´╗┐
´╗┐

Der r├Ątselhafte wei├če Stein

Mit nur 3,5 Zentimetern im Durchmesser lenkt er nicht sofort die Blicke auf sich. Daf├╝r sorgt eher schon die Sandsteinplatte, die ihn fest umschlie├čt. Sie macht durch ihre Schmucklosigkeit auf sich aufmerksam. Die Rede ist von einem kleinen wei├čen Stein an der Westseite des Heiligen Grabs (Abb. 1 bis 3). Sowohl Alter wie auch Herkunft des Steines sind ungewiss.

Die Architektur und der Stein

Gegen├╝ber dem Eingang befindet sich die massive Sandsteinplatte. Sie nimmt den sonst mit Ma├čwerk versehenen Raum zwischen Sockel- und Kapitellzone ein und verstellt den Blick ins Innere. Oberhalb der Mitte umfasst sie den beschriebenen wei├čen Stein. Eine Inschrift von 1560 im oberen Bereich (Abb. 2) zeugt von der Restaurierung der Rotunde durch Jakob Kurtz. Putzreste unterhalb der Inschrift lassen darauf schlie├čen, dass der Stein zeitweise verdeckt war. Doch welche Bedeutung hatte er?

Ein St├╝ck Jerusalem in Konstanz?

Seiner Vita zufolge war Konrad drei Mal als Pilger in Jerusalem. Mittelalterliche Pilgerberichte beschreiben einen Schutzbau aus wei├čen Marmorsteinen um das Heilige Grab in Jerusalem. Aus dieser Zeit sind auch zahlreiche Mahnungen ├╝berliefert, aus dem Grab keine St├╝cke auszubrechen. Dass dieses Verbot auf eine g├Ąngige Praxis reagiert, zeigt ein in der Kapelle Sancta Sanctorum in Rom aufbewahrtes K├Ąstchen aus dem 6./7. Jahrhundert. Es ist mit Steinen aus dem Heiligen Land gef├╝llt, die als Reliquien verehrt werden. So ist es nicht abwegig, den Konstanzer wei├čen Stein als Teil des Heiligen Grabes in Jerusalem zu verstehen, den vielleicht bereits Bischof Konrad in seine Nachbildung der Anastasisrotunde eingebracht hat. Ob der Stein tats├Ąchlich aus Jerusalem stammt, oder erst im Lauf der Jahrhunderte daf├╝r gehalten wurde, ist freilich nicht gekl├Ąrt.

Unzweifelhaft ist jedoch die Verehrung des Steins. An der Basis der bereits genannten Steinplatte sind zwei flach abgearbeitete Vorspr├╝nge zu sehen (Abb. 1). Hier kann eine Kniebank befestigt gewesen sein. F├╝r die knieenden Gl├Ąubigen hat sich der Stein dann in Kussh├Âhe befunden (Abb. 3).
Die beiden Skulpturen der Grabw├Ąchter, die im Innenraum links und rechts der Sandsteinplatte stehen (Abb. 4), bekommen damit eine neue Bedeutung: sie bewachen nicht nur die Grabtruhe innen, sondern auch das Grabfragment au├čen (Jezler 1985).