Hochschulgruppe Uni Konstanz

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Zwischen Weiß und Grau: Warum leise Kunst lange nachwirkt

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Allgemein, Deutsch, Kunst im öffentlichen Raum

Beim Betreten eines Ausstellungsraums fällt der Blick oft zuerst auf die imposantesten, lautesten oder buntesten Werke. Auffällige Farben, großformatige Werke oder spektakuläre Installationen ziehen die Aufmerksamkeit meist automatisch auf sich. Doch was passiert, wenn genau das fehlt? Wenn eine Ausstellung stattdessen dazu einlädt, den Blick zu entschleunigen und auf Unaufdringlichkeit setzt?

Genau hier setzt die aktuelle Ausstellung „WEISS AUCH, GRAU, VIELLEICHT SCHILLERND“ im Kunstverein Konstanz im Kulturzentrum am Münster an.

Die Ausstellung ist dort vom 25.07.2026 bis 20.09.2026 zu sehen und zeigt Arbeiten von Christiane Dessecker, Katharina Hinsberg, Leonie Mertes und Jaeyun Moon. Obwohl jede der vier Künstlerinnen eine eigene Bildsprache entwickelt, verbindet sie die Auseinandersetzung mit dem Medium Zeichnung. Dabei wird diese nicht nur als Linie auf Papier verstanden, sondern auch als Geste, Struktur und körperliche Bewegung.

Zu Beginn macht der Titel der Ausstellung einen subtilen Eindruck. Weiß und Grau gelten eher als neutrale Farben: minimalistisch, beinahe unscheinbar. Gerade darin liegt jedoch eine fesselnde Fragestellung: Was geschieht mit unserer Wahrnehmung, wenn die Farbe nicht mehr im Mittelpunkt steht? Wie viel Aufmerksamkeit braucht ein Kunstwerk, bevor sich seine Wirkung entfaltet?
Nicht jedes Werk erschließt sich auf den ersten Blick. Manche Arbeiten entfalten ihre Wirkung erst nach und nach und fordern dazu auf, länger stehen zu bleiben. Gerade darin liegt eine besondere Qualität zeitgenössischer Kunst: Sie gibt selten eindeutige Antworten, sondern eröffnet Raum für unterschiedliche Perspektiven und individuelle Wahrnehmungen. Dabei stellt sich fast automatisch die Frage, was wir eigentlich von einer Ausstellung erwarten – eine klare Botschaft oder vielleicht einfach die Gelegenheit, genauer hinzusehen?

Die Ausstellung zeigt, dass zeitgenössische Kunst weder laut noch spektakulär sein muss, um zum Nachdenken anzuregen. Vieles sieht man hier erst nach genauerem Hinsehen: Licht verändert Oberflächen, Materialien beginnen je nach Blickwinkel zu schimmern und kleine Details treten langsam hervor. Was zunächst schlicht wirkt, entwickelt mit der Zeit eine überraschende Dynamik. Besonders eindrücklich erscheint in diesem Zusammenhang die Arbeit von Christiane Dessecker. Während der Corona-Pandemie hielt sie das tägliche Infektionsgeschehen zeichnerisch fest und arbeitete je nach Höhe der Fallzahlen mit unterschiedlich harten Bleistiften. Weiche Linien stehen für Verletzlichkeit und Unsicherheit, härtere Striche für Hoffnung und Zuversicht. Eine großformatige Arbeit, die nicht nur Zahlen festhält, sondern auch die emotionale Erfahrung einer Zeit sichtbar macht, deren Nachwirkungen bis heute zu spüren sind.

Im Alltag entscheiden oft nur wenige Sekunden darüber, ob wir einem Bild Aufmerksamkeit schenken oder weiterscrollen. Umso ungewohnter wirkt eine Ausstellung, die genau das Gegenteil verlangt: Zeit. Manche Werke entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn der Blick verweilt. Es werden keine vorgefertigten Antworten geliefert, sondern die Möglichkeit eröffnet, die eigene Wahrnehmung neu zu entdecken.

