Das Hörspiel eröffnet seit den 1920er-Jahren einen auditiven Experimentalraum, in dem Stimme, Geräusche und Musik ein Hörerlebnis erzeugen, das Zuhörer*innen fesselt, herausfordert und involviert. Wurden Hörspiele zunächst noch live gespielt und gesendet, bieten Streaming und digitale Aufzeichnungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten heute eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten, die zu erkunden und reflektieren sind.
Dabei stellt das Erzeugen von Stimmung und die Verbindung verschiedener Handlungsstränge ohne visuelle Unterstützung nach wie vor eine besondere Herausforderung dar, die es zu meistern gilt – sowohl erzählerisch als auch technisch.
Im Seminar „Experimentelle Audioproduktion im Hörspiel“ unter Leitung von Manuel Schaub beschäftigten sich die Studierenden eingehend mit diesem Genre und produzierten eigene Beispiele, von denen einige hier zu hören sind:
Die Geheimzutat
von Anna Egenolf, Lukas Kempkes und Lucie Wieske
Ich wünschte, ich käme nach Haus‘
von Eileen Bader, Niko Hönig, Jacob Kern und Carolin Schmidhäuser
Kurzbeschreibung:
Natürlich hat Philipp verschlafen. Seine Freunde sind schon längst im Discord-Call und wollen dabei sein, wenn er zum ersten Mal das neue Medikament ausprobiert. Kevin hat ihm die Tabletten gegeben, und versuchen muss man es ja. Zur allgemeinen Enttäuschung bleibt der spektakuläre Effekt aber aus. Zumindest vorerst.
Während seine Freunde immer misstrauischer werden, überschlagen sich schnell die Eindrücke und treiben Philipp durch eine Welt voller verwirrender Geräusche und Begegnungen. Außerdem: Woher kommen auf einmal all die Krähen?
Ein Hörspiel über den Versuch, einen Halt zu finden.
In diesem Projekt für ein Proseminar Medienwissenschaft wollten wir eine Geschichte im Hörspiel erzählen, ohne dafür auf eine Erzählstimme zurückzugreifen. Dadurch verlegt sich der Fokus automatisch auf die anderen narrativen Möglichkeiten des Mediums: Dialog, O-Ton, Schnitt, Mixing. Wir wollten unsere Darstellung auf jenes beschränken, das unsere Hauptfigur hören kann.
Das Besondere daran: Im Gegensatz zum Bericht eines allwissenden Erzählers, der mehr über die einzelnen Figuren weiß als sie selbst, erfahren unsere Hörer:innen sogar weniger als der Hauptcharakter. Wir hören, was er hört, aber was er sieht, fühlt und denkt bleibt uns verschlossen.
Es entwickelt sich die einzigartige, individuelle Klangkulisse eines verschlafenen Morgens, die harmlos beginnt, bis der Verdacht entsteht, dass unser Protagonist möglicherweise Dinge wahrnimmt, die für die anderen Figuren nicht zu hören sind.
Nika
von Ella Bütow, Cara-Sophia Haible, Eron Metolli und Dania Nastasija
Odd Reality
von Ann-Sophie Jensen und Luise Kraft