{"id":132,"date":"2018-05-29T14:40:24","date_gmt":"2018-05-29T12:40:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kim59.wwwdns.kim.uni-konstanz.de\/blog\/facetten\/?p=132"},"modified":"2018-05-29T14:40:24","modified_gmt":"2018-05-29T12:40:24","slug":"bachelorarbeit-jb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/bachelorarbeit-jb\/","title":{"rendered":"Bachelorarbeit: Herculis Vita &#8211; Ein Beitrag zur Herrscherikonographie Rudolfs II. in Prag"},"content":{"rendered":"<h4>Ein Abstract zur Bachelorarbeit von Janina Burandt<\/h4>\n<h5>1. Auftakt<\/h5>\n<p class=\"LKM-Abstract\">Im Jahre 1642 ver\u00f6ffentlichte der K\u00fcnstlerbiograph Carlo Ridolfi die Vita des venezianischen Malers Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, beinahe 50 Jahre nach dessen Tod. Ridolfi beschrieb darin unter anderem vier Gem\u00e4lde, die Tintoretto f\u00fcr den habsburgischen Kaiser Rudolf II. angefertigt habe:<\/p>\n<p class=\"LKM-zitat\">Per Ridolfo II. Imperadore dipinse quattro quadri di favole per le sue stanze, con figure \u00e0 par del vivo. Le Muse in uno, che ridotte in un giardino formano un concerto di Musica con varij stromenti. Giove nell\u2019altro, che arreca al seno di Giunone Bacco fanciullo nato di Semele. Il terzo era di Sileno entrato nel buio nel letto di Hercole, credendosi goder d\u2019Iole, &amp; Hercole medesimo nel quarto, che si mira in ispecchio adornato di lascivie feminili dall\u2019istessa Iole<sup><a id=\"1\" title=\"Iole\" href=\"#fn1\">1<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Zur Zeit der Ver\u00f6ffentlichung der Vita war die Sammlung Rudolfs II. bereits nicht mehr vollst\u00e4ndig, da sich nach dessen Ableben 1612 Streitigkeiten unter seinen Geschwistern und Nachfolgern entwickelten, die zu einer allm\u00e4hlichen Aufteilung der Sammlung in verschiedene habsburgische L\u00e4nder f\u00fchrte<sup><a id=\"2\" title=\"Zimmermann\" href=\"#fn2\">2<\/a><\/sup>. Zudem entwendeten die Schweden kurz vor Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges eine Vielzahl an Kunstwerken aus der Prager Burg als Kriegsbeute und leisteten somit ihren Anteil an der weiteren Verstreuung der Werke<sup><a id=\"3\" title=\"Granberg\" href=\"#fn3\">3<\/a><\/sup>. Die Rekonstruktion der rudolfinischen Sammlung ist bis heute eine schwierige Aufgabe, da erhaltene Inventare nur bestimmte Gruppen von Kunstgegenst\u00e4nden umfassen und dementsprechend keinen vollst\u00e4ndigen \u00dcberblick \u00fcber die kaiserliche Sammlung bieten k\u00f6nnen<sup><a id=\"4\" title=\"Inventare\" href=\"#fn4\">4<\/a><\/sup> oder nach Rudolfs Herrschaft angefertigt wurden<sup><a id=\"5\" title=\"Inventare\" href=\"#fn5\">5<\/a><\/sup> und demnach dem Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit nicht gerecht werden. Au\u00dferdem gibt es Indizien daf\u00fcr, dass bestehende Inventare im Laufe der Zeit verloren gingen<sup><a id=\"6\" title=\"Zimmermann\" href=\"#fn6\">6<\/a><\/sup>. Auch die von Ridolfi erw\u00e4hnten Werke Tintorettos sind teilweise in den Inventaren enthalten, wenn auch in fragw\u00fcrdigen kurzen Deskriptionen. