Südlicher Seitenaltar mit Reliquieneinlass

Die im Vorchor platzierten, schlicht quaderförmigen Seitenaltäre weisen Besonderheiten auf, die erst bei genauer Betrachtung auffallen. Wie sein nördliches Pendant besteht der südliche Altar aus Sandsteinquadern und Mauerwerk. Beide Elemente setzen auf einem älteren Sandsteinboden auf und sind mit einer hellen, grobkörnigen Mörtelschicht bedeckt. An der Vorderseite kann man eine ... mehr anzeigenDie im Vorchor platzierten, schlicht quaderförmigen Seitenaltäre weisen Besonderheiten auf, die erst bei genauer Betrachtung auffallen. Wie sein nördliches Pendant besteht der südliche Altar aus Sandsteinquadern und Mauerwerk. Beide Elemente setzen auf einem älteren Sandsteinboden auf und sind mit einer hellen, grobkörnigen Mörtelschicht bedeckt. An der Vorderseite kann man eine Verputzung neueren Datums erkennen. Sie verbirgt ein sekundär vermauertes Reliquiengelass, in dem ein Metallkästchen aufgefunden wurde. Es war von einer Tonummantelung umgeben, die an sieben Kanten gebrochen war. Das Schriftstück (Abb. 3) im Kästchen gibt darüber Auskunft, dass der Konstanzer Weihbischof Heinrich die Echtheit der aufbewahrten Reliquien im Januar 1401 mit seinem persönlichen Siegel beurkundet hat. Auch an der linken Seite des Altars befindet sich eine verputze Einlassung (Abb. 2). Hinter dieser verbirgt sich eine eingemauerte Säule mit Würfelkapitell. Untersuchungen zufolge wurde sie auf dem Kopf stehend eingemauert. Warum sich die aus dem späten elften oder frühen zwölften Jahrhundert stammende Säule dort befindet, ist bis heute nicht geklärt. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 218a

    Frontalansicht des südlichen Seitenaltars

    In der Mitte sieht man die Einlassung für die Reliquien, die im Laufe der Zeit mehrfach umgelagert worden sind. Mit der Schließung des Sepulcrums im Jahr 1308 wurden viele Reliquien in den neu errichteten Hochaltar umgebettet. Auch die Seitenaltäre wurden nun mit Reliquien bestückt. Dies sollte jedoch noch nicht das Ende ihrer Reise sein: Mit dem Bau eines Altars in der Krypta im Jahre 1588 fanden einige Reliquien wieder den Weg zurück in die „Unterkirche“.

  • Abb. 2 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 218c

    Links unten an der Seitenwand des Altars erkennbar ist die verputzte Einlassung, hinter der sich eine kleine Säule befindet. Aufgrund ihrer Größe und Form lässt sich vermuten, dass sie ihre erste Verwendung in der Arkade eines Fensters oder einer anderen Öffnung des Kircheninnenraums fand.

  • Abb. 3 von 3 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 220a und 220b

    Die im Reliquienkästchen aufgefundene Urkunde des Weihbischofs Heinrich samt Siegel aus dem Jahr 1401 beglaubigt die Echtheit der umgebetteten Reliquien. Der lateinische Text gibt Auskunft, dass sich in den Säckchen sterbliche Überreste der hl. Fidelis, des hl. Georg und des hl. Gallus befinden sollen.