Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Die Konstanzer Schwurhand – Wenn Gesten Geschichte schreiben

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Die Schwurhand von Franz Gutmann mit Blick auf die Untere Laube. Foto: Linn Petrat

Die Schwurhand von Franz Gutmann mit Blick auf die Untere Laube. Foto: Linn Petrat

Daumen hoch, Kleiner-Finger-Schwur, ein Herz formen, oder der emporgereckte Finger als Zeichen einer unflätigen Beleidigung: Unsere Hände dienen uns Menschen schon seit Ewigkeiten als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Manche Gesten sind universell lesbar, manche unterscheiden sich je nach Region, und manche verändern sich auch über die Zeit. So wird das Herz inzwischen nicht mehr aus Daumen und Zeigefinger, sondern aus Zeige- und Mittelfinger geformt. Doch die universelle Aussagekraft und Kommunikationsfähigkeit der Hand bleibt weltweit und zeitübergreifend bestehen.

Haben Sie jemandem schon einmal etwas versprochen? Meist dient hier das Ineinanderhaken der kleinen Finger als Zeichen, dass man es mit seinem Versprechen auch wirklich ernst meint. Vor einigen hunderten Jahren hätten wir hierfür vermutlich eher den Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger in die Höhe gehalten. Die Schwurhand ist im Mittelalter europaweit verbreitet und gilt als Eidesbekenntnis, abgelegt unter Gottes Augen. Eine Geste, die jedoch nicht leichtfertig verwendet werden sollte – denn wer seinen Eid brach, wurde auf drastische Weise bestraft. Das Brechen des Eides konnte einem die Hand kosten.

Der mittelalterliche Schwur findet in der Konstanzer Altstadt eine ganz besondere bildliche Form: Bereits im Jahr 1975 wurde die Schwurhand von Franz Gutmann (1928-2024), von dem auch der Münsterbrunnen stammt, geschaffen. Seit 1990 steht die Bronzekulptur in der Torgasse. Drei voluminöse Finger drücken sich hier aus dem Boden heraus, der Rest der Hand bleibt im Boden verborgen. Die schmale Gasse wird von dem Kunstwerk, das eine Fläche von 119 mal 142 Centimetern beansprucht, fast ganz eingenommen und wird für Einwohner*innen und Tourist*innen zum Nadelöhr. Doch wieso steht die Bronzeskulptur genau an diesem Engpass? Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Zufall. Denn die Schwurhand befindet sich in unmittelbarer Umgebung der Konstanzer Vertreter von Recht und Gesetz: Wenige Schritte entfernt residiert die Konstanzer Staatsanwaltschaft im alten Lanzenhof und in der Unteren Laube, und in der Altstadt und dem Paradies befinden sich ebenfalls in fußläufiger Entfernung das Landgericht, das Amtsgericht, sowie das Familien- und Sozialgericht. Also Orte, an denen das Leisten eines Eides keine Seltenheit und die Wahrheit Grundlage einer fairen Rechtsprechung ist.

Die Schwurhand schlägt eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, und zeigt dabei auf, was überdauert: Das menschliche Bedürfnis, unsere Worte und deren Aussagekraft mit Gesten zu unterstützen. Sie lässt uns nicht nur durch ihr Versperren des direkten Weges innehalten, sondern regt auch zum Nachdenken und Philosophieren an. Können wir nur einen Teil der Wahrheit erkennen, so wie wir nur einen Teil der Skulptur sehen können? Wer sich an der Schwurhand vorbeischlängelt, wird mit der Frage nach unserer Ernsthaftigkeit konfrontiert: Was ist ein Versprechen eigentlich wert?

Unser Tipp: Wer sich schon immer gefragt hat, was die Schwurhand eigentlich so über sich selbst sagen würde, kann dies mit Text und Wort von Marvin Suckut nachhören. Der Poetry-Slammer leiht der Schwurhand im Rahmen des Projektes KUNSTSTÜCKE seine Stimme:  KunstStücke | Schwurhand

Maskeraden der Macht – Die Rolle der Frau in der Fasnacht einst und heute

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Die Frau im Fasching: Dekoration, Objekt, Beiwerk

Ein Blick auf die Fasnacht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts offenbart ein eindeutiges Bild: Frauen waren systematisch vom öffentlichen Fasnachtstreiben ausgeschlossen oder auf untergeordnete Rollen reduziert. In den Faschingsgesellschaften um 1890 durften Frauen nicht einmal zahlende Mitglieder sein. Ihre Teilnahme an Bällen war lediglich als „männliches Beiwerk“ vorgesehen.

Auf der Bühne wurde das Frauenbild satirisch, aber herabwürdigend gepflegt: Als „niedliche kleine Dingerchen“ oder – im Falle von Ehefrauen – als „zänkische Hausdrachen“. Humor diente dabei nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Festigung gesellschaftlicher Hierarchien.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren Frauen von Führungsrollen ausgeschlossen: Sie konnten weder Mitglied eines Elferrats noch Teil einer Zunftleitung werden. Ihre Rolle war passiv – meist sprichwörtlich: „hübsch sein und Ruhe geben“.

