Die Enthüllung leitet sich von dem Wort „enthüllen“ ab, dem Akt, von etwas die Verhüllung zu nehmen, um das Verborgene sichtbar zu machen. Dem gegenüber steht das „Unenthüllbare“. Ein Begriff, der an ein Geheimnis erinnert, das sich nicht lüften lässt. Den Betrachtenden bleibt etwas verborgen und es entzieht sich unserem Blick. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf besteht die Skulptur Das Unenthüllbare an der Universität Konstanz.
Von dem 10. September bis zum 6. Oktober 1979 fand in Freiburg im Breisgau das Freiburger Symposium des Kunstvereins Freiburg statt. Unter dem Leitthema „Holz und Kunst“ nahm der Bildhauer Ludwig Köhler, geboren 1955 in Stockach, mit seiner Skulptur Das Unenthüllbare teil. Im Jahr 1982 erwarb die Universität Konstanz die Skulptur für den naturwissenschaftlichen Bereich ihrer Bibliothek. Ausschlaggebend war der sinnbildliche Verweis auf das Streben der Naturwissenschaften nach Erkenntnis, Erklärung und dem Versuch, Geheimnisse zu entschlüsseln. Seitdem steht die 3,80 Meter hohe Skulptur im Eingangsbereich der N-Bibliothek.
Beim Betreten der Bibliothek fällt der Blick unweigerlich auf die große Skulptur mit ihrer starken Präsenz. Ein langes, weißes Tuch umhüllt einen schmalen, sehr hohen Gegenstand, dessen Gestalt sich nicht eindeutig erschließen lässt. Das Tuch ist an vier Enden mit echten Seilen an großen Nägeln befestigt, die in eine Holzplatte am Boden geschlagen sind. Der verborgene Gegenstand bleibt dauerhaft verborgen, das Geheimnis wird nie gelüftet. Lediglich am unteren Ende der Skulptur eröffnet sich ein kleiner Einblick: Dort ist ein geschwärzter Baumstamm zu erkennen, da das Tuch den Boden nicht berührt.
Die Skulptur ist vollständig aus dem Stamm einer Pappel gearbeitet und spielt bewusst mit einer Materialtäuschung. Das scheinbar weiche, weiße Tuch besteht in Wahrheit aus Holz und wirkt dennoch täuschend echt. Erst bei näherer Betrachtung werden die feinen Bearbeitungsspuren sichtbar. Ludwig Köhler bedient sich hier des Kunstgriffs des Trompe-l’œil („Augentäuschung“), bei dem Holz so gestaltet wird, dass es ein anderes Material imitiert. Auf diese Weise verstärkt sich der Eindruck des Ungewissen und Unenthüllbaren, der das Werk bis heute prägt.