{"id":134,"date":"2018-06-02T14:40:48","date_gmt":"2018-06-02T12:40:48","guid":{"rendered":"http:\/\/kim59.wwwdns.kim.uni-konstanz.de\/blog\/facetten\/?p=134"},"modified":"2018-06-02T14:40:48","modified_gmt":"2018-06-02T12:40:48","slug":"bachelorarbeit-lf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/bachelorarbeit-lf\/","title":{"rendered":"Bachelorarbeit: Performanz der Malerei: Das handeling des K\u00fcnstlers in zwei fr\u00fchen Selbstbildnissen Rembrandts"},"content":{"rendered":"<h4>Ein Abstract zur Bachelorarbeit von Laura Feurle<\/h4>\n<p class=\"LKM-Abstract\">Rembrandt Harmensz. van Rijn (1609-1669) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten K\u00fcnstlern des \u201aGoldenen Zeitalters\u2018 der holl\u00e4ndischen Kunst, wobei sein \u0152uvre eine ungew\u00f6hnliche Vielzahl an Selbstbildnissen umschlie\u00dft, die in der kunsthistorischen Forschung des 20. Jh. ebenso ausf\u00fchrlich wie kontrovers diskutiert wurden. Dabei hat sich fr\u00fch eine Forscherfraktion abgezeichnet, welche in der heterogenen Gruppe dieser Werke Zeugnisse der Selbsterforschung der k\u00fcnstlerischen Identit\u00e4t und Psyche Rembrandts erkennen wollte. Im diametralen Gegensatz zu diesem Interpretationsansatz, der von zahlreichen Forschern in Hinblick auf die Reprojektion der freudianischen Konzepte von \u201aSelbst\u2018 und \u201aIch-Identit\u00e4t\u2018 als anachronistisch kritisiert und daher abgelehnt wurde, entwickelte sich eine sozialgeschichtlich argumentierende Position, welche die Selbstportraits als Teil einer pragmatischen Selbstvermarktungsstrategie Rembrandts deutete.<br \/>\nDieser dergestalt polarisierte Forschungsdiskurs wurde im Rahmen dieser Abschlussarbeit als Ausgangsbefund f\u00fcr eine methodische Neubetrachtung der beiden fr\u00fchesten Selbstportr\u00e4ts des K\u00fcnstlers aus den Jahren 1628 und 1629, die sich heute in der M\u00fcnchner Alten Pinakothek und dem Amsterdamer Rijksmuseum befinden, herangezogen. Der augenscheinlichen Verbindung der spezifischen \u00c4sthetik der beiden Bilder wurde in einer ph\u00e4nomenologischen, also dezidiert bildimmanenten Analyse Rechnung getragen. Unter Zuhilfenahme zeitgen\u00f6ssischer kunstpraktischer Terminologien wurde\u00a0 daher zun\u00e4chst eine vergleichende stilistische Analyse der Gem\u00e4lde vorgenommen, um verschiedene Akzentuierungen der jeweiligen Bildevidenz herauszuarbeiten und die Ergebnisse dann in einem zweiten Schritt ins Interpretative zu wenden, wobei zeitgen\u00f6ssische Diskurse zur Erkenntnis- und Kunsttheorie erg\u00e4nzend hinzugezogen wurden. Die spezifische Bildph\u00e4nomenalit\u00e4t wurde dabei konsequent auf metaartistische Implikationen, die sowohl die Sph\u00e4re der k\u00fcnstlerischen Produktion als auch der Bildrezeption betreffen, befragt, um nicht zuletzt auch feine Facetten des fr\u00fchen Kunst- und K\u00fcnstlerselbstverst\u00e4ndnisses Rembrandts herauszukristallisieren.<\/p>\n<p class=\"LKM-Abstract\">Somit bestanden die Grundthesen der Arbeit kurzgefasst darin, dass das <em>handeling<\/em> (Farbauftrag und Pinselmotorik bzw. k\u00f6rperlicher Malakt Rembrandts) durch die virtuose und dynamische malerische Farbspur ein \u201aPortr\u00e4t der schaffenden und zugleich denkenden Hand Rembrandts\u2018 hervorbringt. Selbiges, so die Annahme, sei programmatisch aufgeladen und dar\u00fcber hinaus sogar im Stande, eine Form gemalter Kunsttheorie zuallererst zu erzeugen.