Zwischen Spott und Systemkritik: Fasnacht als Spiegel der Gesellschaft

Die Fasnacht war stets auch ein Ort des politischen Humors – jedoch bis zum Ersten Weltkrieg vor allem obrigkeitstreu, konservativ und häufig frauenfeindlich. Minderheiten, Ausländer oder oppositionelle Bewegungen wurden verspottet. Kritik wurde in eine Form gebracht, die bestehende Machtverhältnisse bestätigte – nicht hinterfragte.

Der Wandel: Demokratisierung und neue Rollenbilder

Erst im Zuge der demokratischen Reformen nach 1918, insbesondere mit dem Frauenwahlrecht, begann sich auch die Fasnacht langsam zu verändern. Frauen erhielten nicht nur gesetzlich mehr Rechte, sondern traten allmählich als gleichberechtigte Akteurinnen in Erscheinung – zunächst in symbolischer, später auch in organisatorischer Funktion.

Frauen wurden Mitglieder in Vereinen, übernahmen Führungsämter und gründeten eigene Narrenzünfte. Sie waren nun nicht länger Beiwerk, sondern aktive Gestalterinnen der Fasnacht.

Die Fasnacht ist nicht nur ein Ort närrischer Tradition, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Strukturen. Die Ausstellung im Rosgartenmuseum bietet nicht nur eine historische Perspektive auf das Brauchtum, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, kritisch über soziale Ungleichheiten und insbesondere die Rolle der Frau in der Fasnacht nachzudenken.

Ein Blick hinter die Maske lohnt sich – damals wie heute.

Maskeraden. Als die Fasnacht noch Fasching hieß

Kunst kennt keine Grenzen – Eindrücke von der Kunstgrenze Konstanz-Kreuzlingen

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Die Skulptur "Magier" von Johannes Dörflinger befindet sich am Ufer des Bodensees. Die rote Metallfigur, die eine Leiterstruktur zeigt, hebt sich stark vom Blau des Wassers und des Himmels ab.

Die Skulptur „Magier“ von Johannes Dörflinger am Ufer des Bodensees. Foto: Linn Petrat

Den meisten Konstanzer und Kreuzlinger Bürger*innen dürfte sie beim Übertreten auf dem Sonntagsspaziergang kaum mehr auffallen: Die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz, die zwischen dem Konstanzer Sea-Life und dem Kreuzlinger Seeburgpark verläuft. Anders als an vielen Grenzübertritten muss man hier keinen Zoll durchqueren.

Doch wer bei seinem Spaziergang einmal den Blick vom glänzenden Wasser des Bodensees heben kann, der bemerkt schnell, dass die Grenze zwischen den beiden ineinander überlaufenden Städten doch markiert wird. Ganze 22 Edelstahlskulpturen verlaufen auf 300 Metern über das Areal Klein Venedig bis in den Bodensee hinein. Die jeweils acht Meter großen Skulpturen wurden von dem in Konstanz geborenem Künstler Johannes Dörflinger erschaffen und säumen seit dem Jahr 2007 das Grenzareal. Sie befinden sich sowohl direkt auf der Grenzlinie, aber sind auch in gleicher Anzahl auf deutscher und Schweizer Seite positioniert und lösen so eine Trennung der zwei Länder auf – eine subtile und doch unübersehbare Öffnung der Grenze, die die beiden Städte miteinander verbindet.

Was hat sich an dieser Stelle vor der Kunstgrenze befunden? Lange Zeit war eine offene Grenze zwischen den zwei Städten gang und gäbe – bis in der Zeit des Regimes der Nationalsozialisten 1939 ein Grenzzaun errichtet wurde, um Grenzübergänge von Flüchtenden vor dem Regime in die Schweiz zu verhindern. Gab es zu dieser Zeit das Areal Klein Venedig zwar noch nicht, wurde die Errichtung einer Grenze dort im Jahr 1973 nachgeholt. Erst seit dem Jahr 2004 setzten sich die Konstanzer und Kreuzlinger Stadtoberhäupter Horst Frank und Josef Bieri für den Abriss des Grenzzaunes ein – 2006 wurde der Maschendrahtzaun von Frank und Bieri gemeinsam durchtrennt. Auf die Bedingung der Zollbehörden, dass die Landesgrenze markiert bleiben solle, wird reagiert: Die weltweit erste Kunstgrenze entsteht direkt am Bodensee. Ein symbolträchtiger Meilenstein für Konstanz und Kreuzlingen, und die Gestaltung von Grenzübergängen auf der ganzen Welt!

Ist die Grenze seither dauerhaft geöffnet? Nicht ganz, denn durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie und den damit einhergehenden Grenz- und Abstandsregelungen wurden im März 2020 erneut Zäune errichtet. Da viele Paare, Familien und Freunde in ergreifenden Szenen versuchten, sich durch den Zaun zu berühren, kam ein zweiter dazu, um die damals regulären Zwei-Meter-Mindestabstand geltend zu machen. Doch nach dem nur wenige Monate andauerndem Intermezzo – im Mai 2020 wurden die Zäune wieder abgebaut – ist Dörflingers Skulpturengruppe wieder alleiniger Besuchermagnet an der Deutsch-Schweizer Grenze.

