{"id":1400,"date":"2026-07-26T18:30:02","date_gmt":"2026-07-26T16:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/?p=1400"},"modified":"2026-07-26T18:31:06","modified_gmt":"2026-07-26T16:31:06","slug":"kurze-kuenstlervorstellung-johannes-poethen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/2026\/07\/26\/kurze-kuenstlervorstellung-johannes-poethen\/","title":{"rendered":"Kurze K\u00fcnstlervorstellung: Johannes Poethen"},"content":{"rendered":"<p>Johannes Poethen, ein Schriftsteller aus der Bodenseeregion, wurde am 13. September 1928 in Wickrath am Niederrhein geboren und besuchte sp\u00e4ter Schulen in K\u00f6ln, W\u00fcrttemberg und Bayern. Seine ersten Ver\u00f6ffentlichungen, die vorerst haupts\u00e4chlich aus Gedichten und Essays bestanden, erschienen unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, in welchen er als Luftwaffenhelfer eingezogen wurde. Die zum gro\u00dfen Teil in seiner Jungend verfassten Gedichte wurden anfangs besonders formal von Werken Joseph von Eichendorffs, Rainer Maria Rilkes und Friedrich H\u00f6lderlins beeinflusst, sp\u00e4ter inspirierte ihn jedoch vor allem &#8222;die franz\u00f6sische Lyrik seit Baudelaire, besonders Ren\u00e9 Char&#8220;.<\/p>\n<p>Die Kernthematiken Poethens Lyrik werden des\u00f6fteren als sehr einheitlich beschrieben, da sich stets Motive Griechenlands und der Antike in ihnen wiederfinden. Nach seinem Germanistik- und dem parallelen Philologiestudium mit dem Schwerpunkt auf griechischer Mythologie in T\u00fcbigen, t\u00e4tigte der K\u00fcnstler unterschiedliche Reisen ins Ausland, wobei viele in den Mittermeerraum, unteranderem 1954 nach Griechenland, gingen. Griechenland wird im Zusammenhang mit Poethen oft als ein Land beschrieben, das er so liebt wie kein anderes, was seine literarische Auseinandersetzung mit dem Land an sich und seiner den Autor faszinierenden Geschichte erkl\u00e4rt. An dieser Stelle dient das Gedicht &#8222;Insel&#8220; aus seinem Gedichtband &#8222;Wohnstatt zwischen den Atemz\u00fcgen&#8220; als passendes Mittel der Verbildlichung seiner Zuneigung!:<\/p>\n<blockquote><p>Du sagtest: nimm, eh das jahr f\u00e4llt, deine verschwiegenste stimme.<\/p>\n<p>Schneide die wolke ab, die geheime, noch gr\u00fcn. Sie soll reifen im<\/p>\n<p>meer, wo es leicht ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Du sagtest: nimm, eh du z\u00f6gern mu\u00dft, deinen einfachen blick.<\/p>\n<p>Grabe mit ihm, dort bevor sich gewohnheit erhebt, den salzigen<\/p>\n<p>hain aus. Wo ich nie verga\u00df, am geneigten hang in einer handvoll<\/p>\n<p>brisen, da la\u00df ihn wachsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Du sagtest: nimm, eh du nicht mehr fliegst, dein sicherstes h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Finde mit ihm die h\u00f6hle rings aus schaum. Entz\u00fcnde davor, wie es<\/p>\n<p>hergeweht, \u00fcberall preisgeben, dies binsenscharfe gl\u00fcck.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hierbei begeistern nicht nur seine an M\u00e4rchen erinnernde Wortwahl und sein realit\u00e4tsfremder Umgang mit Naturph\u00e4nomenen, wie Wolken, sondern ebenso das Wechselspiel zwischen Gro\u00df- und Kleinschreibung.<\/p>\n<p>In Gedichten des Buches &#8222;Poethen Gedichte&#8220; finden sich beispielsweise Wortneusch\u00f6pfungen, wie &#8222;sonnenecho&#8220; (Kapitel &#8222;Ankunft und Echo. ein triptychon&#8220;) und Zusammenstellungen, wie &#8222;sternkrume im blutstrom \/ \u00fcbrig aus meerm\u00fchlen&#8220; (Kapitel &#8222;Empf\u00e4ngliche Zwischenzeit&#8220;) wieder, in welchen stets sein Interesse f\u00fcr Mythologie und seine Naturbegeisterung aufeinandertreffen und wir mitlesen d\u00fcrfen. (Die Universit\u00e4tsbibliothek Konstanz bietet eine gro\u00dfe Auswahl an Literatur von Poethen, hierbei auch zwei signierte Ausgaben der Gedichtsammlungen &#8222;Die M\u00f6ven \u00fcber Hagia Sophia&#8220; und &#8222;Eines morgens \u00fcber dem Golf&#8220;!)