<br \/>\nDie Entfaltung des Sinnpotentials der bildimmanenten Ph\u00e4nomene barg das Potenzial, neue Perspektiven auf die Gem\u00e4lde zu gewinnen, indem der Blick des Betrachters f\u00fcr die Subtilit\u00e4t der bildnerischen Argumentation gesch\u00e4rft wurde. Eine besondere Herausforderung stellte es dar, den subtilen Allusionen und spielerisch angesto\u00dfenen Assoziationsketten in beiden Gem\u00e4lden nachzusp\u00fcren, diese sch\u00e4rfend zu reflektieren und in einen interpikturalen (zwischenbildlichen) Dialog zu bringen. Dabei musste zugleich vorsichtige Bedachtsamkeit bei der Verbalisierung der Beobachtungen walten, um nicht den Eindruck absoluter Setzungen (oder schlicht: der \u00dcberinterpretation) zu erwecken.<br \/>\nZuletzt konnte jedoch das experimentelle <em>handeling<\/em> Rembrandts in seinen beiden Fr\u00fchwerken als wesentliches konstituierendes Moment der k\u00fcnstlerischen Sinngenerierung freigelegt werden, sodass fortan der bisherigen \u201aVerharmlosung\u2018 der beiden Gem\u00e4lde in der Forschung als reine Beleuchtungs- und expressive Physiognomiestudien in aller Vehemenz widersprochen werden darf. Damit bilden die analysierten Selbstportr\u00e4ts des Fr\u00fchwerks als autonome Kunstwerke einen angemessenen Auftakt f\u00fcr die Reihe der nachfolgenden ebenso komplexen wie ber\u00fchmten Selbstportr\u00e4ts des holl\u00e4ndischen Gro\u00dfmeisters, denen sie in Hinblick auf ihre k\u00fcnstlerische Bravour und Selbstreflexivit\u00e4t in nichts nachstehen.<\/p>\n<p class=\"LKM-Bio\">Laura Feurle hat sich im Rahmen ihres Bachelorstudium besonders f\u00fcr kunsttheoretische und metapikturale Aspekte der Kunst der Fr\u00fchen Neuzeit \u2013 insbesondere in Deutschland und den (heutigen) Niederlanden \u2013 interessiert. Nachdem sie im Sommer 2017 ihren Bachelor mit der nachfolgend skizzierten Abschlussarbeit beendet hat, studiert sie nun im konsekutiven Masterstudiengang LKM mit dem Schwerpunkt Kunstwissenschaft weiter an der Uni Konstanz. Dabei f\u00e4llt ihre Auswahl der Bildgegenst\u00e4nde inzwischen gegenwartsn\u00e4her aus: Vornehmlich setzt sie sich nun mit der Kunst der klassischen Moderne aus einer interdisziplin\u00e4ren Perspektive (Literatur und Malerei\/Graphik) auseinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Abstract zur Bachelorarbeit von Laura Feurle Rembrandt Harmensz. van Rijn (1609-1669) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten K\u00fcnstlern des \u201aGoldenen Zeitalters\u2018 der holl\u00e4ndischen Kunst, wobei sein \u0152uvre eine ungew\u00f6hnliche Vielzahl an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":456,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_stc_notifier_status":"","_stc_notifier_sent_time":"","_stc_notifier_request":false,"_stc_notifier_prevent":false,"_stc_subscriber_keywords":"","_stc_subscriber_search_areas":"","footnotes":""},"categories":[1,8],"tags":[12,18,19,40],"class_list":["post-134","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-thesis","tag-abstract","tag-bachelorarbeit","tag-bachelorthesis","tag-kunst"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1362,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions\/1362"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/media\/456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}