Das "Glücksrad" von Johannes Dörflinger steht unmittelbar neben einem Metallschild, das die Landesgrenze markiert. Foto: Linn Petrat

Das „Glücksrad“ von Johannes Dörflinger steht unmittelbar neben einem Metallschild, das die Landesgrenze markiert. Foto: Linn Petrat

Die Historie des Grenzareals direkt am Ufer des Sees ist uns nun bekannt – doch was zeigen die Skulpturen der Kunstgrenze eigentlich? Die metallisch-roten Figuren, deren Farbe je nach Lichteinfall leicht changiert, stellen die „Großen Arkana“, die Trumpfkarten des Tarots dar. Dörflinger stellt jedoch keine Illustrationen der Kartenmotive dar, er gestaltet die Figuren abstrahiert, durchlässig, dynamisch: Aus geraden und gebogenen Metallstreben entstehen Objekte, die durch Formen wie Spiralen oder Pfeile sehr bewegt wirken und in ihren Umraum hineingreifen. Sie erschaffen eine Verbindung, nicht nur zwischen Deutschland und der Schweiz, sondern auch zwischen Erde, Luft und Wasser. Manche Skulpturen treten nicht nur mit ihrem Umfeld, sondern auch untereinander in einen Dialog: So zeigen Sonne und Mond ein ähnliches Motiv, welches aber in unterschiedliche Richtungen hin geöffnet ist. Sie bilden eine harmonische Einheit und werden zu einem figurativen Kreislauf. Die Herrscherin und der Herrscher zeigen zwei Halbkreise, die einander zugewandt sind, und den Betrachter*innen somit ein Tor zum Bodensee bilden: einem Gewässer, das an drei Länder grenzt. Während im Untersee eine Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz festgelegt ist, gibt es diese im Obersee nicht – ein grenzenloser Raum. So ist es passend, dass der Magier im Bodensee platziert ist. Seine Form erzeugt durch die entgegengesetzten Bewegungen Spannung, und hält sich doch selbst die Waage.

Die Titel der Skulpturen, die den Kartenbezeichnungen entsprechen, sind in den vier Sprachen deutsch, englisch, italienisch und französisch in den Sockel eingraviert. Sie verweisen auf die Ländersprachen Deutschlands und der Schweiz und auch international darüber hinaus – und lösen damit einmal mehr Grenzen als auch (Sprach-)Barrieren auf.

Gerade in einer Zeit, in der ein Diskurs um Ländergrenzen tagtäglich geworden ist, erhält die Kunstgrenze eine neue Relevanz: Die Kunstgrenze ist eine Erinnerung an unsere Freiheit, Grenzen überschreiten zu können, ohne dabei mahnend auf ihre Geschichte zu verweisen. Sie löst die Grenze auch nicht auf, sondern macht sie zu einem weiten Raum. Einem Raum, der diskutiert, geöffnet und überschritten werden darf.

Kanntest du die Geschichte und Bedeutung der Kunstgrenze schon? Oder kennst du andere Kunst an der Grenze? Erzähle uns gerne davon in den Kommentaren.

 

Die Informationen stammen aus: Johannes-Dörflinger-Stiftung (Hrsg.): Kunstgrenze. Skulptur Idee Ort, Sulgen/Zürich 2008 und Von Platen, Amelie-Claire: Kunst im Grenzbereich: Der Skulpturenpark Kunstgrenze Konstanz-Kreuzlingen. Sehen Entdecken Staunen, Konstanz 2007.

Sechser im Lotto

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Allgemein, Deutsch, Junge Kunst, Kunst & Architektur, Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum

Die „Lotterie des Lebens“ bezieht sich auf einen Beitrag, der im Rahmen des Charity Slam 2023 entstanden ist und für die Aktion „Kunst an der Baustelle“ gekürzt wurde. Er thematisiert die Alltagsprobleme, mit denen wir hierzulande zu kämpfen haben und stellt sie den Problemen gegenüber, mit denen Menschen auf der anderen Seite der Welt konfrontiert sind. Meist zwei vollkommen unterschiedliche Arten von Problemen.

Sechser im Lotto

Sechser im Lotto – @Jacqueline – Foto by © Jean-Marcel Rieger  Künstlerin: Jacqueline

Die Lotterie des Lebens: Glück, Schicksal und die Kunst des Losziehens

Jeder von uns hat bereits von ihr gehört oder sie vielleicht sogar selbst erlebt: die Metapher von der „Lotterie des Lebens“. Doch was verbirgt sich wirklich dahinter? Ist unser Leben lediglich ein Zufall, eine Frage des Glücks oder steckt mehr dahinter als nur das Ziehen eines beliebigen Loses? In diesem Blogbeitrag untersuchen wir die Bedeutung dieser faszinierenden Metapher und was sie über unser Verständnis von Glück und Schicksal aussagt.