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich jedoch festhalten, dass Ridolfis Beschreibung nicht exakt der identifizierten Ikonographie entspricht. So zeigt das Gem\u00e4lde, das der Vita zufolge Jupiter, Bacchus und Juno enthalten soll, eine Szene aus dem Herkulesmythos, die auch als \u201aEntstehung der Milchstra\u00dfe\u2018 bekannt ist. Ridolfi benennt au\u00dferdem Iole, die Tochter des K\u00f6nigs Eurytos von Oichalia, obwohl die dargestellte Person dem Mythos zufolge als Omphale, die K\u00f6nigin von Lydien<sup><a id=\"7\" title=\"Hunger\" href=\"#fn7\">7<\/a><\/sup>, identifiziert werden m\u00fcsste. Das literarische Werk, das Tintorettos Gem\u00e4lden zugrunde liegen k\u00f6nnte, ist Giglio Gregorio Giraldis <em>Herculis Vita<\/em>, das erstmals 1539 in Basel herausgegeben wurde<sup><a id=\"8\" title=\"Garas\" href=\"#fn8\">8<\/a><\/sup>. Darin wird die Figur, die bei Ovid noch Omphale genannt wird, als Iole bezeichnet, weshalb die Diskrepanz der Figurenbenennung Ridolfis auf der Kenntnis und Nutzung verschiedener literarischer Traktate basieren k\u00f6nnte<sup><a id=\"9\" title=\"Garas\" href=\"#fn9\">9<\/a><\/sup>. Die Titel dieser drei Gem\u00e4lde lauten nachfolgend <em>Die Entstehung der Milchstra\u00dfe<\/em>, <em>Herkules verjagt den Satyr aus Omphales Gemach<\/em> und <em>Herkules und Omphale<\/em>. W\u00e4hrend <em>Die Entstehung der Milchstra\u00dfe<\/em> in der Londoner National Gallery ausgestellt ist und sich <em>Herkules verjagt den Satyr aus Omphales Gemach<\/em> im Besitz des Sz\u00e9pm\u00fcv\u00e9szeti Muzeum Budapest befindet, ist der Aufenthaltsort von <em>Herkules und Omphale<\/em> unbekannt. F\u00fcr das vierte Gem\u00e4lde, die Darstellung der im Garten musizierenden Musen, kommen mehrere Gem\u00e4lde Tintorettos in Frage<sup><a id=\"10\" title=\"Bernari\" href=\"#fn10\">10<\/a><\/sup>. Zun\u00e4chst ist jedoch festzuhalten, dass drei der vier Gem\u00e4lde Szenen aus dem Herkulesmythos thematisieren. Durch den Auftraggeber Rudolf II. liegt eine Verkn\u00fcpfung dieser Bildmotive mit der habsburgischen Herrscherikonographie, insbesondere dem <em>Hercules Germanicus<\/em>, nahe.<br \/>\nIn der Forschungsliteratur finden sich zahlreiche unterschiedliche Ans\u00e4tze und Meinungen bez\u00fcglich der Bewertung der Relationen zwischen den vier Gem\u00e4lden im Allgemeinen und der <em>Entstehung der Milchstra\u00dfe<\/em> im Besonderen, deren Interpretation in dieser Arbeit sowohl als Schwerpunkt als auch als Ausgangspunkt f\u00fcr einen umfassenderen Zusammenhang dient. Es soll aufgezeigt werden, dass Tintorettos Gem\u00e4lde Auftragswerke f\u00fcr Rudolf II. waren und er durch die Motivwahl einerseits in eine Genealogie der Habsburger integriert wird und andererseits durch seine k\u00fcnstlerischen Vorlieben heraussticht. Das Aufgreifen des Herkulesmythos in den Werken der Prager Hofk\u00fcnstler soll als Ausblick in die Argumentation mit einbezogen werden.<\/p>\n<ol class=\"listfootnotes\">\n<li id=\"fn1\">Carlo Ridolfi: <em>Vite dei Tintoretto: da Le maraviglie dell\u2019arte. overo, Le vite degl\u2019illustri pittori veneti e dello stato [1648]<\/em>, hg. v. Giovanni Keller, Venedig 1994, S. 76. Die Vita Tintorettos wurde von Ridolfi 1642 erstmals ver\u00f6ffentlicht und zusammen mit den Viten von Marietta und Domenico Tintoretto 1648 erneut publiziert. <a href=\"#1\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn2\">Vgl. Heinrich Zimmermann: \u201eDas Inventar der Prager Schatz- und Kunstkammer vom 6. Dezember 1621. Nach Akten des K. und K. Reichsfinanzarchivs in Wien\u201c, in: <em>Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerh\u00f6chsten Kaiserhauses<\/em>, Wien 1905, S. XIII-LXXV, hier S. XIV. Einen \u00dcberblick \u00fcber die allm\u00e4hliche Verteilung der Sammlungen aus Prag gibt Eli\u0161k\u00e1 Fu\u010dikov\u00e1 in einem 1998 publizierten Artikel. Vgl. dies.: \u201eDas Schicksal