{"id":1195,"date":"2026-04-26T14:00:27","date_gmt":"2026-04-26T12:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/?p=1195"},"modified":"2026-04-27T15:12:38","modified_gmt":"2026-04-27T13:12:38","slug":"kurze-kuenstlervorstellung-hermann-hesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/2026\/04\/26\/kurze-kuenstlervorstellung-hermann-hesse\/","title":{"rendered":"Kurze K\u00fcnstlervorstellung: Hermann Hesse"},"content":{"rendered":"<p>Der Schriftsteller und Nobelpreistr\u00e4ger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie <em>Der Steppenwolf<\/em>, <em>Siddhartha<\/em> und <em>Demian<\/em> weltweiten Ruhm. Was viele jedoch nicht wissen: einen pr\u00e4genden Teil seines Lebens verbrachte er in Gaienhofen, unweit von Konstanz.<\/p>\n<div id=\"attachment_1199\" style=\"width: 384px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1199\" class=\"wp-image-1199\" src=\"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-1024x660.jpg 1024w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-150x97.jpg 150w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-768x495.jpg 768w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-1536x989.jpg 1536w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-2048x1319.jpg 2048w, https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/kws\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2026\/04\/Haus_Hesse_-_Gaienhofen_-_um_1910-1200x773.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><p id=\"caption-attachment-1199\" class=\"wp-caption-text\">Eine fotographische Ansichtskarte vom &#8222;Hesse Haus&#8220; um 1910 aus der Kollektion von Markus Wolter.<\/p><\/div>\n<p>1904 zog es den frisch verlobten Hesse gemeinsam mit seiner Frau, der Schweizer Fotografin Maria Bernoulli, in das kleine Dorf am Bodensee. Beide waren stark vom Gedanken der Lebensreform beeinflusst, d. h. eine R\u00fcckbesinnung auf Natur und Simplizit\u00e4t als Gegenentwurf zur fortschreitenden Industrialisierung und dem wachsenden Materialismus in den Gro\u00dfst\u00e4dten. In diesem Sinne entschieden die zwei sich bewusst f\u00fcr ein abgeschiedenes Leben im 3000-Einwohner- und -Einwohnerinnendorf und verf\u00fcgten daheim weder \u00fcber flie\u00dfendes Wasser oder Elektrizit\u00e4t noch \u00fcber einen Lebensmittelladen.<\/p>\n<p>So schreibt Hesse selbst in einen Brief an Stefan Zweig:<\/p>\n<blockquote><p>Gaienhofen ist ein ganz kleines sch\u00f6nes D\u00f6rflein, hat keine Eisenbahn, keine Kaufl\u00e4den, keine Industrie, nicht einmal einen eigenen Pfarrer, [\u2026]. Es hat auch keine Wasserleitung, so dass ich alles Wasser am Brunnen hole, keine Handwerker, so dass ich die n\u00f6tigen Reparaturen im Haus selber machen muss, und keinen Metzger, also hole ich Fleisch, Wurst etc. jeweils im Boot \u00fcber den See aus dem n\u00e4chsten thurgauischen St\u00e4dtchen. Daf\u00fcr gibt es Stille, Luft und Wasser gut, sch\u00f6nes Vieh, famoses Obst, brave Leute. [\u2026]<\/blockquote>\n<p>Die Jahre in Gaienhofen erwiesen sich als besonders produktiv in seinem literarischen Schaffen. So entstanden mehrere Erz\u00e4hlungen sowie die Romane <em>Unterm Rad<\/em> und <em>Gertrud<\/em>. Weiterhin stammen auch eine Vielzahl an Gedichten aus dieser Zeit, in denen sich die Landschaft um den Bodensee selbst einschreibt, wie dieses:<\/p>\n<h5>Berge in der Nacht<\/h5>\n<blockquote><p>Der See ist erloschen,<br \/>\nSchwarz schl\u00e4ft das Ried,<br \/>\nIm Traume fl\u00fcsternd.<br \/>\nUngeheuer ins Land gedehnt<br \/>\nDrohen die hingestreckten Berge.<br \/>\nSie ruhen nicht.<\/p>\n<p>Sie atmen tief, und sie halten<br \/>\nEiner den anderen an sich gedr\u00fcckt.<br \/>\nTief atmend,<br \/>\nMit dumpfen Kr\u00e4ften beladen,<br \/>\nUnerl\u00f6st<br \/>\nIn verzehrender Leidenschaft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ruhige, gutb\u00fcrgerliche Leben mit Familie und Haus war jedoch nicht nur von reiner Idylle gepr\u00e4gt, sondern stand stets im Widerstreit mit pers\u00f6nlichen Umst\u00e4nden und Hesses intrinsischem Verlangen nach einem Leben als Vagabund. Aufgrund dessen zog das Paar im Jahr 1912 weiter nach Bern.<\/p>\n<p>Hermann Hesse reflektiert diese Zeit sp\u00e4ter wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p>Nun waren wir also richtig f\u00fcr Lebenszeiten eingerichtet und angesiedelt, friedlich stand vor unsrer Haust\u00fcr der einzige gro\u00dfe Baum unseres Grundst\u00fccks, [\u2026]. Aber die Ewigkeit, f\u00fcr die wir gebaut hatten, dauerte nicht lange. Ich hatte Gaienhofen ersch\u00f6pft, es war dort kein Leben mehr f\u00fcr mich, ich reiste nun h\u00e4ufig f\u00fcr kurze Zeiten weg, die Welt war so weit da drau\u00dfen, und fuhr schlie\u00dflich sogar nach Indien, im Sommer 1911. Die heutigen Psychologen, der Schnoddrigkeit beflissen, nennen so etwas eine ,Flucht&#8216;, und nat\u00fcrlich war es unter anderem auch dies. Es war aber auch ein Versuch, Distanz und \u00dcberblick zu gewinnen. [\u2026]. Aber das alles gen\u00fcgte nicht. [\u2026] allm\u00e4hlich gew\u00f6hnten wir uns daran, unser Haus als verk\u00e4uflich und unser Gaienhofener Leben als eine Episode zu betrachten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei Interesse kann diese Lebensphase zu ausgew\u00e4hlten Terminen im Mia und Hermann Hesse Haus in Gaienhofen hautnah erlebt werden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schriftsteller und Nobelpreistr\u00e4ger Hermann Hesse erlangte mit Werken wie Der Steppenwolf, Siddhartha und Demian weltweiten Ruhm. 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