Die Bedeutung der „Lotterie des Lebens“ 

Der Begriff beschreibt die Unvorhersehbarkeit unseres Lebens und Daseins. Wie bei einer Lotterie, bei der man nie genau weiß, welche Zahlen gezogen werden, wissen wir oft nicht, welche Chancen oder Herausforderungen uns im Leben erwarten. Manche Menschen scheinen mit einem „guten Los“ geboren zu sein – wohlhabend, gesund, glücklich – während andere mit weniger Glück kämpfen müssen. Bei manchen ist es auch so, dass sie das Glück im Verlauf des Lebens verlässt und sie so ihr „gutes Los“ verlieren und plötzlich zu der anderen Gruppe gehören. Diese Metapher regt dazu an, über das Verhältnis von Zufall und Kontrolle nachzudenken. Sind wir bloß Spielbälle eines unberechenbaren Schicksals? Oder haben wir Einfluss auf unsere Lebensumstände und die Karten, die man uns zuspielt? In diesem Sinne stellt sich auch die Frage, was bedeutet ein ‚Sechser im Lotto‘ in der Lotterie des Lebens? Wir haben dazu einige unserer KWS Mitglieder gefragt:

  • Für mich bedeutet ein ‚Sechser im Lotto‘ Gesundheit, Schwerelosigkeit, das Gefühl von angekommen sein, in mir ruhen und sorglos einzuschlafen. 
  • Ganz einfach: Für immer Urlaub und keine Arbeit mehr! 
  • Ich denke eher an einen Gefühlszustand, nichts materielles.
  • Für mich bezieht sich ein ‚Sechser im Lotto‘ nicht auf eine Person, sondern auf einen Zustand, den du nur bekommst, wenn Familie, Freunde und die ganz normalen Grundbedürfnisse erfüllt sind. 
  • Ganz klar.. Das ist ein emotionaler Wert!
  • Schwierige Frage. Etwas, das man nicht erreicht kann – vier oder fünf richtige reichen mir vollkommen aus.
  • Ein totales Klischee! Für mich ist wichtiger, dass alle wichtigen Personen gesund sind. 
  • Generell bedeutet ein Sechser im Lotto eine Stabilität im sozialen und finanziellen Aspekt. 
  • Eine willkürliche Entscheidung und der Zufall entscheiden. Durch puren Zufall bekommt man einen großen Gewinn. Das muss aber nicht nur finanziell gemeint sein. Beispielsweise kann man auch das Fahrrad statt den Bus nehmen und so nicht in ein Spinnennetz an der Bushaltestelle laufen.
  • Ein Stück Schönheit mit dem ich nicht gerechnet habe.
  • Bei einem solchen Gewinn hätte ich eher angst. Geld ist wichtig, um über die Runden zu kommen, aber ein normales Gehalt reicht vollkommen. 1 Million Euro würde mehr Probleme und Sorgen mit sich bringen. 
  • Niemand rechnet mit einem Sechser im Lotto. 
  • Ein sorgloses Leben mit 10 Hunden, 5 Axolotl, 20 Katzen und den Liebsten. 

Es wird schnell klar, dass nicht jeder den „Sechser im Lotto“ gleich interpretiert. Für manche ist es ein Gefühl, für andere die Tatsache, dass es den liebsten Menschen gesundheitlich gut geht. Fest steht aber, dass wir den Sechser im Lotto eigentlich nicht als etwas schlechtes ansehen. Natürlich ist die Chance immer gering, dass man den Sechser im Lotto hat, doch es gibt Lottoscheine, auf denen am Ende einer Ziehung die richtigen sechs Zahlen stehen. Auch wenn die Chance gering ist, besteht sie dennoch. In der Lotterie des Lebens können wir zwar keine physischen Lottoscheine kaufen, doch am Ende kann sich auch im Leben das Blatt wenden und mit viel Glück und einer Prise Schicksal stehen am Ende des Tages die richtigen sechs Zahlen auf dem besagten Schein. Man kann eine Krankheit besiegen, sich ins Leben zurück kämpfen oder finanzielle Freiheit erlangen. Zugleich ist es aber auch möglich, dass man auf dem Höhepunkt der Karriere einige Gänge zurückschalten muss, weil die eigene Gesundheit oder die von den Liebsten einen dazu zwingt. Das Leben ist ein auf und ab und genau das spiegelt sich in dem hier gezeigten Werk und auch dem Titel wieder. Man kann direkt zu Anfang oder auch erst nach dutzenden Versuchen einen Sechser im Lotto bekommen. Zugleich ist es leider auch möglich, dass es nie dazu kommt. Wer sich die Wahrscheinlichkeit eines Sechsers im Lotto in Deutschland anschaut, wird auf folgende Wahrscheinlichkeit stoßen: 1/15.537.573,33. Es scheint unmöglich zu sein, doch immer wieder gibt es Menschen, die den Jackpot knacken. Sie schaffen es aber nicht, ohne selbst aktiv zu werden und sich ein Los zu kaufen. Übertragen wir das auf unser Leben oder eher gesagt die Lotterie des Lebens, ist es ähnlich. Es wird sich nichts ändern, wenn wir nicht aktiv werden, nicht mit den Scheinen an den Ziehungen teilnehmen, die man uns zugelost hat. Es besteht die Möglichkeit, dass wir viele Niete ziehen, doch genau wie im echten Lotto, ist ein Gewinn nicht unmöglich. Er ist nur sehr selten. 

