Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Kurze Künstlervorstellung: Hermann Hesse

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Allgemein, literarisch

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie Der Steppenwolf, Siddhartha und Demian weltweiten Ruhm. Was viele jedoch nicht wissen: einen prägenden Teil seines Lebens verbrachte er in Gaienhofen, unweit von Konstanz.

Eine fotographische Ansichtskarte vom „Hesse Haus“ um 1910 aus der Kollektion von Markus Wolter.

1904 zog es den frisch verlobten Hesse gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Fotografin Maria Bernoulli, in das kleine Dorf am Bodensee. Beide waren stark vom Gedanken der Lebensreform beeinflusst, d. h. eine Rückbesinnung auf Natur und Simplizität als Gegenentwurf zur fortschreitenden Industrialisierung und dem wachsenden Materialismus in den Großstädten. In diesem Sinne entschieden die zwei sich bewusst für ein abgeschiedenes Leben im 3000-Einwohner- und -Einwohnerinnendorf und verfügten daheim weder über fließendes Wasser oder Elektrizität noch über einen Lebensmittelladen.

So schreibt Hesse selbst in einen Brief an Stefan Zweig:

Gaienhofen ist ein ganz kleines schönes Dörflein, hat keine Eisenbahn, keine Kaufläden, keine Industrie, nicht einmal einen eigenen Pfarrer, […]. Es hat auch keine Wasserleitung, so dass ich alles Wasser am Brunnen hole, keine Handwerker, so dass ich die nötigen Reparaturen im Haus selber machen muss, und keinen Metzger, also hole ich Fleisch, Wurst etc. jeweils im Boot über den See aus dem nächsten thurgauischen Städtchen. Dafür gibt es Stille, Luft und Wasser gut, schönes Vieh, famoses Obst, brave Leute. […]

Die Jahre in Gaienhofen erwiesen sich als besonders produktiv in seinem literarischen Schaffen. So entstanden mehrere Erzählungen sowie die Romane Unterm Rad und Gertrud. Weiterhin stammen auch eine Vielzahl an Gedichten aus dieser Zeit, in denen sich die Landschaft um den Bodensee selbst einschreibt, wie dieses:

Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.

Sie atmen tief, und sie halten
Einer den anderen an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst
In verzehrender Leidenschaft.

Das ruhige, gutbürgerliche Leben mit Familie und Haus war jedoch nicht nur von reiner Idylle geprägt, sondern stand stets im Widerstreit mit persönlichen Umständen und Hesses intrinsischem Verlangen nach einem Leben als Vagabund. Aufgrund dessen zog das Paar im Jahr 1912 weiter nach Bern.

Hermann Hesse reflektiert diese Zeit später wie folgt:

Nun waren wir also richtig für Lebenszeiten eingerichtet und angesiedelt, friedlich stand vor unsrer Haustür der einzige große Baum unseres Grundstücks, […]. Aber die Ewigkeit, für die wir gebaut hatten, dauerte nicht lange. Ich hatte Gaienhofen erschöpft, es war dort kein Leben mehr für mich, ich reiste nun häufig für kurze Zeiten weg, die Welt war so weit da draußen, und fuhr schließlich sogar nach Indien, im Sommer 1911. Die heutigen Psychologen, der Schnoddrigkeit beflissen, nennen so etwas eine ,Flucht‘, und natürlich war es unter anderem auch dies. Es war aber auch ein Versuch, Distanz und Überblick zu gewinnen. […]. Aber das alles genügte nicht. […] allmählich gewöhnten wir uns daran, unser Haus als verkäuflich und unser Gaienhofener Leben als eine Episode zu betrachten.

Bei Interesse kann diese Lebensphase zu ausgewählten Terminen im Mia und Hermann Hesse Haus in Gaienhofen hautnah erlebt werden!

 

Kurze Künstlervorstellung: Bruno Epple

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Deutsch, Kunst & Architektur, literarisch

1931 in Rielasingen geboren, verbrachte Bruno Epple seine Kindheit und Jugend in Radolfzell und besuchte das Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz. Bevor er 2023 in Allensbach verstarb, war er Maler, Dichter und Lehrer am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Konstanz, später am Gymnasium Radolfzell.

Zunächst schrieb er „unbesorgt ins Tagebuch“, später schrieb er, um seine Lyrik und Prosa zu publizieren. Manche seiner Veröffentlichungen sind im sogenannten „Bodenseealemannisch” geschrieben, ein Dialekt, der im südlichen Allgäu bis hin zu einigen schweizerischen Ufergemeinden gesprochen wird. Für diese Art, die alemannische Mundart aufrechtzuerhalten, gewann er 1996 die Johann-Peter-Hebel-Medaille.

Handgeschriebenes Selbstzitat (Gedichtverse, alemannisch) und Unterschrift auf Titelblatt des Buches „reit ritterle reit“, 1979

Urheber: Markus Wolter, lizensiert unter CC4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Epple bindet in seine Texte oft persönliche Konstanz-Anekdoten ein, ob er in „Der Schatten des Hus“ vom Essen Kretzerfilets in Konstanz erzählt oder in „Immer bei Schuberts Musik“ über die Eichhornstraße spaziert. Aus Letzterem eine besonders schöne Passage:

Ich schaue auf, schaue aus dem Fenster: Im Osten ein sanftblauer Himmel, der ins Grünliche abklingt. Schimmert des Sees Silber über den Bäumen? Ich kann’s nicht sagen. Unten liegt der Hof im Schatten, jenseits der Mauer breitet sich Wiese aus, und am Ende der Wiese erhebt sich ein Wall von Buchen und Tannen. Wer mag in dem altertümlichen Haus wohnen, dessen Fassade rötlich erblüht und sanft sich verwandelt unter dem Schein der sich neigenden Sonne? Wie verwunschen.

Seine Malerei erinnert an Kinderbuchillustrationen, mit Figuren, die stets eine ähnlich runde Körperform besitzen und mit intensiven Farben, die berühren. Manche seiner Bilder und Grafiken wurden auch als Ilustrationen in seinen oder den Büchern anderer verwendet. Der Bodensee ist dabei ein gern gewähltes Motiv des Künstlers.

Eine nackte Person mit roten, langen Haaaren steht in einem Zimmer.

Abandonnée

Epple Bruno Abandonnée“ von Arbrealettres& ist lizensiert unter CC BY-SA 2.0.

Die Verbundenheit zum See spiegelt sich ebenfalls in seinem Geschriebenen wider; in den Werken „Seegefilde“, „Den See vor Augen“ und „Vor allem der See“ rekapituliert er seine Kindheitserinnerungen aus der Bodenseeregion. 1991 gewann er den Bodensee-Literaturpreis für „sein literarisches Schaffen“.

Sowohl an Epples Texten als auch an seinen Gemälden kann man viel Freude finden, vor allem, wenn man mit dem „spielerischen Ernst” an sie herantritt, mit dem er sie kreierte!