Spuren des Lettners

Steht man vor dem südlichen Seitenaltar, wendet seinen Blick nach rechts und schaut nach oben, kann man Beschädigungen der Wand erkennen. Die Unebenheiten und Brüche des bemalten Grundes weisen auf den ehemals zwischen Mittelschiff und Vorchor befindlichen Lettner hin. Er wurde Anfang des 14. Jahrhunderts eingebaut, nachdem sich auch Laien und Handwerker auf der ehemals den Mönchen ... mehr anzeigenSteht man vor dem südlichen Seitenaltar, wendet seinen Blick nach rechts und schaut nach oben, kann man Beschädigungen der Wand erkennen. Die Unebenheiten und Brüche des bemalten Grundes weisen auf den ehemals zwischen Mittelschiff und Vorchor befindlichen Lettner hin. Er wurde Anfang des 14. Jahrhunderts eingebaut, nachdem sich auch Laien und Handwerker auf der ehemals den Mönchen vorbehaltenen Insel angesiedelt hatten und St. Georg in eine Pfarrkirche umgewandelt wurde. Seine Existenz ist bis 1819 bezeugt, danach wurde er abgebrochen. Ein Lettner hat die Aufgabe, den Raum der Geistlichen vom Raum der weltlichen Gemeinde zu trennen. Vielleicht waren die an den Wänden angebrachten Steintondi Teil dieses Lettners.

Mit Einbau des Lettners wurden die östlichen Bildszenen bis zu der Stelle übermalt, an der der Lettner begann. Heute lässt sich seine ursprüngliche Position an den nachträglich wieder geschlossenen Fehlstellen erkennen. Stellen, die bei der letzten Restaurierung ergänzt wurden, sind durch ein Muster aus Farbpunkten (Abb. 3) markiert. Restauratoren verwenden diese Technik, um Eingriffe und Ergänzungen für die Nachwelt kenntlich zu machen. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 204

    Am nördlichen Teil der Triumphbogenwand brach man im Zuge des Lettnereinbaus in ca. 165 cm Höhe den Mörtel der älteren Bauperiode heraus, um Aufleger für den Lettner in die Wände einzulassen. Die in dieser Aufnahme im Streiflicht erkennbaren nachträglichen Mörtelergänzungen verweisen auf diese Baumaßnahme.

  • Abb. 2 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 205 (Detail)

    An dieser Darstellung des östlichen Teils der Südwand sieht man den fragmentarisch vorliegenden gotischen Mörtel, dessen Anbringung mit dem Bau des Lettners zusammenfällt.

  • Abb. 3 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 80g

    In dieser Abbildung des Wunderzyklus, der Heilung des Aussätzigen, finden sich in der linken Bild-hälfte Spuren des Lettners. Das aus Farbpunkten bestehende Muster weist auf Fehlstellen hin, die im Zuge der letzten Restaurierung ergänzt wurden. Die Restauratoren haben sie bewusst markiert, um Veränderungen des Originalzustands kenntlich zu machen.