Bleibt am Ende nur noch die Frage: Was bedeutet ein ‚Sechser im Lotto‘ für dich? Verrate es uns in den Kommentaren.

Harmonie in Kontrast: Wenn Farben Geschichten erzählen

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Allgemein, Deutsch, Junge Kunst, Kunst am Bau

In einer Welt, die oft zwischen Hektik und Stille schwankt, schafft das Kunstprojekt „Harmonie in Kontrast“ einen Raum der Begegnung – zwischen Gegensätzen, Emotionen und innerer Einkehr. Im Zentrum stehen zwei abstrakte Katzen, deren kraftvolle Farbgebung nicht nur das Auge fesselt, sondern auch die Seele berührt. Rot, Blau, Schwarz und Gelb – jede dieser Farben trägt eine tiefere Bedeutung und erzählt eine eigene Geschichte im Wandbild.

Rot: Die Hitze der Leidenschaft

Die erste Farbe, die ins Auge springt, ist ein vibrierendes, flirrendes Rot. Es durchzieht die eine der beiden Katzen und scheint wie ein pulsierendes Herz inmitten des Bildes zu schlagen. Rot steht für Leidenschaft, Energie und Mut – Eigenschaften, die nicht nur das Tier symbolisiert, sondern auch den kreativen Schaffensprozess der Künstlerin selbst. Es ist die Farbe des Lebens, der Impulsivität und des Feuers. In „Harmonie in Kontrast“ wirkt Rot wie ein Aufschrei  und zugleich wie eine Einladung, das eigene Feuer zu spüren.

Blau: Die Tiefe des Mysteriums

Der Kontrast zum Rot könnte stärker kaum sein: Ein intensives, fast magnetisch anziehendes Blau durchzieht die zweite Katze. Blau steht für das Mysterium, die Tiefe und das Unausgesprochene. In dieser Farbe schwingt Ruhe, aber auch Unergründlichkeit mit. Sie zieht den Betrachter tiefer in das Bild hinein, regt zum Nachdenken an. Wo Rot laut ist, bleibt Blau leise und sanft – und schafft dadurch auch Raum für Interpretation. Zusammen mit dem Rot bildet es eine Spannung, die das Auge fesselt und gleichzeitig ein Gefühl innerer Balance erzeugt.

Schwarz: Das Geheimnis zwischen den Zeilen

Schwarz ergänzt die Komposition als stiller Schatten – es umrahmt, hebt hervor und verschleiert. Als Symbol des Geheimnisses gibt Schwarz dem Kunstwerk Tiefe und einen Hauch von Unnahbarkeit und Distanz. Es steht für das Nicht-Sichtbare, eine Leerstelle, das Unausgesprochene, das im Verborgenen liegt. Schwarz verleiht der Komposition Ernsthaftigkeit und lässt gleichzeitig Raum für Projektion und Spekulationen. Es fordert den Betrachter auf, zwischen den Linien zu lesen und vielleicht sich selbst darin zu entdecken.

Gelb: Die strahlende Lebensfreude

Und dann ist da noch Gelb – strahlend, warm, einladend, freundlich und fast schon kindlich. Es bringt Licht in die Szene, ohne sie zu dominieren. Gelb steht für Lebensfreude, Leichtigkeit und Optimismus. Es wirkt wie ein Hoffnungsschimmer zwischen den intensiven Farbtönen und balanciert die tiefere Symbolik der anderen Farben aus. In der Komposition bringt Gelb Bewegung und Wärme mit sich – ein Lächeln in Farbe.

Die Ruhe der Lesenden: Gelassenheit im Kontrast

Links im Bild, fast wie eine Parallelwelt, ruhen zwei menschenähnliche Figuren auf weichen Kissen – versunken in Bücher und abgeschottet vom Farbspektakel um sie herum. Ihre Körperhaltung vermittelt Entspannung. Ihre Aktivität steht sinnbildlich für Reflexion, Stille und Rückzug. Sie bilden das Gegengewicht zu den intensiven Katzen und Farben um sich herum. Diese Gegenüberstellung lädt ein, über das Verhältnis von Lebendigkeit und Gelassenheit nachzudenken. Wann greifen wir zum Buch und wann zum Pinsel? Wann lassen wir uns treiben und wann tauchen wir ab?

„Harmonie in Kontrast“ ist mehr als ein visuelles Erlebnis – es ist eine Einladung zur Selbstreflexion. Die kraftvollen Farben symbolisieren das Spannungsfeld, in dem wir uns alle bewegen: zwischen Leidenschaft und Ruhe, Geheimnis und Klarheit, Intensität und Leichtigkeit. Dieses Kunstwerk erinnert uns daran, dass Gegensätze sich nicht ausschließen müssen, sondern sich oft erst in ihrer Verbindung entfalten.

Pano

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Allgemein, Konstanz entdecken

Das Pano ist ein Café an der Marktstätte in Konstanz, dem größten Platz in der Altstadt. Neben dem Pano – im Gebäude der heutigen Postfiliale  – befand sich seit etwa 1220 das Heilig-Geist-Spital. In diesem Gebäude sind heute noch Wandmalereien aus dieser Zeit erhalten. Das Spital zog zu Beginn des 19. Jahrhunderts in das ehemalige Augustinerkonvent um. Heute ist die ursprüngliche Spitalstiftung zum Beispiel durch die Spitalkellerei noch in Konstanz präsent. Ein optischer Wandel der Marktstätte folgte Ende des 19. Jahrhunderts, als z.B. die Fassaden verschiedener Häuser erneuert wurden. So auch beim Gasthaus „Krone“, in dem sich heute das Pano befindet.

