Treppenaufgang und Kryptazugänge

Heute führt vom Mittelschiff ein zentral gelegener breiter Treppenaufgang zum Vierungsbereich hinauf. Der Aufgang beginnt bereits im letzten Drittel der östlichen Arkadenöffnung und endet 166 cm und 10 Stufen höher auf der Ebene vor dem Triumphbogen. Diese erstreckt sich von dort aus über die Vierung, von der aus weitere Stufen zum Chorbereich führen. An beiden Seiten des ... mehr anzeigenHeute führt vom Mittelschiff ein zentral gelegener breiter Treppenaufgang zum Vierungsbereich hinauf. Der Aufgang beginnt bereits im letzten Drittel der östlichen Arkadenöffnung und endet 166 cm und 10 Stufen höher auf der Ebene vor dem Triumphbogen. Diese erstreckt sich von dort aus über die Vierung, von der aus weitere Stufen zum Chorbereich führen. An beiden Seiten des Treppenaufgangs geleiten je zwei Stufen vom Bodenniveau des Mittelschiffes aus zu den Eingängen der Krypta hinab, die in einem tonnengewölbten Querstollen münden, von dem aus ein Längsstollen den Weg in die Hallenkrypta weist.

An den seitlichen Treppenwangen der beiden Kryptazugänge konnte der gleiche Mörtel festgestellt werden, der auch in der Krypta verwendet wurde. Die Anlage ist daher als eine in sich geschlossene Einheit aufzufassen und bildet den Kern des ältesten Kirchenbaus. Unter dem breiten Treppenaufgang konnte ein älteres Fenster nachgewiesen werden (Fenestella) Dies setzt einen ursprünglich zweiläufigen Treppenaufgang zum Chorraum zu beiden Seiten des Fensters voraus. Diese Dualität, die sich auch in den beiden Zugängen zur Krypta als Ein- und Ausgang der prozessierenden Geistlichen wiederfindet, betont die Krypta mit dem Schädel des hl. Georg und zahlreichen weiteren Reliquien als sakrales Ziel und Fundament der Kirche.

Mit dem Einbau des Lettners Anfang des 14. Jahrhunderts wurden die Reliquien neu verteilt. Die Georgsreliquie wurde in den Hochaltar verlegt und die Krypta verlor ihre Bedeutung als sakrales Zentrum eines in sich geschlossenen, topologischen Systems. Nach 1615 wurde die Fenestella schließlich zugemauert und der breite Treppenaufgang in seiner heutigen Form errichtet. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 2 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 38 (Detail, ergänzte Markierung)

    Ursprünglich war der Treppenaufgang zweiläufig: In seiner Mitte gab ein kleines Fenster, die Fenestella. Diese bot einen Einblick in den Stollen, der zur Krypta - dem sakralen Fundament der Kirche - führt. Der rot unterlegte Bereiche des Treppenschemas markiert die ungefähre Position der Maueröffnung und das mögliche Erscheinungsbild des zweiläufigen Treppenaufgangs. Aufgrund übereinstimmender Materialfunde in der Krypta konnte festgestellt werden, dass die Fenestella nach 1615 zugunsten eines breiten Treppenaufgangs zugemauert wurde.

  • Abb. 2 von 2 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 64

    Die ab 1300 vorgenommenen gotischen Umbauten stehen für eine Neukonzeption des sakralen Raums. In der ersten Phase waren alle Raumteile durch Wege und Öffnungen miteinander verbunden. Mit Einbau des Lettners wird ein exklusiver Zugang zum Hochaltar geschaffen und Krypta und Hochchor voneinander getrennt. Für die Laien ist der Himmel nun nur noch optisch erreichbar.