Empfang auf der Gralsburg des Anfortas (5. Buch, 226,23ff)

Der bereits im Rahmen der letzten Szene beschriebene Turm bildet den Übergang zur nächsten Szene, von der nur noch ein kleines Fragment erhalten ist: Zwei schwarz gekleidete Füße lugen unter einem faltenreichen weiß-roten Gewand hervor, das bis zum Boden reicht.

Parzival lässt sich nach seinem Abschied von Condwiramurs von seinem Pferd führen und kommt so eher zufällig zur Gralsburg. ...

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Der bereits im Rahmen der letzten Szene beschriebene Turm bildet den Übergang zur nächsten Szene, von der nur noch ein kleines Fragment erhalten ist: Zwei schwarz gekleidete Füße lugen unter einem faltenreichen weiß-roten Gewand hervor, das bis zum Boden reicht.

Parzival lässt sich nach seinem Abschied von Condwiramurs von seinem Pferd führen und kommt so eher zufällig zur Gralsburg. Er wird dort fürstlich empfangen und bewirtet. Im Rahmen des Aufenthalts erlebt er die Präsentation des Grals und ein durch den Gral bewirktes Speisewunder. Parzival bleibt stumm, obwohl er das offensichtliche Leiden des schwerkranken Burgherrn Anfortas erkennt und sich über das Erlebte wundert. Er missversteht die Mahnung seines Erziehers Gurnemanz, nicht zu viele Fragen zu stellen. Aufgrund seiner Unfähigkeit, sein Mitgefühl auszudrücken, wird er beim Verlassen der Burg von einem Knappen als ruhm- und ehrlos beschimpft.

Meist wird die in lange Gewänder gehüllte Figur rechts des Turmes als Frau gedeutet, Schirock (1990) identifiziert sie als Repanse de Schoye, die Gralsträgerin. Bei genauer Betrachtung aller im Fresko gezeigten Figuren ist jedoch fraglich, ob es sich hier tatsächlich um eine Frau handelt. Alle weiblichen Personen tragen Gewänder, die bis über die Füße reichen und bis zum Hals geschlossen sind, sodass außer dem Kopf und den Händen keine Körperteile sichtbar sind. Von den Männern hingegen sind meistens die Füße zu sehen, häufig sind diese mit schwarzen oder in Ausnahmefällen auch hellen Schuhen bekleidet. Dieser Beobachtung zufolge wird Parzival vermutlich von einem Knappen empfangen, wie es auch im Epos zu lesen ist (226, 23ff.). Neben dem Turm ist entweder Parzival in Repanses langem Mantel zu sehen oder der Gastgeber, der in Pelzrock und Mantel gekleidet ist. weniger anzeigen

  • Abb. 1 von 4 - Bildquelle: Franz-Josef Stiele-Werdermann, Konstanz

    Empfang auf der Gralsburg des Anfortas

    Man truoc im einen mantel dar:
    den legt an sich der wol gevar
    mit offener snüere.
    ez was im ein lobes gevüere.

    (228, 9-12)

    Man brachte einen Mantel aus kostbarer arabischer Seide, den der schöne Jüngling lose über die Schultern warf. Man bewunderte ihn unverhohlen.
    (Spiewok, Band 1, S. 389)

  • Abb. 2 von 4 - Bildquelle: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), Mscr.Dresd.M.66, f. 157r, um 1443-1446, Wolfram von Eschenbach, Parzival, (Nutzung gemäß Public Domain Mark 1.0)

    Empfang auf der Gralsburg des Anfortas

    Überschrift über fol. 157r (Klicken Sie auf das Bild für eine Gesamtansicht von Bild und Text): Also parcifal mijtsaluaste kam do der gral und der siech anfortas was

  • Abb. 3 von 4 - Bildquelle: Burgerbibliothek Bern, Cod. AA 91 (A), f. 47r, Berner Parzival-Handschrift digital (Nutzung gemäß CC BY-NC-SA 4.0)

    Empfang auf der Gralsburg des Anfortas

  • Abb. 4 von 4 - Bildquelle: Burgerbibliothek Bern, Cod. AA 91 (A), f. 47v, Berner Parzival-Handschrift digital (Nutzung gemäß CC BY-NC-SA 4.0)

    Parzival zu Tisch auf der Gralsburg

    Überschrift über der vorangestellten Seite fol. 47r: da ist der sal da der wirt mit sinen rittern In sas mit hundert tischen

    Parzival erlebt das Speisewunder des Grals mit