Ornamentstreifen im Mittelschiff

Die Wunderszenen im Mittelschiff werden durch insgesamt acht vertikale Ornamentstreifen unterteilt. Es gibt vier Grundmuster, die symmetrisch auf Nord- und Südseite verteilt sind. In jedem Fries wird ein Grundmotiv mit einer Breite von ca. 25 cm zehnmal wiederholt. Eine Ausnahme stellen die beiden siebenteiligen Vogelfriese dar.

Die Ornamentstreifen untergliedern die Wand nach den ...

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Die Wunderszenen im Mittelschiff werden durch insgesamt acht vertikale Ornamentstreifen unterteilt. Es gibt vier Grundmuster, die symmetrisch auf Nord- und Südseite verteilt sind. In jedem Fries wird ein Grundmotiv mit einer Breite von ca. 25 cm zehnmal wiederholt. Eine Ausnahme stellen die beiden siebenteiligen Vogelfriese dar.

Die Ornamentstreifen untergliedern die Wand nach den Erfordernissen der Bilderzählung. Die Wunderszenen sind unterschiedlich groß. Ihre vertikale Trennung ist nicht auf die architektonischen Vorgaben von Arkaden und Fenster bezogen. Während die narrativen Bilder den Raum mit starken Richtungsbezügen aufladen – an der Nordwand begleiten sie den Weg in die Kirche hinein, an der Südwand den Rückweg aus der Kirche heraus – bilden die Ornamentstreifen ein statisches und symmetrisch aufgebautes System. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 5 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 599, 602, 608 und 612

    Da sich die Motive der Ornamentstreifen auf der Nord- und Südseite weitgehend entsprechen, werden diese zusammenfassend betrachtet. Die Nordwand wird mit dem Akanthusrankenfries eingeleitet, gefolgt von einem Rosettenfries, einem Vogelfries und zuletzt einem Kreisrankenfries mit Akanthusblättern. Im Osten schließt eine rote Bandelierung in Anlehnung an die Ornamentrahmung die Wunderszenen ab. Die Forschungsergebnisse der letzten Restaurierung lassen jedoch vermuten, dass sich die Bildszene bis in den Eckbereich fortgesetzt hat.

  • Abb. 2 von 5 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 599 (Detail)

    Detail Akanthusrankenfries

    Dieser erste Ornamentstreifen besteht aus Wellenranken mit s-förmig eingedrehten Verzweigungen. Die ursprüngliche Farbgebung setzte ockergelbe Ranken auf einen weiß getünchten Grund. Die Grundformen der einzelnen Blätter weisen eine dunkelrote Kontur- und Binnenzeichnung auf. Der Stamm enthält lineare Weißhöhungen, die die Blattansätze markieren. Die Ranken münden in dreiteilige, akanthusähnliche Blätter. Der malachitgrüne Hintergrund ist auf eine Fehlinterpretation des gotischen Bestandes bei der Übermalung durch Mezger im Jahre 1921/22 zurückzuführen.

    Es konnten keine Konstruktionshilfen nachgewiesen werden, jedoch wird auf Grund der hohen Gleichmäßigkeit in den Abständen und Rundungen eine Kreiseinteilung vom Mittelpunkt der Ornamente aus vermutet.

  • Abb. 3 von 5 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 602 (Detail)

    Detail Rosettenfries

    Der Rosettenfries verbindet 10 kreisförmige Ornamente miteinander. Jeder Kreis beinhaltet achtblättrige Rosetten, die Blattfarben wechseln zwischen ockergelb und grau-schwarz. Die Blätter werden von einem Medaillon umgefasst, das in einem hellen Rotton ausgemalt wurde. Im selben Farbton erhielten die gelben Blätter einen Mittelsteg. Zeitgleich wurde vermutlich auch die rote Bandelierung angelegt. Wie beim Akanthusrankenfries wurde das Ornament mit Weißhöhungen an den Blättern und am roten Medaillon vervollständigt.

    In diesem Fall konnten auch Konstruktionshilfen nachgewiesen werden. In den Mitten der Rosetten befinden sich Einstichpunkte. Die heute sichtbaren Ritzungen der Kreisformen sind allerdings auf die Ergänzungen von Schilling oder Mezger zurückzuführen.

  • Abb. 4 von 5 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 608 (Detail)

    Detail Vogelfries

    Die sieben Medaillons bestehen aus zwei sich überschneidenden Kreisformen mit mittig platzierten Vogeldarstellungen. Die sichelförmigen Flächen darüber und darunter sind mit radialen, perspektivisch wirkenden Strahlen versehen, während die Zwischenräume um die Medaillons mit Blattornamenten gefüllt sind. Der heute sichtbare Malereibestand ist auf Schilling und Mezger zurückzuführen.

    Der Vogelfries markiert auf Nord- und Südwand die vertikale Mittelachse der vier Bildfelder. Er unterscheidet sich von den anderen Ornamentstreifen bereits dadurch, dass nicht zehn, sondern sieben Motive übereinander dargestellt wurden. Sie werden nicht seriell wiederholt, sondern unterscheiden sich – sowohl innerhalb eines Streifens, als auch beim Vergleich von Nord und Südwand. Dies deutet auf die besondere ikonographische Bedeutung dieser Motive: sieben Vögel sind ein häufig verwendetes Motiv für die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und zuletzt

  • Abb. 5 von 5 - Bildquelle: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, in: Jakobs 1999, Abb. 612 (Detail)

    Detail Kreisrankenfries mit Akanthusblättern

    Hier sind zehn Kreisranken in abwechselnder Farbreihenfolge sichtbar. Aus jeder Ranke wachsen unterschiedlich große Akanthusblätter, wodurch das Hauptmotiv aus dem einleitenden Ornamentstreifen wieder aufgegriffen wird. Die grüne Rücklagenfläche ist auf gotische Übermalungen und von Mezger vollzogene Lasur (1921/22) zurückzuführen.

    Auffallend ist, dass die Weißhöhungen unabhängig von einem Schema erstellt wurden, obgleich sie das Ornament prägen. Damit entstehen trotz der bereits angesprochenen Serialität und Symmetrie, „dynamische Ornamentvariationen, frei von formelhafter Starrheit“ (Jakobs 1999, Bd. 2, S.477).