Diese erneuerte Fassade ist eine Louis XIV Fassade. Ebenfalls eine beeindruckende Fassade schmückt das alte Oberpostdirektionsgebäude, das Haus gegenüber des Panos, welches eine Neorenaissancefassade mit Figurenschmuck trägt. Weiter oben auf der Marktstätte steht der Kaiserbrunnen. Dieser wurde 1891 vom Konstanzer Kaufmann Josef Wittmann gestiftet und 1897 eingeweiht. Allerdings wurden die Originalfiguren während des zweiten Weltkriegs eingeschmolzen, nur die Brunnenschale und die Säule blieben erhalten. Zu Beginn der 1990er Jahre beauftragte die Stadt das Künstlerehepaar Rumpf, neue Figuren anzufertigen.

 

Hinweis: Der obenstehende Text wurde der Broschüre ‚Kunst und Food für Erstis‘ aus dem Wintersemester 22/23 entnommen und für den KWS Blog überarbeitet.

 

Bunte Plastikteile

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Allgemein, Kunst am Bau

Wer kennt sie nicht, die komischen bunten Plastikteile an der Fassade der Uni Konstanz? Manche halten sie für Hocker oder Spielfiguren. Die Meinungen der Studierenden gehen stark auseinander, doch kaum jemand weiß, was diese fast mannshohen Elemente aus glasfaserverstärktem Polyester, die aufeinander gestapelt fast vierzehn Meter hoch sind, wirklich darstellen. Hast du eine Idee?

Falls nicht, wir verraten es dir: Es sollen industrielle Spulen sein und sie stammen von Gottfried Bechtold. Bechtold zählt zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten Österreichs, bekannt für seine innovativen Arbeiten in der zeitgenössischen Kunst. Eine seiner bemerkenswerten Schöpfungen ist die „Spulenplastik“ an der Universität Konstanz, die 1972 entstand und bis heute als Beispiel seiner künstlerischen Vision gilt. Die Plastik, die aus alltäglichen Materialien besteht, verwischt die Grenzen zwischen Skulptur und Raumgestaltung.

Die Verwendung von Spulen, die oft mit der Textilindustrie assoziiert werden, schafft eine interessante Verbindung zur industriellen Produktion und Handwerkskunst – ironischerweise an einem Ort der Universität, der nicht mit Handwerk in Verbindung steht. Die Anordnung der weißen, roten, gelben und blauen Spulen erzeugt eine visuelle Dynamik und lädt den Betrachter ein, das Werk aus verschiedenen Perspektiven zu erkunden.

Besonders bemerkenswert ist die Interaktivität: Besucher können durch das Kunstwerk hindurchlaufen und es von innen betrachten. Bechtold fordert damit den Betrachter auf, aktiv an der Erfahrung teilzunehmen. Zudem beeinflusst die „Spulenplastik“ den Raum selbst und eröffnet eine neue Dimension des Sehens, die über das bloße Betrachten hinausgeht.

 

 

Nachdem wir euch verraten haben, dass die seltsamen Plastikteile industrielle Spulen sind, würden wir uns freuen, wenn ihr uns in den Kommentaren mitteilt, was ihr bisher in diesen Elementen entdeckt habt.

 

Theater Konstanz

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Deutsch, Historische Gebäude

Vier Jahre Theaterglück

Ich war Teil eines Theaters, das vor kreativer Lust zu explodieren drohte, und alle, die da verantwortlich waren, fühlten sich ausschließlich dem Theatermachen verpflichtet; man selber war mittendrin und trug mit an dieser Verantwortung und wurde mit Respekt belohnt und mit Vertrauen. Die Frage „Wo ist denn Konstanz?“ stellte sich längst nicht mehr. Konstanz war der Nabel meiner Theaterwelt geworden; Ausflüge nach Zürich bestätigten die selbstbewusste Gewissheit, dass der Geist, der unsere Arbeit durchwehte, ein besonderer sei. Das Theater war längst in die Stadt gewuchert – Fabriken, Badepavillons, Lokschuppen. Friedliche Übernahmen noch und noch, die Phantasie erhielt Flügel. Am gegenüberliegenden Ufer des Sees eine Bootslagerhalle, im Sommer naturgemäß leerstehend. Da musste Leben hin – unser Begriff von Leben war Theater.

– Helmut Mooshammer, Schauspieler, 1987 – 1991 in Konstanz.