der Sammlungen Rudolfs II. vor dem Hintergrund des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges\u201c, in: Klaus Bu\u00dfmann, Heinz Schilling (Hg.): <em>1648. Krieg und Frieden in Europa<\/em>, Bd. 2, M\u00fcnster 1998, S. 173-180. <a href=\"#2\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn3\">Ein entsprechendes Inventar der Sammlung von Christina von Schweden wurde von Olof Granberg ver\u00f6ffentlicht und beinhaltet die Neuzug\u00e4nge aus Prag. Vgl. ders.: <em>La Galerie de Tableaux de la Reine Christine de Su\u00e8de ayant appartenu auparavant a l\u2019empereur Rodolphe II plus tard aux Ducs d\u2019Orleans. Recherche historique et critique<\/em>, Stockholm 1897. <a href=\"#3\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn4\">Vgl. z.B. das Inventar von 1607-1611, in: Rotraud Bauer, Herbert Haupt (Hg.): <em>Das Kunstkammerinventar Kaiser Rudolfs II., 1607-1611, Reihe Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien<\/em>, Bd. 72 (neue Folge Bd. XXXVI), Wien 1976. <a href=\"#4\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn5\">Vgl. z.B. die Inventare von 1621, 1635 und 1644 in Zimmermann 1905 und 1648 in Granberg 1897. <a href=\"#5\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn6\">Vgl. Zimmermann 1905, S. XIV. Zimmermann schlie\u00dft aufgrund eines Chronistenberichtes darauf, dass kurz nach Rudolfs II. Tod ein von Matthias initiiertes, umfassendes Inventar angelegt wurde, welches jedoch verschollen ist. Auf Grundlage dieses Inventars sei die Teilung der Prager Schatz- und Kunstkammer unter den Geschwistern Kaiser Matthias, Erzherzog Maximilian III. und Erzherzog Albrecht VII. ausgehandelt worden. Vgl. ebd. <a href=\"#6\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn7\">Vgl. Herbert Hunger: <em>Lexikon der griechischen und r\u00f6mischen Mythologie. Mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart<\/em>, Wien 1988, S. 367. <a href=\"#7\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn8\">Vgl. Claire Garas: \u201eLe tableau du Tintoret du Mus\u00e9e de Budapest et le cycle peint pour l\u2019Empereur Rodolphe II\u201c, in: <em>Bulletin du Mus\u00e9es Hongrois des Beaux-Arts<\/em>, Bd. 30, Budapest 1967, S. 29-48, hier S. 40. <a href=\"#8\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn9\">Vgl. Garas 1967, S. 41f. <a href=\"#9\">\u21a9<\/a><\/li>\n<li id=\"fn10\">Vgl. Carlo Bernari, Pierluigi de Vecchi: <em>L\u2019opera complete del Tintoretto, Reihe Classici dell\u2019Arte<\/em>. Bd. 36, Mailand 1970, S. 125f. <a href=\"#10\">\u21a9<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"LKM-Bio\">W\u00e4hrend ihres Bachelorstudiums besch\u00e4ftigte sich Janina Burandt vornehmlich mit Ikonographie und Kunsttheorie der Fr\u00fchen Neuzeit sowie Fragen aus der interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit von Kunst- und Restaurierungswissenschaften. Nach ihrem Bachelorabschluss im Sommer 2017 begann sie den konsekutiven Masterstudiengang LKM mit Schwerpunkt Kunstwissenschaft, ebenfalls an der Universit\u00e4t Konstanz. In den bisherigen Themenfeldern bilden sich langsam Zentren des Interesses heraus: Vor allem kunsttheoretische Aspekte des 17. Jahrhunderts, wobei die Kunst Spaniens besonders in den Fokus r\u00fcckt, und bild\u00fcberschreitende Ph\u00e4nomene sind Gegenstand ihrer aktuellen kunstwissenschaftlichen Arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Abstract zur Bachelorarbeit von Janina Burandt 1. 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