{"id":1279,"date":"2026-03-30T17:33:16","date_gmt":"2026-03-30T15:33:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/?p=1279"},"modified":"2026-03-30T17:33:16","modified_gmt":"2026-03-30T15:33:16","slug":"mario-kart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/mario-kart\/","title":{"rendered":"Mario Kart"},"content":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich gab es ein Seminar, dass von Maren Kraemer und Markus Sp\u00f6hrer geleitet wurde, in dem es darum ging, ein interaktives Ausstellungskonzept zu entwickeln, in dem Menschen f\u00fcr das Thema Barrierefreies Gaming sensibilisiert werden sollten.<\/p>\n<p>Als es dann im Winter 2022\/23 um die konkrete Umsetzung einer Ausstellung im Zepplab des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen ging, bin ich in das Projekt mit eingestiegen. Ich habe Kontakt aufgenommen zur Regenbogen-Schule in Konstanz-Wollmatingen, einem SBBZ. Dies wurde der Beginn unserer Kooperation mit der Schule. Urspr\u00fcnglich wollten wir die Sch\u00fcler*innen zu der Ausstellung einladen und haben sie zu diesem Anlass in der Schule besucht, um ihnen schon einmal einen der in der Ausstellung vorgef\u00fchrten adaptiven Controller vorzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir haben gemeinsam mit den Jugendlichen &#8222;rocket league&#8220; gespielt, eine Spielfigur wurde auf 3-4 Spielende aufgeteilt. Die urspr\u00fcngliche Idee war, die Navigation aufzuteilen \u2013 der Gedanke war: komplexit\u00e4t reduzieren (nur Lenken, nur Gas geben, nur Items ausl\u00f6sen). Der tats\u00e4chlicher Effekt: Das Spiel wird komplexer, aber zum Teil auch ein anderes. UND es wird kommunikativer und inklusiver. Es erm\u00f6glicht, dass Menschen mitspielen k\u00f6nnen, f\u00fcr die das Spiel vorher gar nicht zug\u00e4nglich war.<\/p>\n<p>Somit wurde die aktive Teilnahme mehrerer Personen gleichzeitig erm\u00f6glicht, die keine Kenntnis oder Fingerfertigkeit f\u00fcr das Spiel an sich verlangte. Ziel dieses Experiments war es nicht, &#8222;rocket league&#8220; mit einem adaptiven Controller nach den Anforderungen des Spieleherstellers zu spielen, sondern einen gemeinsames Spielmoment zu er\u00f6ffnen und durch diesen Moment ein neues Spiel zu erfinden.<\/p>\n<p>Die Begeisterung und Offenheit der Jugendlichen f\u00fcr diese ungew\u00f6hnlichen Spiel-Konstellationen f\u00fchrte dazu, dass nach ihrem Besuch im Zepplab noch weitere Spiele-Sessions mit den Jugendlichen in der Schule abgehalten wurden. Im Wintersemester 2023\/24 habe ich diese Spiele-Sessions dann auch im Rahmen eines Seminars stattfinden lassen und seit dem versuche ich regelm\u00e4\u00dfig mit Studierenden die Sch\u00fcler*innen im Unterricht zu besuchen und dar\u00fcber hinaus mit ihnen gemeinsam Gaming-Events in der Region zu besuchen bzw. selbst zu veranstalten. Diese fanden u.a. in Kooperationen mit dem Zeppelinmuseum in Friedrichshafen, der Hochschul-Gruppe Gaming,\u00a0 dem JuZe (Jugendzentrum) der Stadt Konstanz und den Mighty Pixels, einem lokalen Gaming Club statt.<\/p>\n<p>Das Konzept der Seminare ist, dass die Studierenden zun\u00e4chst durch einf\u00fchrende Spielsessions und Spiele-Workshops, sowie wissenschaftliche Texte mit den Themen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alternative Eingabeger\u00e4te und Spielesetups konfrontiert werden.<\/p>\n<p>Dadurch, dass man Spiele anders spielt als vorgesehen, die Spiellogiken durchbricht, beginnt man erst zu verstehen, worin eigentlich die Regeln und ihre Grenzen bestehen. Die Studierenden lernen auf ganz praktische Weise die Spielziele, Normen und Erwartungen von digitalen Spielen zu verstehen und zu hinterfragen.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt gehen die Studierenden in die Interaktion mit den Jugendlichen, lernen deren Bed\u00fcrfnisse kennen und versuchen gemeinsam mit ihnen neue Spiel- und Teilnahmem\u00f6glichkeiten zu entwickeln.<\/p>\n<p>Sie lernen dabei: Es braucht h\u00e4ufig ein Umdenken, Umwege und besondere Anpassungen, um Computer-Spiele anders zu spielen, als die Hersteller es vorgesehen haben. Anders als bei handels\u00fcblichen Spielesettings kann man die alternativen Controller nicht einfach so einstecken und losspielen. Es bedarf hier immer einer speziellen Anpassung, die oft auch auf unterschiedlichenen Ebenen vorgenommen werden muss (Einstellung im Spiel, auf dem Ger\u00e4t, etwas muss dazwischen geschaltet werden).<\/p>\n<p>Videos, die Spielende zeigen, die die adaptiven Controller perfekt an ihre Bed\u00fcrfnisse angepasst haben, gehen h\u00e4ufig viral, weil diese Anpassungen f\u00fcr andere Menschen unvorstellbar sind und als Kuriosit\u00e4t gefeiert werden. Unsichtbar bleibt dabei, dass dahinter oft ein monate- oft jahrelanger Optimierungsprozess steckt. Und dass es sehr viel Wissen und h\u00e4ufig auch ausf\u00fchrende H\u00e4nde braucht, die den Menschen mit eingeschr\u00e4nkter Mobilit\u00e4t das Computerspielen mit einem individuell angepassten Setup erm\u00f6glichen).<\/p>\n<p>Auf diese Weise sind schon viele wertvolle Interaktionen und Spielmodi entstanden. Doch das wichtigste ist, dass bei den Studierenden ein Bewusstsein daf\u00fcr entsteht, dass es nicht den einen &#8222;Normuser&#8220; gibt, f\u00fcr den das Spiel optimal entwickelt ist, sondern, dass Spiele prinzipiell anpassbar und ver\u00e4nderbar sein sollten und das ein gemeinsamer Spielmoment wertvoller ist, als ein Spiel perfekt zu beherrschen. Im besten Fall nehmen die Studierenden diese Erkenntnis mit und beeinflussen dadurch die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, die sie selbst zuk\u00fcnftigt haben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich gab es ein Seminar, dass von Maren Kraemer und Markus Sp\u00f6hrer geleitet wurde, in dem es darum ging, ein interaktives Ausstellungskonzept zu entwickeln, in dem Menschen f\u00fcr das Thema [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_stc_notifier_status":"sent","_stc_notifier_sent_time":"2026-03-30 18:29:03","_stc_notifier_request":false,"_stc_notifier_prevent":false,"_stc_subscriber_keywords":"","_stc_subscriber_search_areas":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1279","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1279","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1279"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1279\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1306,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1279\/revisions\/1306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lkm.uni-konstanz.de\/facetten\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}