Und der Vorhang geht auf! Das Theater in Konstanz ist mit ein paar kleinen Lücken, die am längsten bespielte Bühne Deutschlands. Seit über 400 Jahren wird hier Kreativität, Kunst und Leidenschaft ausgeübt. 1607 wurde der Grundstein für die Schule des Konstanzer Jesuitenkollegs gelegt und somit der erste Schritt in Richtung Konstanzer Theater getan. Der Jesuitenorden, zuerst nur auf religiös-missionarischer Mission, nahm sich der säkularen Bildungsarbeit an und gründete bald darauf eine Schule. Die Theateraufführungen dienten hier als Übung und Lernmethode für den Lateinunterricht und wurden in der Aula aufgeführt. Dementsprechend wurden alle aufgeführten Stücke, die meist von Heiligen oder Märtyrern handelten, bis zur Auflösung des Ordens 1773 in Latein verfasst. (Zum zeitlichen Vergleich: Goethes „Leiden des jungen Werther“ erschien bereits das Jahr darauf.)

Nach der Auflösung des Ordens erwarben 1788 zwei Konstanzer Bürger das Haus und bauten es zu einem Theatersaal um. Dieser wurde bis 1852 an unterschiedliche, wandernde Theatergruppen vermietet und/oder verpachtet. Ab dann änderte sich nur der Besitzer der Bühne, denn die Stadt kaufte das Gebäude auf, setzte aber den Pachtbetrieb bis 1952 fort.

Eine Zeit der Krise tat sich für das Theater Konstanz in der NS-Zeit auf. Ab der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 galt die Stadt Konstanz, aufgrund ihrer Lage, als wertvolle Grenzstadt und „Visitenkarte“ des neuen deutschen Reiches. Da jedoch bei keiner kommunalen Wahl die NSDAP die Mehrheit erreichte, musste eine rasche Propagandierung her. Es wurde beschlossen das alte Theater umzubauen und zu neuem Glanz zu verhelfen. Somit kam es zu einer kurzen Schließung bis zur Neueröffnung am 20. Oktober 1934. Von nun an sollte ein Dreispartentheater entstehen, dass durch Oper/Operette, Ballett und Schauspiel/Komödie das deutsche Kulturgut über die Grenzen hinaus vermittelt. 1941 stand allerdings die nächste Hürde für das Theater an. Der Krieg hatte begonnen und immer mehr Männer und somit auch Schauspieler wurden in die Wehrmacht eingezogen und an die Front geschickt. Dadurch stand die Konstanzer Bühne kriegsbedingt kurz vor der Schließung. Allerdings sollte aufgrund der Nähe zur Schweiz und der Rolle als Grenztheater weitergespielt werden und so mussten wenige Schauspieler in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen.

Ab den 70ern macht sich auch in Konstanz die Aufbruchsstimmung breit und das Theater erlebte einen neuen Aufschwung in der künstlerischen Freiheit und der politischen Erziehungsfunktion. Stücke wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder „Stützen der Gesellschaft“ wurden aufgeführt und für eine kurze Weile spielte man sogar im Audimax der Universität.

In den 80ern nimmt das Theater Konstanz die Form an, wie wir sie heute kennen. Kinder- und Jugendspiele werden über die Jahre in das Programm aufgenommen und bilden nun einen festen Bestandteil. Das Theater Konstanz ist in der Gegenwart angelangt und hat seit seiner Gründung als Jesuitentheater über Wandertruppen bis hin zu der Übergangsform des 20. Jahrhunderts einen turbulenten Wandel hinter sich.

Aktuelles Programm: https://webshop.jetticket.net/theaterkonstanz/Events

Quelle: Nix, Christoph/Bruder, David/Leipold, Brigitte: Hier wird gespielt! 400 Jahre Theater Konstanz. (2007)

Fotos: Sara Rohde

Imperia

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Allgemein, Deutsch, Konstanz entdecken

Als Wahrzeichen bekannt, besticht die sich drehende Imperia im Hafen von Konstanz. Der Künstler Peter Lenk, lebhaft in Bodman, nahm mit der aus Beton gegossenen Figur Bezug auf eine der „Tolldreisten Geschichten“ Balzacs. Die neun Meter hohe Figur hält in ihrer linken und rechten Hand Figuren nach dem Abbild eines Kaisers und Papstes. Hierdurch kann auf die Mäträssenherrschaft der damaligen Zeit verwiesen werden und macht diese sichtbar.

Da Imperias Kopfbedeckung Ähnlichkeiten mit einer Narrenkappe aufzeigt und durch die Kleidung, der zwei im Gesamtverhältnis klein dargestellten Männer, wird hier von der Kurtisane das Machtverhältnis durchschaut und durchbrochen. Die durch diese verschiedenen Elemente aufgezeigte Situation, rief beim Aufstellen, fast direkt neben dem seit 1920 bestehenden Denkmal für Graf Zeppelin, 1993 einen Skandal hervor.

Eine Aufnahme der Imperia von schräg unten.

Imperia, Konstanz: Wikimedia Commons

Nahaufnahme der Papstkarrikatur (Imperia)

Imperia Papstkarrikatur: Wikimedia Commons

Hinweis: Der obenstehende Text wurde der Broschüre ‚Kunst und Food für Erstis‘ aus dem Wintersemester 22/23 entnommen.