<\/p>\n<p>Ein weiteres gern gew\u00e4hltes Motiv Poethens ist eine Gegen\u00fcberstellung zwischen einer industrialisierten Gro\u00dfstadt, die er nicht nur als modern, sondern gleichzeitig als zerst\u00f6rte Landschaft betrachtet, und einer s\u00fcdlichen, von antiken Merkmalen gepr\u00e4gten Landschaft.<\/p>\n<p>In den siebziger Jahren wandte er sich schlie\u00dflich freieren Formen zu, in welchen er die Gegenwartsgesellschaft umschrieb und diese und die mit ihr einhergehenden Konflikte kritisierte. Ein paar Beispielverse, als Zitat des Autors, das in einem Interview zwischen Ingrid Bach\u00e9r und Johannes Poethen fiel:<\/p>\n<blockquote><p>Und niemand wei\u00df: Ist denn noch &#8212; leben &#8212; gut?<\/p>\n<p>Ist es wohl wahr, was jeder Tag verspricht,<\/p>\n<p>Und immer wieder jenen hei\u00dfen Mut<\/p>\n<p>Zu z\u00fcnden, der sich endlich selbst zerbricht?<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Interview ist einer Art Sammlung namens &#8222;Ich bin nur in W\u00f6rtern. Johannes Poethen zum sechzigsten Geburtstag&#8220; entnommen und stellt ein Beitrag von vielen dar, die Poethens Werk und den K\u00fcnstler selbst, ob in Textform oder mit Zeichnungen, ehren.<\/p>\n<div id=\"attachment_1403\" style=\"width: 221px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1403\" class=\"size-medium wp-image-1403\" src=\"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-211x300.jpg\" alt=\"Eine Art Berg, durch feine Linien figuriert. Darunter in Textform: Eines Morgens \u00fcber dem Golf... F\u00fcr Johannes Poethen. W. B. 1988\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-720x1024.jpg 720w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-106x150.jpg 106w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-768x1092.jpg 768w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-1080x1536.jpg 1080w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-1440x2048.jpg 1440w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-1200x1706.jpg 1200w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/07\/IMG_5171-scaled.jpg 1801w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><p id=\"caption-attachment-1403\" class=\"wp-caption-text\">Ein Beitrag des deutschen Autors und bildenden K\u00fcnstlers Wolfgang Brenneisen<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange lebte Poethen als freier Schriftsteller im vom Fachwerkh\u00e4usern geschm\u00fcckten T\u00fcbinger Stadtteil Hirschau bevor er Leiter der Literatur- und Kunstabteilung des S\u00fcddeutschen Rundfunks in Stuttgart und Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller wurde. Bei Letzterem l\u00f6ste er Thadd\u00e4us Troll, einen der bekanntesten schw\u00e4bischen Mundartdichter, vorerst als Vorsitzender und sp\u00e4ter als Ehrenvorsitzender ab. Die letzten 15 Jahre seines Lebens verbrachte er in Stuttgart und Vrachati, eine Strandstadt in Griechenland, bis er 2001 verstarb.\u00a0<a id=\"mwIQ\" title=\"T\u00fcbingen\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BCbingen\" rel=\"mw:WikiLink\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Poethen, ein Schriftsteller aus der Bodenseeregion, wurde am 13. September 1928 in Wickrath am Niederrhein geboren und besuchte sp\u00e4ter Schulen in K\u00f6ln, W\u00fcrttemberg und Bayern. 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