Mitten in der Konstanzer Altstadt erhebt sich ein Gebäude, das täglich von unzähligen Menschen passiert wird. Umgeben von den historischen Häusern der Innenstadt und geschmückt mit einer imposanten Wandmalerei zieht es immer wieder die Blicke von Passant*innen auf sich. Doch was verbirgt sich hinter diesem eindrucksvollen architektonischen Bau?

Historie vom Rathaus

Das Konstanzer Rathaus blickt auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der Stadt verknüpft ist. Ursprünglich diente das Gebäude im Jahre 1478, unter dem Namen „Alte Salzscheibe“, als Zunfthaus bis es nach Auflösung der Zünfte 1559 zunächst als Bildungsstätte für Latein verwendet wurde. Im Jahr 1592 erwarb die Stadt das Anwesen und erweiterte es schrittweise zum heutigen Rathauskomplex. In den folgenden 250 Jahren befand sich hier die Stadtkanzlei und damit das administrative Zentrum von Konstanz.

Stilelemente der Renaissance

Besonders bemerkenswert ist das Rückgebäude im Innenhof, das im Stil der venezianischen Renaissance gestaltet wurde. Prägend für diese Architektur sind die Prinzipien der Harmonie und Symmetrie, die auf den Idealen der Antike basieren. Auffällig sind vor allem die beiden Ecktürme, welche das Gebäude flankieren und den zentral angeordneten Mittelgiebel betonen. Dieser ist reich mit renaissance-typischen Voluten und Ornamenten geschmückt. Die Gestaltungselemente der Renaissance lassen sich auch an den Zwillingsfenstern erkennen, deren Gewände von Kleinsteinbögen auf toskanischen Halbsäulen getragen werden. Zusammen mit den Butzenscheibenfenstern entsteht ein harmonisches Zusammenspiel unterschiedlicher geometrischer Formen. Im Erdgeschoss dient der mittlere der drei Rundbögen als Portal in den zweiten Innenhof, an dessen rechter Seite sich das sogenannte „Haus zum Thurgau“ befindet.

Fotografische Aufnahme des Hintergebäudes im Innenhof

Fotografisch Aufnahme der Vorderfassade des Rückgebäudes im Innenhof, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Ähnliche Stilelemente finden sich auch am Vordergebäude. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Straßenfassade in späterer Zeit bewusst an die bereits bestehende Renaissancearchitektur des Rückgebäudes angepasst wurde. So begegnen uns auch hier reich verzierte Giebel mit Voluten, Zwillings- und Drillingsfenster mit toskanischen Halbsäulen sowie Rundbogenarkaden im Erdgeschoss.

Besonders hervorzuheben sind jedoch die historischen Fresken über den Arkaden der Vorderfassade. Sie wurden 1864 von Ferdinand Wagner geschaffen und stellen bedeutende Ereignisse sowie Persönlichkeiten der Konstanzer Stadtgeschichte dar. Die dargestellten Szenen reichen vom Friedensschluss Kaiser Friedrich Barbarossas mit den lombardischen Städten im Jahr 1183 bis zum Kampf der Spanier auf der Rheinbrücke im Jahr 1548. Somit bekommt die Fassade ein unverwechselbares Erscheinungsbild, welches die Geschichte der Stadt unmittelbar sichtbar macht.

Aufnahme von der Vorderseite des Konstanzer Rathauses auf der Kanzleistraße in der Altstadt. Perspektivisch von rechts aufgenommen.

Fotografische Aufnahme von der Vorderfassade des Konstanzer Rathauses, ©Luca Griffiths

Trotz der deutlichen Einflüsse der italienischen Renaissancearchitektur zeigen sich sowohl am Vorder- als auch am Rückgebäude Besonderheiten, die aus der Verschmelzung mittelalterlicher Bausubstanz mit den später adaptierten Stilprinzipien der Renaissance hervorgegangen sind. Zwar ist das nach Symmetrie strebende Prinzip durch die zentral angeordneten Giebel besonders betont, doch setzt sich diese Strenge in den unteren Geschossen nicht konsequent fort. Dadurch verschieben sich die Mittelachsen der Fassaden leicht und verleihen dem Bauwerk eine gewisse Asymmetrie, die von den strengen Idealen der Renaissance abweicht.

Nichtsdestotrotz bleibt das Konstanzer Rathaus eines der eindrucksvollsten Gebäude der Altstadt. Gerade in den Sommermonaten, wenn der Rathaushof regelmäßig für Opernkonzerte genutzt wird, entfaltet der historische Komplex seinen besonderen Charme. Doch auch abseits solcher Veranstaltungen lohnt sich ein Besuch, da der Innenhof jederzeit frei zugänglich ist und zum Verweilen einlädt:  etwa, um an einem Sommertag gemütlich ein Eis zu genießen.