 

Zeitreise: Konstanzer Fastnacht

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Allgemein, Zeitreise

In dieser Rubrik steht die geschichtliche Aufarbeitung von Konstanz im Fokus. Hierbei wird das Augenmerk auf die Kultur, Tradition und individuelle Erfahrungen gerichtet. Ob persönliche Geschichten oder die Untersuchung der Entstehung von Bräuchen, eine Reise in fremde Gefühlswelten oder in eine andere Zeit. Es wird von allem etwas geben. Denn das Ziel ist es, Konstanz besser zu kennen und zu verstehen, sodass ein Bezug zur heutigen Zeit hergestellt wird und die Stadt nicht nur erlebt, sondern auch gefühlt werden kann.

 

Fastnacht, Fasnet, Karneval oder Fasching..

Am 11.11 um 11:11 Uhr findet jedes Jahr der Ausruf und Beginn der fünften Jahreszeit statt. Ab dem 06.01 beginnt das Narrentreiben dann so richtig.

In Konstanz wird jedes Jahr die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert.

Die Tradition der Fastnacht entstammt ursprünglich aus einem heidnischen Volksfest, bei dem die Geister des Winters vertrieben wurden und der Übergang zum Frühling gefeiert wurde.

Doch schon im Mittelalter wurde in Konstanz die Fastnacht, als ein Fest vor Beginn der Fastenzeit gefeiert. Die Fastenzeit geht 40 Tage lang bis Ostern und zuvor wurden alle Lebensmittel gegessen, die nach dem Winter übrig waren, um deren Verderben zu verhindern.

Im 13. Jahrhundert entstand erstmals der Begriff ¨Schmotziger Dunschtig¨. Dies lässt sich auf die in Schmalz ausgebackenen Fastnachtsküchle zurückführen, denn der fettige Schmalz wurde als ¨Schmotz¨ bezeichnet.

Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Festlichkeiten durch Spiele und Umzüge ergänzt.

Bis zu dem 15. Jahrhundert war es nicht üblich sich zu verkleiden. Doch dann gab es einen Wendepunkt in der Fastnachtsgeschichte. Denn mehrere Bischöfe waren der Meinung, dass Fastnacht nichts mit Gott zu tun habe, und die Teilnehmenden gottlos und närrisch seien. Daraufhin begannen die Leute sich zu verkleiden, um unerkannt an den Festen teilhaben zu können. Hierbei waren verschiedene Tiere (Bär, Schwein, Bock oder Storch) ein beliebtes Kostüm, da manche Tiere für bestimmte Sünden standen. Manche nahmen die Kirche wortwörtlich und verkleideten sich als Teufel.

Im 16. Jahrhundert fand eine Reformation der Kirche statt und die Protestanten sprachen sich gegen eine Fastenzeit aus. Dementsprechend fiel der Anlass für die Fastnacht weg, sodass die Festlichkeiten in den Hintergrund verschwanden. (Heute wird noch dort gefeiert, wo die Bevölkerung größtenteils katholisch ist.)

Ab dem 17. Jahrhundert feierten Adelige prunkvolle und extravagante Feste, bei denen kunstvolle Masken und Kostüme getragen wurden. Daraufhin wurden im 19. Jahrhundert diese Festlichkeiten in dem Westen von Deutschland übernommen und als Karneval in Form von Maskenbällen gefeiert.

1879 fand in Konstanz der erste Hemdglonkerumzug statt, eine Tradition die bis heute erhalten blieb. Am Abend des Schmotzigen Dunschtigs findet der Umzug jährlich statt. Die Teilnehmenden sind in weißen Nachthemden und weißen Schlafmützen gekleidet.
Zudem nehmen Schüler*innen von verschiedenen Schulen teil und tragen bemalte und beschriebene Transparente mit sich. Ziel dabei ist es auf humoristische Art mit den Lehrer*innen abzurechnen. Hinter den Schüler*innen laufen mehrere hundert Teilnehmende mit und machen ordentlich Lärm.

(Ansichtskarten aus Privatbesitz)


-Warum die Nachthemden? Es gab eine Zeit, in der wurde den Schüler*innen untersagt, an der Fastnacht teilzunehmen. Jedoch haben sie dies nicht auf sich sitzen lassen und sind in ihrer Nachtwäsche aus dem Haus geschlichen, um mitzufeiern.

An der Universität Konstanz wird seit mehr als 50 Jahren Fastnacht gefeiert. Am Schmotzigen Dunschtig wird die Uni von Narren besucht, hier steht Feierlaune und Musik im Vordergrund. Bunte und kreative Kostüme, sowie gute Laune sind erwünscht.

2025 beginnt die Fastnacht am 27. Februar und geht bis zum 05. März.

Falls ihr mehr wissen wollt über die diesjährigen Festlichkeiten in Konstanz, schaut gerne bei der Konstanzer Info Website vorbei.

Fun fact 1: Fastnacht bedeutet die Zeit vor Anbruch der Fastenzeit.

Fun fact 2: Karneval kommt von dem Wort carnevale und bedeutet so viel wie „Fleisch lebe wohl“ da in der Fastenzeit auf tierische Produkte verzichtet wurde.

Fun fact 3: Ho Narro“ ist ein typischer Narrenruf aus Konstanz.

 

Quelle: Weber, Markus: „Kleine Fastnachtsfibel -Gemeinschaft maskentragender Zünfte und Vereine e.V“. (2007)