Zwischen Zeichnung, Material, Bewegung und schillernden Nuancen entsteht ein Raum, der weniger erklärt als zum genauen Hinsehen einlädt und gerade genau deshalb lange nachwirkt.

LKM WERKSCHAU – was wird gezeigt?

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Allgemein, LKM Werkschau 2026

Der Studiengang Literatur, Kunst und Medien ist wissenschaftlich-analytisch ausgerichtet, zugleich entstehen in Praxisseminaren zahlreiche spannende und einzigartige Projekte. In der LKM-Werkschau werden diese Arbeiten präsentiert und erhalten den Raum, gesehen zu werden. Für alle, die sich noch nicht genau vorstellen können, was sie dort erwartet, gibt dieser Beitrag einen kleinen Einblick in die Projekte, die es zu entdecken, zu hören, zu lesen und zu analysieren gibt. Und für alle, die wissen möchten, wann und wo diese Arbeiten zu erleben sind, finden sich am Ende die wichtigsten Termine – also dranbleiben.

Eines der vorgestellten Projekte ist „Experimentelle Audioproduktion im Hörspiel“. Seit den 1920er-Jahren eröffnet das Hörspiel einen auditiven Experimentalraum, in dem Stimme, Geräusche und Musik ein Hörerlebnis schaffen, das fesselt, herausfordert und involviert. Während Hörspiele zunächst live gespielt und gesendet wurden, bieten Streaming sowie digitale Aufnahme- und Bearbeitungstechniken heute vielfältige neue Möglichkeiten, die es zu erkunden und kritisch zu reflektieren gilt. Die besondere Herausforderung besteht weiterhin darin, Atmosphäre zu erzeugen und verschiedene Handlungsstränge allein durch Klang, ohne visuelle Unterstützung überzeugend miteinander zu verbinden, sowohl erzählerisch als auch technisch. Im Seminar wurden zahlreiche Hörspiele analysiert und zentrale Techniken zur Erzeugung unterschiedlicher Stimmungen herausgearbeitet. Zum Abschluss entstanden in Kleingruppen eigene Produktionen, in denen das erarbeitete Wissen praktisch umgesetzt wurde.

Ein weiteres Projekt widmet sich dem Fotobuch. Seit einigen Jahren ist hier ein deutlicher Boom zu beobachten: Neben kostengünstigen Self-Publishing-Formaten erscheinen aufwendig gestaltete Künstlerbücher mit besonderen Papieren, Formaten und drucktechnischen Veredelungen. Als eigenständige künstlerische Form haben sich Fotobücher längst etabliert; häufig entstehen die Fotografien eigens für ein klar konzipiertes Buchprojekt. Zugleich blicken Fotobücher auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 19. Jahrhundert und besonders im Kontext der Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts wurden Werke veröffentlicht, die die Fotografie nachhaltig geprägt haben – nicht zuletzt durch innovative Gestaltungsformen und neue Bildsprachen. Im Sommersemester 2024 wurden zentrale Stationen dieser Entwicklung anhand bedeutender Beispiele nachvollzogen, theoretische Grundlagen erarbeitet und eigene Projekte entwickelt, die für das Ausstellungsformat entsprechend angepasst wurden.

Auch in den ersten beiden Semestern des Studiengangs werden nicht nur theoretische Grundlagen vermittelt, sondern Studierende realisieren bereits eigene Projekte. Dazu gehört etwa das sogenannte „Tableau Vivant“: die Inszenierung bekannter Gemälde, Skulpturen oder historischer Szenen durch kostümierte Personen, die absolut stillstehen. Dabei kann der Kreativität freien Lauf gelassen werden und es entstehen Jahr für Jahr eindrucksvolle Bildkompositionen.

Neugierig geworden? Dann komm vorbei.

Die Vernissage findet am 09.04.2026 um 18:30 Uhr im H-Gebäude, 3. OG, an der Universität Konstanz statt. Die Ausstellung ist vom 10.04. bis 17.04.2026 im Foyer des A-Gebäudes der Universität Konstanz zu sehen.

 

Es wird sich auf zahlreiche Besucher:innen gefreut und darauf, Einblicke in Studium und Arbeiten geben zu dürfen.