Das Forschungsprojekt bestand aus zwei unterschiedlichen Seminaren, die aber miteinander gekoppelt waren. Das eine Seminar beinhaltete die praktische Umsetzung des Tanzprojektes mit den Probenterminen, einem Impuls- und Kennenlernworkshop mit Bea Carolina Remark und den zwei Aufführungen, einmal im Rahmen des Festivals und einmal bei der feierlichen Verabschiedung der Schulabgänger*innen in der Regenbogen-Schule. Das andere Seminar bestand aus wöchentlichen Online-Sitzungen, in den wir wissenschaftliche Texte an der Schnittstelle zwischen Disability Studies und Theaterwissenschaften/ Medienwissenschaften gelesen haben und in denen wir auch die Probentermine und den Verlauf des Projektes kritisch reflektiert haben. Zusammen ergaben die beiden Kurse ein gemeinsames Forschungsseminar.
In diesem Forschungsseminar haben wir herausgefunden, was passiert, wenn bewegte Körper auf akademische Diskurse treffen. Gemeinsam mit dem Theater Konstanz, der Regenbogen-Schule und dem Seewerk wurde eine Tanzperformance mit Studierenden und jungen Erwachsenen erarbeitet, die beim Theaterfestical „Lets ally“ am 29.06.2025 in Konstanz aufgeführt wurde.
Abstrakte Vorstellungen von Barrieren im Theater und ableistische Vorurteile wurden durch die gemeinsame Tanzarbeit und den dadurch entstandenen Begegnungs- und Erfahrungsraum konkretisiert, abgebaut oder aufgebrochen. Wir haben nicht nur gemeinsam getanzt, sondern auch zusammen Flyer und Kostüme entworfen und die Bühnentechnik bedient.
Außerdem haben wir erfahren, wie schwer es ist, die an Normköpern und normierten Bewegungsmustern orientierten Bühnen-Erwartungen tänzerisch aufzubrechen.
Diese Methodeninnovation kombiniert (Tanz)Theorie und (Tanz)Praxis und schafft somit eine neue Form von forschendem Lehren und Lernen. Die Studierenden haben durch eigenes Erleben und Aushandeln von Grenzen und Unterstützungsbedarfen von und mit den Jugendlichen gelernt.
Bei einem Impulsworkshop von Bea Carolina Remark wurde für einen verständnisvollen und achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper und dem von anderen sensibilisiert. Die Studierenden haben somit an konkreten Beispielen Theorien über die Medialität und Normvorstellungen von Körpern erproben und theoretische Ansätze zu Inklusion durch die Praxis heraus erfahren und kritisch hinterfragen können.
Herausforderungen waren, dass wir viel zu wenig Zeit hatten, um das Projekt zu entwickeln, dass wir auch mit den Probenzeiten nicht so flexibel waren und daher auch häufig am Wochenende oder sogar nach der Schule proben mussten – diese Umstände und natürlich auch das heiße drückende Wetter im Sommer waren Faktoren, die das Projekt zusätzlich erschwert haben. Trotz dieser Umstände und der Zeitknappheit ist ein wunderschönes Projekt entstanden. Ich sehe viel Potenzial, ähnliche Projekte vielleicht auch in Kooperation mit dem Unitheater zu verwirklichen. Mit genügend Vorlauf, der Möglichkeit, die Proben in Form eines Intensiv-workshops in den Schul- und Semesterferien anzusetzen und ausreichend Flexibilität für die Anrechnung von ECTS-Punkten und individuellen Prüfungsleistungen (vor allem auch für Lehramtsstudierende), könnte sich ein Programm etablieren, das eine nachhaltige und dauerhafte Kooperation mit der Regenbogen-Schule und dem Seewerk und den Jugendeinrichtungen der Stadt zum Ziel hätte, von dem alle profitieren könnten.