Was haben eine elektrische Gurke, japanischer Gesang und Klebeband gemeinsam? Im Haus zur Glocke in Steckborn wurden sie am 1. Juli zu Bestandteilen eines ungewöhnlichen musikalischen Abends. Beim letzten Klangereignis waren Tim & Puma Mimi zu Gast – ein Zürcher Duo, das seit über zwanzig Jahren die Grenzen zwischen Pop, Elektronik und experimenteller Musik auslotet.

Das Duo Tim & Puma Mimi eröffnet seine Performance im Eingangsbereich des Hauses zur Glocke

Der Abend war weniger ein klassisches Konzert als eine Einladung zum Entdecken. Die Besucher:innen bewegten sich durch die verschiedenen Räume des Hauses und begegneten dabei nicht nur Klanginstallationen und ungewöhnlichen Instrumenten, sondern auch den visuellen Arbeiten von Christian Fischer, der gemeinsam mit Michiko Hanawa das Duo Tim & Puma Mimi bildet. Für seine Arbeiten löst Fischer die Linie aus der Fläche: Mit Klebeband zeichnet er direkt auf die Wände und schafft temporäre Situationen, die den Raum verändern und nach ihrer Entfernung wieder verschwinden. Klebeband wurde nicht nur an die Wände gezeichnet, sondern auch zum Klangmaterial: Tapeloops erzeugten knisternde Schleifen, elektrisch leitende Bänder reagierten auf Berührung und luden dazu ein, selbst Klänge hervorzubringen. Dazwischen mischten sich japanischer Gesang, elektronische Bässe und der helle Klang von Furin-Windglöckchen.

Der Auftritt von Tim & Puma Mimi war dabei kein Einzelereignis. Er ist Teil der Klangereignisse, einer musikalischen Reihe im Haus zur Glocke, die von März 2026 bis Januar 2027 insgesamt vierzehn Künstler:innen nach Steckborn bringt. Einmal im Monat, jeweils an einem Mittwochabend, wird das Haus zum Schauplatz einer musikalischen Performance.

Die Räume des Hauses, die jeweils gezeigte Ausstellung und die unmittelbare Nähe zum Publikum werden dabei zu Ausgangspunkten für die Musik. Gerade die räumliche Enge fordert die Musiker:innen dazu auf, gewohnte Formate zu hinterfragen, neue Entscheidungen zu treffen und aus dem Moment heraus zu arbeiten.

Wer neugierig geworden ist, muss nicht lange auf das nächste Klangereignis warten. Bis Januar 2027 stehen noch vier weitere Abende auf dem Programm:

  • 30. September 2026 – Bettina Boller & Simon Berz
  • 21. Oktober 2026 – Jules Martinet
  • 02. Dezember 2026 – Sonja Morgenegg Trio
  • 13. Januar 2027 – Phaidon Berdelis

Das nächste Klangereignis am 30. September verspricht ein ungewöhnliches musikalisches Duell. Bei „Stein, Stahl & Pferdehaar“ treffen Violine und Stein aufeinander: Der gespannte Bogen bringt die Saiten zum Schwingen, während Steinkohle, Schlägel und Basalt für harte, rohe Klänge sorgen. Diese werden elektronisch verändert und weiterverarbeitet, sodass immer wieder neue Klangfarben entstehen.

Mehr Informationen gibt es im Programmheft.

Alle Abende beginnen um 19:30 Uhr. Ausstellung und Wirtschaft sind bereits ab 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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