhof aus ging es für uns zuerst direkt zum Hafen. Der Weg entlang des Ufers ist ruhig, nur vereinzelt sind Menschen unterwegs, manche bereits beim Schwimmen im See. Am Hafen selbst findet man auch die erste Arbeit der Freiluft-Ausstellung. Leider mussten wir dort erfahren, dass die Installation von Felix Stöckle mit dem Titel …S .-A .-..L ..-Ü mutwillig zerstört wurde. Trotzdem war es ein schöner Ort, um unsere Erkundungstour zu beginnen. Wer zur richtigen Zeit am Wochenende dort ist, kann in Berlingen außerdem das Adolf-Dietrich-Haus besuchen.

Von Berlingen aus folgten wir dem Weg Richtung Steckborn. Der Pfad durch die Weinberge dauert ungefähr eine Stunde und eröffnet unterwegs immer wieder schöne Ausblicke auf den Untersee. Vorbei an grasenden Kühen entdeckt man zwischendurch immer wieder Kunstwerke, die sich ganz selbstverständlich in die Landschaft einfügen. Ein Beispiel dafür sind die Flugblätter von Ursula Rutishauser. An verschiedenen Stellen hängen scheinbar lose Papierblätter zwischen den Bäumen, die auf den ersten Blick vom Wind verweht wirken. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass sie aus Stahl gefertigt sind. Man hat fast das Gefühl, dass sie zwischen den Ufern hin und her getragen werden und dabei eine Verbindung über die Grenze hinweg entstehen lassen.

In Steckborn angekommen nutzten wir die Zeit vor unserer Fähre nach Gaienhofen, die um 12 Uhr ablegte, um die dortigen Arbeiten zu erkunden. Der Weg führt direkt am See entlang bis zum Phönixtheater.

Unterwegs sahen wir unter anderem den illusionistischen Steg von Gianin Conrad, eine temporäre Konstruktion aus Holz und Stahl, die aus einer bestimmten Perspektive wie ein echter Steg wirkt. Die Arbeit spielt bewusst mit der Wahrnehmung und erinnert in ihrer Konstruktion an die räumlichen Illusionen von M. C. Escher. Je nach Standpunkt scheint der Steg das deutsche Ufer mit Steckborn zu verbinden und hebt damit die Grenze zwischen den beiden Seiten des Sees scheinbar auf. 

Ebenfalls auf dem Weg liegt Dialog von Rebecca Koellner, ein auf Baumrinde aufgetragener Text, der als poetischer Austausch zwischen den Ufern gedacht ist. Durch den Einsatz von Baumschutzpaste und Nachleuchtfarbe bleibt die Arbeit bewusst fragil und reagiert auf Wetter, Zeit und das Wachstum des Baumes selbst.

Fahrt mit der Fähre über den Untersee mit Blick auf Gaienhofen

Nach unserer Zeit in Steckborn ging es für uns mit der Fähre hinüber auf die deutsche Seite des Untersees. Wie sich der zweite Teil unserer Entdeckungstour dort weiterentwickelt hat, folgt in einem weiteren Beitrag nächsten Sonntag.

 

Weitere Informationen unter:

https://haenne-und-daenne.ch/ 

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 geöffnet.

@photos by kws