Ecce Homo

Die Holzskulptur auf einem Wandsockel im südlichen Seitenschiff zeigt einen Ecce Homo, also ein Andachtsbild des verwundeten Christus mit Dornenkrone. Die Skulptur wird in die Spätgotik datiert, wofür einige stilistische Besonderheiten sprechen. Dazu gehört der eingefallene Körper Jesu, genau wie der besonders schmerzerfüllte Gesichtsausdruck. Der Ausdruck Ecce Homo (lat. für „Siehe, ... mehr anzeigenDie Holzskulptur auf einem Wandsockel im südlichen Seitenschiff zeigt einen Ecce Homo, also ein Andachtsbild des verwundeten Christus mit Dornenkrone. Die Skulptur wird in die Spätgotik datiert, wofür einige stilistische Besonderheiten sprechen. Dazu gehört der eingefallene Körper Jesu, genau wie der besonders schmerzerfüllte Gesichtsausdruck. Der Ausdruck Ecce Homo (lat. für „Siehe, der Mensch.“) geht auf die Bibelstelle Jh 19,4-6 zurück. Pilatus führt mit diesem Ausspruch den gepeinigten Jesus dem Volk vor, welches daraufhin dessen Kreuzigung fordert. Charakteristisch für solche Darstellungen sind die stark ausgeprägten Verwundungen am Kopf, nicht jedoch Nagelmale an den Gliedmaßen oder eine seitliche Lanzenwunde, wodurch deutlich wird, dass ein Moment vor der Kreuzigung dargestellt ist. Der Ecce Homo ist typischerweise mit einem Schilfrohr ausgestattet, welches in der Bibel ein zusätzliches verspottendes Attribut des Dornenkönigs darstellt. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 3 - Bildquelle: Katja Sieg

    Ecce Homo, Holzskulptur, 159/39/30 cm

    Die heutige Fassung der Skulptur geht vermutlich auf die 1920er Jahre zurück. Der Versuch einer Neufassung des Kunstmalers Olesch wurde 1954 als „unbefriedigend“ abgetan. Die gesamte Haut der Figur zeigt sich ausgehend von der Dornenkrone über die schon blutüberlaufenen Augen und Haare mit Wunden übersät, so dass die Übergänge vom verspotteten Christus zum Gekreuzigten als „Schmerzensmann“ fließend sind.

  • Abb. 2 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 59 (Detail)

    Vor 1868/69, in den Zeiten des barocken Hochaltars, stand die Figur in einer Rundbogennische im östlichen Pfeiler der Südseite über dem Weihwasserbecken, wie noch auf dem um 1885 entstandenen Foto von G. Wolf zu sehen ist. Sie bildete das Pendant zu der Pietà auf der Nordseite. Heute sind die Nischen durch Halbsäulen verschlossen.

  • Abb. 3 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Tafel 31 (Detail, ergänzte Markierung)

    An den Figurenobjekten, die sich heute an den beiden Seitenschiffwänden befinden, zeigt sich, wie sich die Gestaltungsprioritäten in einer Kirche über die Epochen hinweg wandeln. Die gotischen Darstellungen (hier blau markiert) Ecce Homo, Pietà und die Ölbergszene setzen deutlich die Leidensgeschichte Jesu in Szene, während die barocken Skulpturen die Erhabenheit und den Sieg des Göttlichen darstellen. Gerade dieses Wechselspiel zwischen Stil und Bildkonzepten kann in der heutigen Anordnung der Objekte gut nachvollzogen werden. Die Kirche wird zu einem Ort, der den Wandel einer durch Kunstwerke angeleiteten Frömmigkeit erfahrbar macht.